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Alexander Meier (r.) wechselte 2004 vom Hamburger SV zu Eintracht Frankfurt © imago

Für 15 der 18 Zweitliga-Trainer ist Frankfurt der Topfavorit auf den Aufstieg. SPORT1 beleuchtet die anderen Kandidaten.

Von Jakob Gajdzik

München - Es kann losgehen.

Am heutigen Freitag fällt der Startschuss zur Zweitliga-Saison 2011/2012 (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER), und von Beginn an dreht sich alles um die Frage: Wem gelingt der Sprung in die Bundesliga?

"Die üblichen Verdächtigen" sieht Ex-Profi und SPORT1-TV-Experte bei Hattrick - Die 2. Bundesliga (ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1) Marko Rehmer als Aufstiegskandidaten. Das sind in erster Linie die beiden Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt und der FC St. Pauli.

Dazu hat der 35-malige deutsche Nationalspieler den MSV Duisburg, den VfL Bochum und mit Abstrichen Fortuna Düsseldorf auf dem Zettel.

Trainer-Legende Peter Neururer - auch er ist in dieser Saison bei SPORT1 als Hattrick-Experte im Einsatz - sieht vor allem Frankfurt und seinen Ex-Klub Bochum in der Pflicht. Für beide Klubs sei der Sprung in die Bundesliga "ein absolutes Muss", erklärt Neururer.

Mit ihm macht SPORT1 vor dem Saisonstart den Zweitliga-Aufstiegscheck.

Eintracht Frankfurt

15 von 18 Zweitliga-Trainern nennen den Bundesliga-Absteiger als Topfavorit. Nach einem geschichtsträchtigen Absturz mit nur acht Punkten und sieben Toren in der Rückrunde der vergangenen Saison, stürzte die Eintracht in der Bundesliga von Platz sieben auf Platz 17.

Die Frage ist, ob die Mannschaft nach der kurzen Vorbereitung diesen Schock aus ihren Köpfen bekommen hat. Außer den Stammspielern Patrick Ochs, Maik Franz, Ralf Fährmann und Halil Altintop ist die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben. Nur Marco Russ steht ebenfalls noch vor dem Absprung nach Wolfsburg.

Mit dem neuen Trainer Armin Veh und Manager Bruno Hübner geben sich die Hessen optimistisch. Mit Thomas Kessler, Matthias Lehmann, Erwin Hoffer, Karim Matmour, Constat Djakpa, Gordon Schildenfeld und zuletzt Dominik Schmidt kamen zahlreiche bundesligaerfahrene Spieler zur Eintracht, die die Abgänge kompensieren sollten.

In den Testspielen zeigte sich die Eintracht bereits gerüstet, gewann die Partien gegen FC Senica, MFK Kosice, Eschborn, Young Boys Bern und zuletzt die Generalprobe gegen Waldhof Mannheim allesamt. (KOLUMNE: Die Zebras im Windschatten)

[kaltura id="0_hsj5xbz3" class="full_size" title="Mission Wiederaufstieg"]

Das sagt Hattrick-Experte Peter Neururer: "Armin Veh kann in dieser Situation mit dem Rückhalt von Heribert Bruchhagen rechnen. Von daher glaube ich, dass sie es mit Sicherheit packen. Der Verein kennt nur einen Weg: Zurück in die Bundesliga. Er ist neben dem VfL Bochum mein Top-Favorit.

FC St. Pauli

Der letztjährige Bundesliga-18. zählt ebenfalls zu den Aufstiegskandidaten, für viele Experten allerdings nur unter Vorbehalt.

In der Tat haben die "Kiezkicker" mit Gerald Asamoah, Thomas Kessler, Matthias Lehmann oder Sebastian Oczipka die Abgänge von Leistungsträgern zu verkraften. Dazu fällt der peruanische Nationalspieler Carlos Zambrano mit einem Abriss der Oberschenkelsehne auf unbestimmte Zeit aus.

Der schmerzlichste Abgang ist jedoch der von Trainer Holger Stanislawski. Nach 18 Jahren im Verein hat "Stani" die Hamburger Richtung 1899 Hoffenheim verlassen und wird von Ex-Paderborn-Coach Andre Schubert ersetzt.

"Ich sehe uns zum jetzigen Zeitpunkt durchaus in der Lage, ein Wort um die ersten fünf Plätze mit zu reden", sagte der 39-Jährige jüngst im SPORT1-Interview (INTERVIEW: Andre Schubert). Das Wort "Wiederaufstieg" nimmt er allerdings nicht in den Mund.

Will man jedoch um den Aufstieg mitspielen, sind in jedem Fall weitere Verstärkungen nötig. Die prominentesten Neuzugänge sind bisher Mahir Saglik, Philipp Tschauner und Sebastian Schachten. Zumindest Charles Takyi wird wohl nach seinem gescheiterten Transfer zum FC Augsburg weiter für Pauli Regie führen.

Ein Nachteil zu Saisonstart ist die Strafmaßnahme, das erste Heimspiel gegen den FC Ingolstadt nach dem Becherwurf-Skandal aus dem Heimspiel gegen Schalke in der vergangenen Saison, in Lübeck bestreiten zu müssen.

In den Testspielen wurden unterklassige Gegner deutlich besiegt. Zwar gab es gegen Zweitliga-Absteiger VfL Osnabrück eine 1:3-Pleite, doch konnte der dänische Spitzenklub Bröndby Kopenhagen mit 2:0 besiegt werden.

Das sagt Peter Neururer: Wichtig für St. Pauli ist, dass man eine realistische Zielsetzung ausgibt und nicht vom direkten Wiederaufstieg träumt. Träumen darf man zwar, aber wenn man das als Ziel ausgibt, dann könnte es ein paar Schwierigkeiten geben. Denn der Aderlass, den man hat hinnehmen müssen, ist doch recht groß. St. Pauli ist sicherlich eine Attraktion in dieser Liga. Aber sie gehören vielleicht nicht unbedingt zu den Aufstiegsfavoriten.

VfL Bochum

Der VfL scheiterte in der vergangenen Saison knapp am Aufstieg, als man erst in den Relegationsspielen gegen Borussia Mönchengladbach den Kürzeren ziehen musste (0:1/1:1).

Nun steht der Verein vor einem Novum: Noch nie verbrachten die "Unabsteigbaren" zwei Jahre in Folge in der Zweiten Liga. "Die Mannschaft ist weiter als in der vergangenen Saison und wir konnten die Qualität noch steigern", zeigt sich Trainer Friedhelm Funkel optimistisch für die kommende Spielzeit. (BERICHT: In Funkel glimmt die Hoffnung)

Nicht nur, dass die Mannschaft keine schmerzhaften Abgänge hinnehmen musste, mit Lukas Sinkiewicz hat man zudem eine bewährte ehemalige Bundesliga-Kraft dazugewonnen. Die einzigen Wermutstropfen sind die Ausfälle von Mimoun Azaouagh (Sprunggelenk) und Stürmer Chong Tese (Reha nach Meniskus-Glättung) zum Saisonstart.

In der Vorbereitung gewann der VfL all fünf Spiele, zuletzt gab es ein beachtlichen 2:0-Sieg über den schottischen Rekordmeister Glasgow Rangers.

Das sagt Neururer: "Der VfL Bochum ist - wie ich sage - leider nicht aufgestiegen. Wie bei Eintracht Frankfurt ist der Aufstieg jetzt ein absolutes Muss, wenn ich mir den Kader und die Neuverpflichtungen anschaue."

MSV Duisburg

Die "Zebras" sind die große Unbekannte im Aufstiegsrennen, aber bei den Experten auf dem Zettel.

Trainer Milan Sasic muss eine große Fluktuation im Kader bewältigen. Mit David Yelldell, Julian Koch, Stefan Maierhofer, Olcay Sahan und Ivica Banovic brechen den Duisburgern fast alle Leistungsträger weg.

Mit Florian Fromlowitz, Flamur Kastrati, Valeri Domovchiyski, Jürgen Gjasula sowie Jiayi Shao und Emil Jula, stehen zwar vielversprechende Neuzugänge auf der Haben-Seite, doch muss der 52-Jährige Coach diese schnell integrieren.

In der Vorbereitung holten sich die "Zebras" mit acht Siegen in neun Testspielen bei 29 Toren bereits jede Menge Selbstvertrauen.

Das sagt Neururer: "Mit dabei ist auch mein ehemaliger Verein MSV Duisburg, die groß investiert haben. Sie gehören sicherlich zu dem Kreis der Mannschaften, die nicht aufsteigen müssen, aber können."

Greuther Fürth

Der "ewige Fünfte" der Zweiten Liga plant in der kommenden Saison endlich den Fluch der "Unaufsteigbaren" zu durchbrechen. Trainer Mike Büskens hat die "Kleeblätter" bereits vergangene Saison beinahe auf den Relegationsplatz geführt, scheiterte jedoch erst im Schlussspurt am VfL Bochum.

Der bereits traditionelle Beinahe-Aufstieg der Franken (acht Mal in den vergangenen elf Jahren unter den Top fünf, nie aufgestiegen) veranlasste den Verein, die kommende Saison mit dem Motto "Un-Aufsteigbar-Tour" zu versehen. Eine gehörige Portion Selbstironie inklusive.

Den Verlust von Nicolai Müller wollen die Franken mit Spielern wie Sebastian Tyrala, Olivier Occean oder Dani Schahin kompensieren.

In den Testspielen konnte die Mannschaft unter anderem Bundesligist Borussia Mönchengladbach mit 2:1 besiegen, gegen Bayern Kitzingen schoss sich das Team beim 9:0 warm.

Das sagt Neururer: "Sie werden immer wieder mit der eigenartigen These konfrontiert, unaufsteigbar zu sein. Das ist wohl das Schicksal des Klubs, der sich ja auch als Ausbildungsverein sieht. Da immer wieder die Besten verkauft werden, ist es umso bewundernswerter, dass sie seit zehn Jahren immer in der Spitze der Zweiten Liga mitspielen. Irgendwann kann sicherlich auch mal der große Coup gelingen; vielleicht in diesem Jahr. Sie gehören zum Favoritenkreis."

Fortuna Düsseldorf

Die Düsseldorfer gelten als eine Art Geheimtipp auf den Aufstieg. Bereits in den vergangenen beiden Jahren ließen die Rheinländer aufhorchen.

Im vergangenen Jahr beendete die Elf von Trainer Norbert Meier die Saison auf Platz sieben, musste allerdings lange dem Horror-Start mit sechs Niederlagen zum Auftakt hinterherlaufen. In der Rückrundentabelle stand am Ende der vierte Platz.

Prunkstück der Düsseldorfer ist die Offensive. Sascha Rösler und der dänische Stürmer Ken Ilsö bestachen schon in der letzten Spielzeit durch ein starkes Zusammenspiel, nun kommen mit Adriano Grimaldi und dem Australier Robbie Kruse zwei weiter Optionen hinzu. Dahinter lauern zudem Ranisav Jovanovic und Thomas Bröker.

Das sagt Neururer: "Fortuna Düsseldorf hat für mich ganz große Chancen."

Die SPORT1-Prognose

Eintracht Frankfurt und der VfL Bochum sind die ganz großen Favoriten auf den Bundesliga-Aufstieg, ähnlich wie vergangene Saison Hertha BSC und der FC Augsburg, die es beide schließlich auch gepackt haben. Fürth, Duisburg und Düsseldorf können Druck machen und um die Plätze 2 und 3 mitspielen. Absteiger St. Pauli steht dagegen vor einem schweren Jahr.

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