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Bleibt er? Daniel Halfar (M.) wurde von den Fans zum "Spieler der letzten Saison" gewählt © getty

Nach der finanziellen Rettung durch Investor Ismaik wollen die "Löwen" auf dem Platz wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

Von Matthias Becker

München - Nervenaufreibende Monate liegen hinter Zweitligist TSV 1860 München.

Der finanziell angeschlagene Klub lebte zuletzt stets mit der Angst vor der drohenden Insolvenz.

Die Situation war ernst. Zeitweise gar aussichtslos.

Es musste an jeder Ecke gespart werden. Schon im vergangenen Herbst hatte 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer von der gesamten Belegschaft und den Spielern einen zehnprozentigen Gehaltsverzicht gefordert.

Dieser wurde damals von allen im Verein akzeptiert.

Es verging seitdem kein Tag, an dem im Umfeld des Klubs nicht Angst und Zweifel herrschten, wo nicht gehofft wurde, dass endlich die Rettung verkündet wird. Ende Mai war es dann soweit.

Rettung durch Investor Ismaik

Die Rettung hatte einen Namen: Hasan Ismaik. Mit dem Einstieg des arabischen Investors wendete sich das Blatt zum Guten. Die monatelangen Verhandlungen mit dem jordanischen Geschäftsmann konnten zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden.

Ismaik setzte seine Unterschrift unter einen 18-Millionen-Euro schweren Pakt mit den "Löwen" und ein zwölf Monate anhaltender Existenzkampf des Traditionsvereins ging zu Ende.

Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages kaufte Ismaik 49 Prozent der Anteile an der TSV München von 1860 GmbH Co. KGaA.

Kurz darauf bekam der Verein von der DFL die Lizenz für die neue Zweitligasaison ? ohne Auflagen. 1860 ist der erste deutsche Klub, der sich an einen ausländischen Investor verkauft hat.

Nun soll das lukrative Geschäft für den Verein der Beginn einer wunderbaren Erfolgsgeschichte werden.

"Wenn Löwen wach sind, sind sie unschlagbar"

Bei seiner offiziellen Vorstellung in der Allianz Arena ließ Ismaik seinen Freund Hamada Iraki, der das Geschäft mit 1860 eingefädelt hatte, übersetzen: "Löwen schlafen sehr lange, aber wenn sie wach sind, sind sie unbesiegbar. Diese Löwen haben jetzt lange genug geschlafen. Es wird Zeit, dass wir wach werden."

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Dem "Spiegel" sagte Ismaik kurz nach der Vertragsunterschrift: "Kein ernsthafter Investor, egal ob Deutscher, Araber oder Russe, schmeißt sein Geld aus dem Fenster raus. Das Projekt darf nicht scheitern."

Trennung vom langjährigen Vermarkter

Ismaik hat seit seinem Einstieg das Sagen beim TSV 1860. Ein weiteres Indiz dafür war die Auflösung der Zusammenarbeit mit der International Management Group (IMG), dem langjährigen Vermarktungspartner der Löwen. Die IMG soll in Zukunft nur noch beratend tätig sein. (Bericht: Ismaik-Einstieg perfekt)

Das Tagesgeschäft rund um die Vermarktung der "Blauen" wird in Zukunft die "H.I. Squared International GmbH" übernehmen - die neu gegründete Vermarktungsfirma von Ismaik.

In einer Presseerklärung von 1860 hieß es: "Durch diesen Vorgang wurde ein weiterer wichtiger Baustein im Rahmen der wirtschaftlichen Konsolidierung umgesetzt."

Wie geht es weiter? Es soll sich wieder auf das Sportliche konzentriert werden.

Maurer: "Wir können ganz normal arbeiten"

Die Mannschaft soll nun auf dem Platz für positive Schlagzeilen sorgen. Am Freitag fällt der Startschuss für die neue Zweitligasaison. Am Sonntag geht?s für die "Löwen" bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig los.

Im Umfeld von 1860 herrscht Ruhe wie schon seit Jahren nicht mehr. Und dank der Rettung dürfte für Trainer Reiner Maurer und seine Mannschaft auch in den nächsten Wochen ein ruhiges Arbeiten möglich sein. Vor allem der akribische Arbeiter Maurer blieb in der unruhigen Zeit stets ruhig und souverän.

In der Münchner "Abendzeitung" sagte Maurer im Trainingslager tiefenentspannt: "Es ist ungewohnt, nicht täglich das Damoklesschwert der Insolvenz vor sich zu haben. Wir können ganz normal arbeiten.

Trotz Millionen keine großen Sprünge

Die Konzentration gilt dem Saisonauftakt. Schuldenfrei ja, leichtsinnig nein. Die "Löwen" können sich trotz der Millionen von Ismaik keine großen Sprünge erlauben. Das Geld wurde dazu benötigt, um Löcher zu stopfen. Sprich: Schuldentilgung.

Es muss also weiter gespart werden. Der Mannschaftsetat für die kommende Saison ist mit rund 6,5 Millionen Euro um ein Drittel niedriger als zu Beginn der abgelaufenen Saison. Torwart Philipp Tschauner, Florin Lovin, Tarik Camdal, Alexander Ludwig, Stefan Bell und Aleksandar Ignjovski haben den Verein verlassen.

Geholt wurde als Keeper Nummer zwei "Löwen"-Rückkehrer Timo Ochs (spielte schon von 2004-2006 bei 1860, d. Red.), von Zweitliga-Absteiger Bielefeld Arne Feick, aus Erfurt Dennis Malura.

Einen echten Transfercoup landeten die "Löwen" zudem mit der Verpflichtung von Collin Benjamin vom Hamburger SV.

Die Vereinsbosse hoffen noch die beiden Großverdiener Djordje Rakic und Antonio Rukavina von der Gehaltsliste streichen zu können.

Lauth bleibt bis 2014, Halfar soll folgen

Dazu konnte mit Benny Lauth der wohl wichtigste Spieler langfristig bis 2014 gehalten werden und auch mit Daniel Halfar, der von den Fans zum "Spieler der letzten Saison" gewählt wurde, soll der Verein laut Präsident Dieter Schneider kurz vor einer Einigung stehen.

Seine Vertragsverlängerung soll in den nächsten Tagen über die Bühne gehen. Was ist drin für die "Blauen"? Für viele Zweitligatrainer und Experten gilt 1860 als Anwärter für die vorderen Plätze.

Gibt's das ganz große Comeback der "Löwen"? Man darf gespannt sein, was in der Wundertüte 1860 steckt?

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