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Bruno Hübner spielte 76 Mal in der Bundesliga für Kaiserslautern © imago

Im SPORT1-Interview erzählt Eintracht-Sportdirektor Hübner welcher Spielertyp noch fehlt und welchen Trick Armin Veh anwendet.

Von Christian Stüwe

München - Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg. Auf diese einfache Formel kann das Saisonziel von Eintracht Frankfurt gebracht werden.

Neben dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Trainer Armin Veh ist Bruno Hübner die neue Kraft bei der Eintracht.

Der 50-Jährige bekleidet den neugeschaffenen Posten des Sportdirektors. In dieser Funktion agierte er bereits erfolgreich beim MSV Duisburg und will nun die Eintracht zur Rückkehr in die Bundesliga führen.

Im SPORT1-Interview erzählt Hübner vor dem Saisonauftakt bei der SpVgg Greuther Fürth (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER, ab 22.30 Uhr in Hattrick - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1) warum die Eintracht noch zwei Spieler benötigt, welchen Trick Armin Veh angewandt hat und wieso der Job eine Herzensangelegenheit ist.

SPORT1: Der Start in die Zweitliga-Saison steht unmittelbar bevor. Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung?

Bruno Hübner: Wir sind sehr zufrieden. Wir haben einen großen Umbruch vollzogen. Der ist uns zu 85 Prozent gelungen. So wie sich die Mannschaft jetzt präsentiert, kann man zufrieden sein.

SPORT1: Was sind denn die fehlenden 15 Prozent?

Hübner: Wir suchen noch einen Innenverteidiger. Und wenn die finanziellen Möglichkeiten gegeben sind, hätten wir noch gerne einen großen Stoßstürmer

SPORT1: Also soll nach Dominik Schmidt noch ein weiterer Verteidiger kommen?

Hübner: Ja. Dominik Schmidt haben wir von Werder Bremen geholt, weil er in der Abwehrkette auf allen Positionen spielen kann. Das macht er gut. Aber wir wollen noch einen reinen Innenverteidiger dazu verpflichten.

SPORT1: Sie erwähnten einen großen Stoßstürmer. Wie muss dessen Profil aussehen?

Hübner: Ich habe beim MSV Duisburg gute Erfahrungen mit Stefan Maierhofer gemacht. Ein großer, kopfballstarker und gestandener Spieler, der auch Bälle halten kann. Im Moment ist unser Spiel auf Schnelligkeit und Konter ausgelegt. Ein solcher Spieler würde uns bei Standards helfen, oder um auswärts bei einer Führung den Ball zu halten. Es wäre wünschenswert, einen solchen Stürmer im Kader zu haben. Aber wir müssen abwarten, ob die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

SPORT1: Braucht man so einen Stürmer in der Zweiten Liga?

Hübner: Ich denke schon. Fast alle Vereine haben einen solchen Stürmer in ihren Reihen. In der Zweiten Liga wird vieles über die Standardsituationen entschieden. In Duisburg haben wir annähernd die Hälfte aller Punkte durch Tore nach Eckbällen und Freistößen eingefahren. Noch extremer war es bei Erzgebirge Aue. Aue ist Fünfter geworden und hat sehr viele Punkte über Standards geholt. Daran sieht man, wie wichtig diese Variante für die Zweite Liga ist.

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SPORT1: Wäre Alex Meier nicht ein Spieler, der diese Rolle einnehmen könnte?

Hübner: Von der Statur und seinen Möglichkeiten her schon. Aber ich glaube, er ist ganz vorne in der Spitze nicht optimal aufgehoben. Da gehen ein Stück weit seine Qualitäten verloren.

SPORT1: Die Eintracht ist der absolute Topfavorit. Nehmen Sie diese Rolle gerne an, oder wäre Ihnen ein bisschen Understatement lieber?

Hübner: Wir nehmen die Rolle als Topfavorit an. Da gibt es keine Diskussionen. Die Absteiger aus der Bundesliga sind immer Topfavoriten. Das hat letztes Jahr auch Hertha BSC Berlin gezeigt. Eintracht Frankfurt war länger in der Bundesliga als St. Pauli und hat von daher vielleicht noch einen etwas größeren Stellenwert. Da ist es die logische Konsequenz, dass uns die Trainer der Zweiten Liga als Favoriten sehen. Deswegen nehmen wir die Herausforderung an.

SPORT1: Martin Fenin hat gesagt, die Mannschaft sei stärker als die der letzten Saison. Denken Sie, die Eintracht hat eine außergewöhnliche Mannschaft für die Zweite Liga?

Hübner: Nein. Ob die Mannschaft außergewöhnlich ist, müssen die Ergebnisse zeigen. Wir sind auf einem guten Weg. Ich glaube schon, dass die Mannschaft vielleicht ein Stück weit homogener geworden ist, als in der letzten Saison. Und auch unberechenbarer. Aber alles andere muss man erst mal abwarten.

SPORT1: Der Großteil der Spieler aus der letzten Saison ist noch da. Wie sehr war die katastrophale Rückrunde noch in den Köpfen und wie konnte die Blockade gelöst werden?

Hübner: Am Anfang war die Blockade schon noch da. Das ist ja auch ganz logisch. Jeder beschäftigt sich mit so einer gravierenden Rückrunde. Das kriegt man auch nicht so schnell aus den Köpfen. Die erste Maßnahme war, dass Armin Veh den Spielern eine Woche mehr Urlaub gewährt hat. Als Absteiger starten wir schon drei Wochen früher in die Saison, da wären die Eindrücke der Rückrunde noch in den Köpfen gewesen. Dann sind wir mit guter Trainingsarbeit dagegen angegangen, mit der Entwicklung der Mannschaft und den Ergebnissen in der Vorbereitung. Ich denke, die Blockade ist weg. Aber die Gefahr ist natürlich schon gegeben, dass das wieder aufflackern könnte, wenn es mal schlechter laufen sollte. Aber dann sind die Führungsgremien mit dem Trainer und mir gefragt.

SPORT1: Der erste Gegner ist mit Greuther Fürth direkt eines der Topteams der Liga. Dann geht es gegen St. Pauli. Wie wichtig ist der Start?(DATENCENTER: Zweiltliga-Spielplan 2011/12)

Hübner: Natürlich ist der Start wichtig. Gerade eben, damit sich nicht wieder in den Köpfen festsetzt, dass man nicht gewinnen kann. Oder, dass Diskussionen aufkommen, dass die Mannschaft überschätzt ist. Aber wir wissen um unsere Stärken. Und ich habe immer gesagt, die Zweite Liga wird nicht in den ersten vier, fünf Spielen entschieden, sondern in der Rückrunde in den letzten zehn Spielen. Dann geht es um die Meisterschaft. Es ist aber trotzdem wichtig, dass wir am Anfang Punkte einfahren und gute Spiele abliefern, damit das Umfeld merkt, dass die Mannschaft ein klares Ziel vor Augen hat.

SPORT1: Sie kennen die Zweite Liga sehr gut. Werden Sie der Mannschaft vor dem Spiel in Fürth noch etwas mit auf den Weg geben?

Hübner: Ich denke, das habe ich schon getan und ich werde das auch immer wieder machen. Aber wir haben ja auch den einen oder anderen Spieler geholt, der die Zweite Liga kennt und um die Schwierigkeiten weiß. Ich glaube, die Jungs werden sich auch untereinander besprechen, wie schwierig die ?Mission Wiederaufstieg? wird.

SPORT1: Wie haben Sie sich in dem neuen Umfeld bei der Eintracht eingefunden und wie klappt die Zusammenarbeit mit Heribert Bruchhagen und Armin Veh?

Hübner: Sehr gut. Es macht mir sehr viel Spaß. Das ist ein ganz wichtiger Faktor, denn wir hatten schon sehr viel Arbeit und es kommt auch noch sehr viel Arbeit auf uns zu. Es fällt einem leichter, wenn man mit kompetenten Leuten zusammenarbeitet, die Erfahrung haben und mit denen man gemeinsam etwas bewegen kann.

SPORT1: Sie haben Sich selber als Eintracht-Fan offenbart. Inwiefern unterscheidet das die Arbeit von Ihren bisherigen Stationen?

Hübner: Es macht einfach noch mehr Spaß, man identifiziert sich noch mehr mit der Aufgabe. Ich bin in Hessen groß geworden. Eintracht Frankfurt hat mich in meiner Jugend begleitet. Dann auch bei meinem letzten Verein SV Wehen Wiesbaden. Wir haben immer gegeneinander gespielt. Es gab also immer Kontakt. Auch auf anderen Ebenen, etwa im Jugendleistungszentrum, gibt es viele Mitarbeiter, gegen die wir gespielt haben. Diese Nähe, dass alle handelnden Personen irgendwie bekannt sind, macht einfach Spaß.

SPORT1: Also ist der Wiederaufstieg auch persönlich ein ganz wichtiges Ziel für Sie?

Hübner: Sicherlich ist das ein ganz wichtiges Ziel. Ich glaube aber auch, dass ich beim MSV Duisburg noch eine richtig gute Truppe zusammengestellt habe. Ich war noch an fast 90 Prozent aller Personalien beteiligt. Auch dort gibt es eine große Chance, aufzusteigen. Das eigene Ego habe ich da ein bisschen in den Hintergrund gestellt, weil ich das schon perspektivisch gesehen habe. Weil ich glaube, wenn Eintracht Frankfurt aufsteigt, hat sie eine Berechtigung auch in der Bundesliga eine relativ gute Rolle zu spielen.

SPORT1: Also drücken sie auch dem MSV Duisburg noch die Daumen?

Hübner: Wenn wir zusammen aufsteigen würden, wäre mir das am liebsten. Aber ansonsten bin ich da schon ein bisschen egoistisch. Wenn es eng wird, steht natürlich Eintracht Frankfurt an erster Stelle.

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