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Ralf Loose übernahm Dynamo Dresden im April 2011 als Cheftrainer © getty

Im SPORT1-Interview spricht der U-20-Weltmeister von 1981 über die kurze Vorbereitung, Neuverpflichtungen und die Fan-Thematik.

Von Thorsten Mesch

München - Erst drei Monate ist Ralf Loose bei Dynamo Dresden im Amt.

In der Zeit hat der Trainer aber schon eine Menge erlebt: Mit seiner Amtsübernahme begann der Aufschwung, der Dymano schließlich über die Relegation in die Zweite Liga führte.

Dort steht der 48-Jährige nun allerdings vor einer Mammutaufgabe. Mit Alexander Esswein, Dani Schahin und Timo Röttger stehen drei Leistungsträger der vergangenen Saison nicht mehr Team.

Gleichwertiger Ersatz konnte bisher nicht verpflichtet werden. Loose hofft allerdings, dass noch Spieler zum Kader stoßen, um die Sachsen in der neuen Liga wettbewerbsfähig zu machen.

Im SPORT1-Interview spricht der U-20-Weltmeister von 1981 über Neuverpflichtungen, die kurze Vorbereitung, die Ziele für die nächste Saison und die Fan-Thematik.

SPORT1: Sie waren mit Ihrer Mannschaft im Trainingslager in Österreich. Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Ralf Loose: Die Spieler, die wir unter Vertrag haben, sind gut in Schuss und haben die komplette Vorbereitung mitgemacht. Wir müssen einen Spagat finden, um die Testspieler in den Partien auf Herz und Nieren zu überprüfen und gegebenenfalls den einen oder anderen noch zu verpflichten.

SPORT1: Bislang haben Sie aber doch schon neun Spieler geholt.

Loose: Wir haben jedoch auch 13 Spieler verloren und sind also im Kader sehr dünn besetzt. Wir brauchen noch Verstärkungen. Sicher noch zwei Stürmer, dazu noch einen linken und wahrscheinlich einen rechten Verteidiger. Ich sage bewusst Verstärkungen, denn eine Ergänzung bringt uns nicht weiter.

SPORT1: Wichtige Spieler, die den Aufstieg geschafft haben, wie Schahin oder Esswein sind gegangen: Wir schwer wiegen diese Verluste und wie können Sie diese kompensieren?

Loose: Mit dem jetzigen Kader wird es schwer, in die Meisterschaft zu gehen. Natürlich sind die Abgänge ein Verlust. Esswein, Schahin und auch Hübener sind nicht so leicht zu ersetzen. Auf der anderen Seite haben wir mit Marcel Heller und Filip Trojan neue Offensivkräfte geholt, auch Pavel Fort als zentralen Stürmer. In der Spitze brauchen wir noch zwei Topleute.

SPORT1: Im Tor sind Sie dafür doppelt gut besetzt. Zu Benjamin Kirsten, der in den Relegationsspielen eine starke Leistung gezeigt hat, kommt mit Dennis Eilhoff noch ein Keeper mit Bundesliga-Erfahrung: Ist es gut, wenn man als Trainer dieses Luxusproblem hat oder ist zu befürchten, dass der Konkurrenzkampf eher schadet?

Loose: Ich sehe kein Luxusproblem. Andere Vereine sind auf dieser Position ganz anders aufgestellt: Die haben zwei Zweitliga-Torhüter und vielleicht noch einen jungen Torwart hinten dran. Das haben wir nicht. Wenn sich einer von den beiden Torhütern verletzt, haben wir schon ein Problem.

SPORT1: Wo sehen Sie die Problemzonen Ihres aktuellen Kaders?

Loose: Sollten sich Trojan oder Heller jetzt verletzen, haben wir ein großes Problem. Wir brauchen Alternativen und einen Konkurrenzkampf, um unser Ziel, den Klassenerhalt in der Zweiten Liga, zu erreichen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Im Training laufen die Telefone heiß.

SPORT1: Wie machen Sie potenziellen Verstärkungen den Wechsel schmackhaft?

Loose: Wenn man wie wir nicht die großen finanziellen Mittel hat, braucht man auch das Quäntchen Glück im richtigen Moment und die Überzeugung des Spielers, sich für Dynamo zu begeistern. Ich bin selbst von der Euphorie in Dresden beeindruckt. Die Stadt ist an Schönheit nicht zu überbieten und es macht Spaß hier zu arbeiten.

SPORT1: Wer sind neben dem erfahrenen Cristian Fiel, der schon viele Zweitliga-Spiele für Aachen absolviert hat, die Säulen Ihrer Mannschaft?

Loose: Unsere Altersstruktur im Team ist gut. Wir habe eine Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Einige Spieler - wenn ich an Heller oder Trojan denke - haben bei ihren Vereinen zuletzt keine große Rolle gespielt. Ich möchte diese Spieler wieder zu alter Form bringen. Dann können sie auch sehr wertvoll für uns werden.

SPORT1: Ist nur der Klassenerhalt das Ziel oder dürfen die Fans von mehr träumen?

Loose: Wir wussten vor drei Wochen noch nicht einmal, in welcher Liga wir spielen. Somit konnten wir auch erst spät planen. Trotzdem denke ich, dass wir das im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr professionell hinbekommen haben. Ich bin überzeugt, dass Dynamo weiter in der Zweiten Liga spielen wird.

SPORT1: Sie mussten durch die Relegation. Ärgert Sie der frühe Saisonstart besonders?

Loose: Nein, ich versuche immer positiv zu denken. Vielleicht sind wir noch in der guten Form der Aufstiegs-Endphase und kommen besser aus den Startlöchern als manche denken. Ich denke, dass wir zum Saisonstart absolut präpariert sind und die ersten Punkte einfahren werden.

SPORT1: Sie starten in Cottbus. Die Dynamo-Fans - bei aller Begeisterung - schlagen auch mal über die Stränge. Wie denken Sie, ist dieses Problem in den Griff zu bekommen, damit auch der Verein wieder in einem besseren Licht da steht?

Loose: Ich weiß, dass unser Verein alles versucht, um diese Dinge positiv zu beeinflussen. In den Heimspielen haben wir dieses Problem nicht. Es ist, wenn überhaupt, teilweise auswärts aufgetreten. Worin die Ursache dafür liegt, kann ich nicht sagen. Dennoch: Wenn in Dresden jemand einen Bengalo zündet, wird das gleich fünfmal höher bewertet als anderswo.

SPORT1: Wen zählen Sie zu den Aufstiegskandidaten und wer muss am Tabellenende zittern?

Loose: Ich denke die etablierten Mannschaften - Cottbus, Fürth, Duisburg, Bochum, Frankfurt - werden sicher messerscharf um den Aufstieg kämpfen. Um den Klassenerhalt spielen höchstwahrscheinlich die alten Bekannten, die Aufsteiger sowieso, aber auch Paderborn oder Union Berlin. Natürlich gehören wir auch dazu.

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