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Björn Ziegenbein (l.) spielt seit 2010 für Hansa Rostock © getty

Nicht nur Experte Marko Rehmer erwartet ein Hauen und Stechen um den Verbleib in der Zweiten Liga. SPORT1 macht den Abstiegscheck.

Von Christian Stüwe und Eric Böhm

München - Die Zweite Liga war in der vergangenen Saison eine Zweiklassen-Gesellschaft.

Während die eine Hälfte der Teams lange vom Aufstieg träumte, ging es für die anderen gegen den Abstieg.

Ein Mittelfeld gab es nicht wirklich, lediglich 1860 München und Alemannia Aachen befanden sich relativ früh jenseits von Gut und Böse.

Marko Rehmer glaubt, dass sich dies wiederholen wird.

Bangen um Union

"Ich denke, es wird sich relativ schnell abzeichnen, welche Teams oben mitspielen und welche unten", prophezeit der Ex-Profi, der in der am Freitag startenden Saison (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) als TV-Experte bei Hattrick - Die 2. Bundesliga auf SPORT1 im Einsatz sein wird. (Hattrick - Die 2. Bundesliga, Fr. ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1)

Der frühere Nationalspieler begann seine Karriere einst bei Union Berlin. Nun befürchtet er, dass es die "Eisernen" schwer haben werden, in der kommenden Saison an die guten Leistungen der vergangenen Spielzeit anzuknüpfen.

"Union wird vielleicht auch unten mit drinhängen", meint der ehemalige Nationalspieler. Auch den FSV Frankfurt sieht er als Wackelkandidaten, der aufpassen muss. Karlsruhe und Paderborn schätzt Rehmer als Abstiegskandidaten ein.

Rehmer glaubt an Aufsteiger

Überraschen könnten dem Ex-Rostocker zufolge die beiden Aufsteiger Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden - auch wenn beide Klubs von vorneherein den Klassenerhalt als Ziel nennen.

"Sie spielen einen erfrischenden, offensiven Fußball und können sicherlich für die eine oder andere Überraschung sorgen", so Rehmer.

SPORT1 macht den Zweitliga-Abstiegscheck.

Union Berlin

Union steht vor seiner dritten Zweitliga-Saison in Folge und setzt den personellen Umbruch konsequent fort.

Den Fünf Neuen stehen acht Abgängen gegenüber, davon schmerzt jedoch nur der Verlust von Defensiv-Allrounder Dominic Peitz.

Allerdings muss der Angriff deutlich effektiver werden. 2010/2011 stellten die "Eisernen" mit nur 39 Treffern den viertschlechtesten Angriff. Der Brasilianer Silvio (FC Zürich) und Simon Terodde (ausgeliehen vom 1. FC Köln) sollen für die nötigen Tore sorgen. Deutschland-Rückkehrer Marc Pfertzel (Kavala/Griechenland) ist als rechter Außenverteidiger eingeplant.

In den Tests lief es schon erstaunlich rund. Alle sechs Vorbereitungsspiele wurden gewonnen. Besonders das 3:0 gegen den schottischen Europa-League-Teilnehmer Heart of Midlothian beeindruckte.

Verzichten müssen die Köpenicker voraussichtlich mehrere Monate auf Fabian Fritsche. Der 19 Jahre alte Abwehrspieler erlitt am Sonntag in einem Testspiel der U23 gegen die Oberliga-Mannschaft von Dynamo Dresden einen Kreuzbandriss im linken Knie.

SC Paderborn

Für den SC Paderborn geht es auch in der kommenden Saison nur gegen den Abstieg. Der neue Trainer Roger Schmidt hat als Ex-Spieler viel Kredit im Umfeld, muss aber Torhüter Daniel Masuch ersetzen.

Lukas Kruse machte in den bisherigen Testspielen eine gute Figur und geht als Nummer eins in die Saison. Vorn ruhen die Hoffnungen der eingespielten Truppe auf die neuen Matthew Taylor (RW Ahlen) und Nick Proschwitz (FC Luzern).

Der 18-jährige Youngster Niclas Erlbeck beeindruckte in der Vorbereitung und könnte eine positive Überraschung werden. Er markierte den Endstand zum furiosen 4:1-Sieg gegen den 1.FC Köln.

Es gab aber auch ernüchternde Resultate. Bei Absteiger Arminia Bielefeld kam der SC nicht über ein 0:0 hinaus. Von Regionalligist Sportfreunde Lotte trennte man sich 1:1.

FSV Frankfurt

Nach der ganz schwachen Rückrunde tauschte der FSV wieder einmal den halben Kader aus und startet einen Neuaufbau.

13 Spieler verließen den Klub. Mit Sascha Mölders, Jürgen Gjasula und Mike Wunderlich ging nahezu die komplette Offensiv-Abteilung. Sie zeichneten für 62 Prozent der erzielten Treffer verantwortlich.

Karim Benyamina (Union) und Macauley Chrisantus, der wegen Malaria aber fast die komplette Vorbereitung verpasste, kommt die schwere Aufgabe zu, das Trio zu ersetzen.

Mit Zafer Yelen haben die Hessen den gesuchten Spielmacher kurz vor Saisonstart noch verpflichtet.

Der Mittelfeldspieler, der bis 2008 bei Hansa Rostock aktiv war, kommt vom türkischen Erstligisten Trabzonspor und erhält in Frankfurt einen Einjahresvertrag mit der Option für ein weiteres Jahr.

Auf Trainer Hans-Jürgen Boysen wartet eine echte Herkulesaufgabe. Das wurde in den Tests mehr als deutlich. Darüber kann auch ein 3:0 gegen eine bessere Reserve des 1.FC Köln nicht hinwegtäuschen. Die Generalprobe gegen Kaiserslautern ging mit 0:3 deutlich in die Hose.

FC Ingolstadt

Einen völlig anderen Weg kann dagegen der FC Ingolstadt bestreiten. Die Oberbayern konnten nahezu ihre komplette Stammelf halten und präsentierten mit Leo Haas (Greuther Fürth) und Andreas Schäfer (Osnabrück) zweitligaerfahrene Neuzugänge. Ein Stürmer soll noch kommen.

Gegen unterklassige Gegner hielt sich die Truppe schadlos, aber vor dem Start zeigt die Formkurve deutlich nach unten. Gegen Drittligist Wehen-Wiesbaden setzte es eine 1:6-Klatsche. Im letzten Test war der Hamburger SV beim 2:4 eine Nummer zu groß.

Dennoch scheint die Mannschaft von Benno Möhlmann auf einem guten Weg. Der angestrebte einstellige Tabellenplatz erscheint aber nur bei optimalem Verlauf realistisch.

Karlsruher SC

Nachdem der KSC gerade noch den Sturz in die Drittklassigkeit vermeiden konnte, soll sich der runderneuerte Kader schrittweise verbessern.

Coach Rainer Scharinger mahnt aufgrund der fehlenden Abstimmung vor übertriebenen Erwartungen. Schließlich wurde die komplette Abwehr ausgetauscht.

Mit Dirk Orlishausen (RW Erfurt) kam einer der besten Keeper der Dritten Liga. Außenverteidiger Florian Lechner (St. Pauli) ist neben Stürmer Klemen Lavric (ehemals Dresden und Duisburg) der bekannteste Neue im Wildpark.

Der Star ist freilich der neue Manager Oliver Kreuzer. Er soll die Karlsruher wieder in ruhigeres Fahrwasser führen. In der Vorbereitung ging es fast ausschließlich gegen unterklassige Klubs. Die mangelnde Kadertiefe könnte im Saisonverlauf zum Problem werden.

Eintracht Braunschweig

Nach vier Jahren ist Eintracht Braunschweig zurück in der Zweiten Liga. Abgesehen von U-20-Nationalspieler Karim Bellarabi konnte der komplette Stamm der Aufstiegsmannschaft gehalten werden. Zugang Oliver Petersch (Oberhausen) werden die besten Chancen eingeräumt sich in die erste Elf zu spielen.

Ansonsten setzt Coach Torsten Lieberknecht auf seine eingespielte Truppe um den Ex-Bundesligaspieler Dennis Kruppke. Für den Aufsteiger geht es naturgemäß nur um den Klassenerhalt (BERICHT: Mit jungen Wilden zur festen Größe).

Am Rückhalt der Fans wird es nicht mangeln. Es wurden bereits 12.500 Dauerkarten abgesetzt - Vereinsrekord.

Die Aufstiegseuphorie möglichst lange aufrecht zu erhalten, wird für die Eintracht extrem wichtig sein. In den Testspielen gelang dies recht gut. Einer achtbaren 0:1-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 folgte das souveräne 3:0 gegen Absteiger Osnabrück.

Hansa Rostock

Hansa Rostock machte in der Sommerpause mit der Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Marek Mintal auf sich aufmerksam. Das "Phantom" soll den Angriff der Norddeutschen beleben.

Ansonsten kamen nur junge Talente wie Flügelflitzer Timo Perthel (Sturm Graz) oder Angreifer Tino Semmer (RW Erfurt). Nur wenn die jungen Spieler sich steigern und Mintal einschlägt, wird sich der Aufsteiger in der Zweiten Liga behaupten.

Das 2:1 in der Generalprobe gegen Bröndby Kopenhagen lässt aber hoffen, dass Peter Vollmanns Team auch eine Liga höher für Überraschungen sorgen kann (BERICHT: Hansa-Coach Vollmann im Interview).

Dynamo Dresden

Mit Dynamo Dresden kehrt ein Traditionsverein nach fünf Jahren in die zweithöchste Spielklasse zurück. Nach dem dramatischen Aufstieg in der Relegation gegen den VfL Osnabrück müssen allerdings einige Schlüsselspieler ersetzt werden.

Vor allem die Abgänge von Abwehrchef Thomas Hübener sowie den beiden Stürmern Alexander Esswein und Dani Schahin schmerzen Trainer Ralf Loose (BERICHT: Dynamo-Coach Loose im Interview).

Neben Torhüter Dennis Eilhoff (Bielefeld) soll Alexander Schnetzler (Osnabrück) die Abwehr verstärken. Im Angriff fehlen noch Alternativen. Die Tschechen Filip Trojan (Duisburg) und Pavel Fort (Bielefeld) sind bisher die einzigen Neuen für die Offensive.

Die riesige Erfahrung von Kapitän Cristian Fiel und die fantastische Atmosphäre in den Heimspielen sind die größten Trümpfe der Sachsen. Dennoch geht es vom ersten Tag an nur gegen den Abstieg.

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