vergrößernverkleinern
Nie weider zusammen auf der Tribüne? Dieter Schneider (r., mit Schal) und Hamada Iraki (l.) © imago

Bei 1860 München tobt ein Machtkampf zwischen Vereinsführung und Investor. Der hat "im Moment kein Vertrrauen" in den Präsidenten.

Von Thorsten Mesch und Mathias Frohnapfel

München - Ohne Dieter Schneider wäre der TSV 1860 München wohl pleite.

Der Präsident der hat mit seinem unermüdlichen Einsatz dafür gesorgt, dass die "Löwen" auch in dieser Saison am Spielbetrieb der Zweiten Liga teilnehmen dürfen.

Der Einstieg des milliardenschweren jordanischen Geschäftsmanns Hasan Ismaik hat den Traditionsverein vor der drohenden Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg gerettet - und ist auch zum großen Teil Schneider zu verdanken.

Streit zwischen Schneider und Iraki

Von einem harmonischen Miteinander sind der Präsident und der Investor allerdings so weit entfernt wie Torwart Manuel Neuer von einer Liebesbeziehung zu den Bayern-Ultras.

"Es war vorhersehbar, dass in der Anfangsphase, in der man sich zusammenrauft, die ein oder andere Holprigkeit entsteht", sagt Schneider zwar diplomatisch zu SPORT1.

Doch Fakt ist: Wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen 1860 und Ismaik am 30. Mai ist ein Machtkampf entbrannt.

Konkret haben sich Schneider und Hamada Iraki, Hamsiks Abgesandter in München, überworfen.

"Haben kein Vertrauen"

"Wir haben im Moment kein Vertrauen zu Schneider", soll Iraki nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung", die sich auf Informationen aus dem Aufsichtsrat beruft, gesagt haben.

"Schneider will alles entscheiden. Das geht mit uns nicht", wird Iraki weiter zitiert.

Iraki und sein Chef Ismaik würden selbst gern alles entscheiden, was sie aber laut DFL-Bestimmungen nicht dürfen.

Die "50+1-Regel" besagt nämlich, dass ein Investor nur eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent haben darf.

Vorhersehbare Unstimmigkeiten

Doch wer 18 Millionen Euro Geld in einen praktisch bankrotten Verein steckt, will bestimmen, wo es lang geht.

Schneider könne ja Präsident bleiben, so Iraki, doch der entgegnet: "Wenn wir unsere Leute nicht selbst benennen können, stehe ich nicht zur Verfügung."

Er sei schließlich "kein Alibi-Präsident", betont der Geschäftsmann, für den die Spannungen nicht überraschend kommen.

Rückendeckung von Maget

Die Vereinsführung müsse im Verhältnis zu Ismaik "eine geschlossene Position haben, mit der wir auftreten und im Gespräch mit dem Investor dafür sorgen, dass der Vertrag vertragsgemäß zum Leben erweckt wird", erklärt der 64-Jährige bei SPORT1 und verweist auf die DFL-Statuten.

Unterstützung erhält Schneider von Franz Maget.

Schneider sei "die wichtigste Persönlichkeit bei 1860, und ich werbe ganz stark für einen weiteren Weg mit ihm", sagt Schneiders Stellvertreter und ergänzt:

"Ich mag nicht daran denken, was los wäre, wenn er nicht mehr bei uns wäre."

Aufsichtsräte nicht ohne wenn und aber

In einer schriftlichen Abstimmung sprachen sich die Vereins-Aufsichtsräte zwar einstimmig dafür aus, das Schneider dem Kontroll-Gremien der Fußball-KGaA angehören solle - allerdings nicht ohne wenn und aber.

Wenn sich die Wogen geglättet hätten, wolle man die künftige Strategie und Zusammensetzung der Gremien "noch einmal ausführlich diskutieren", heißt es laut "SZ" in einer Mail von KGaA-Aufsichtsratschef und Ex-Präsidentschaftskandidat Otto Steiner.

"Da gibt es noch Diskussionen, wie Sie wissen. Das ist jetzt eine Art gruppendynamischer Prozess", meint Schneider.

Schneiders Zukunft in den Sternen

Am Freitag wird in der Hauptversammlung der Geschäftsführung der neue Aufsichtsrat gewählt.

Ob Schneider, der am Dienstag gegenüber SPORT1 seinen Rückzug dementiert hatte, weitermachen wird, ist fraglich (BERICHT: Schneider dementiert Rückzug).

"Ich traue mir zu, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen", sagt Schneider der "Bild".

Sprich: Erhält die Investoren-Seite den Vorsitz und damit im Fall einer Patt-Situation die Entscheidungsgewalt, macht Schneider den Abflug.

Für das Heimspiel der "Löwen" gegen Karlsruhe am Samstag hat Ismaik sein Erscheinen angekündigt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ob er auf der Tribüne der Allianz Arena auf Dieter Schneider trifft, ist völlig offen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel