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Sascha Rösler (l.) erzielte gegen Bochum sein 74. Zweitliga-Tor © imago

Sascha Rösler ist nach dem Düsseldorfer Auftaktsieg in der Zweiten Liga der gefeierte Mann. Bei der Party ist er nicht dabei.

Düsseldorf - Der Held des Abends war längst verschwunden, als die Fans von Fortuna Düsseldorf ihre Mannschaft lautstark hochleben ließen - Sascha Rösler saß auf dem stillen Örtchen.

"Ich musste ganz schnell zur Toilette, weil ich wegen Rückenschmerzen Tabletten geschluckt hatte, die mir auf den Magen geschlagen sind", berichtete der Offensivmann nach dem 2:0 (0:0) gegen den VfL Bochum im Montagsspiel der Zweiten Liga.

Ausgerechnet Rückenschmerzen also. Als Rösler in der 66. Minute quer in der Luft lag und per Fallrückzieher ein "Tor des Jahres" zur 1:0-Führung erzielte, war davon nichts zu spüren gewesen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Lambertz ersetzt Rösler

So aber musste Kapitän Andreas Lambertz den Jubel der 30.000 Fans dirigieren, der Stadionsprecher entschuldigte den Torschützen: "Sascha ist angeschlagen. Er kann jetzt nicht kommen..."

Angeschlagen war lange Zeit auch Fortuna Düsseldorf. Der Europapokalfinalist von 1979 war durch Misswirtschaft und verheerendes Management jahrelang in der Versenkung verschwunden und bis in die 4. Liga abgestürzt.

Horrorstart verhindert Aufstieg

Nun ist der Klub fast entschuldet, spielt in einem topmodernen Stadion und im Umfeld herrscht riesige Euphorie. Ein früherer Stammgast der Bundesliga ist wieder erwacht.

Im vergangenen Spieljahr hätte es bereits zur Rückkehr nach 14 Jahren reichen können - wäre da nicht dieser Horrorstart gewesen: 6 Niederlagen setzte es zum Auftakt, dazu kam das Pokal-Aus beim Drittligisten TuS Koblenz.

[kaltura id="0_fis594jd" class="full_size" title="Fortuna Fans hoffen auf Platz 3"]

"Zumindest das haben wir vermieden", sagte Trainer Norbert Meier, der kontinuierlich einen Aufbau einleitet, welcher bald in der Bundesliga enden soll.

Meier dämpft Euphorie

2010 war die Fortuna, als mit einem 3:2 in Osnabrück die schlimme Serie geknackt war, die beste Mannschaft der Liga. Die letzte Heimniederlage datiert vom 27. September - ein 0:1, gegen Bochum.

"In Düsseldorf werden noch ganz andere Mannschaften verlieren", sagte VfL-Trainer Friedhelm Funkel. Meier dagegen war bemüht, die Euphorie zu dämpfen (35464DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige).

"Man darf den Leuten nicht die Träume nehmen. Auch ich wache nachts auf, weil ich mir gerade etwas Schönes in Sachen Fußball vorgestellt habe. Wir wollen aber keine Luftblasen fabrizieren", sagte der ehemalige Nationalspieler, der als Trainer seit der Kopfstoß-Affäre beim MSV Duisburg eigentlich verbrannt schien.

Nun ist er drauf und dran, seinen Ruf aufzupolieren.

Rösler bestätigt Vorurteil

Sascha Rösler hat sein Image des Raubeins sowieso weg, besitzt aber einen feinen Fuß. Und das Vorurteil bestätigte er am Montagabend. Er lieferte sich hitzige Wortgefechte mit Gegenspielern und dem Schiedsrichter, erzielte aber auch ein Tor, wie man es selten sieht.

Röslers Bewacher Lukas Sinkiewicz klang beinahe ehrfürchtig. "Ich glaube schon, dass er mich geschubst hat, der Schiedsrichter hätte abpfeifen müssen. Aber er macht ein Weltklassetor, das gönne ich ihm", sagte er.

Rösler beendete den Abend dennoch mit der Einsicht, dass man besser nicht immer zum Fallrückzieher ansetzt, wenn man sowieso schon Rückenschmerzen hat: "In meinen Alter sollte man solche Dinger nicht zu häufig machen."

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