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Roger Schmidt trainierte bis März 2010 Preußen Münster © getty

Im SPORT1-Interview spricht Paderborns neuer Coach Roger Schmidt über den Saisonauftakt, Arminia Bielefeld und Zukunfts-Visionen.

Von Christian Akber-Sade

München - Es war ein Traumstart für Roger Schmidt in der Zweiten Liga.

Mit einem Auswärtssieg in Rostock startet der Nachfolger von Andre Schubert beim SC Paderborn 07 in seine Profikarriere als Trainer.

Aus Sicht des 44-Jährigen, der bis März 2010 Preußen Münster trainierte, darf das gerne so weiter gehen.

Auf viel Erfahrung kann er allerdings nicht zurückgreifen. Denn auch als Aktiver spielte Schmidt nie in einer der beiden höchsten Spielklassen.

Doch an Selbstbewusstsein mangelt es nicht.

Bei SPORT1 spricht Roger Schmidt über sein Debüt, den ostwestfälischen Nachbarn aus Bielefeld und den Traum von der Ersten Liga.

SPORT1: Glückwunsch zum Auftakterfolg! Ein Auswärtssieg zum Start in Rostock. Konnte die Mannschaft das umsetzen, was Sie vorgegeben haben?

Roger Schmidt: Natürlich war ich erst einmal sehr zufrieden, dass wir das Spiel aus meiner Sicht verdient gewonnen haben. Die Basis hat gestimmt. Wir haben phasenweise auch sehr gut kombiniert, so sind auch die Tore gefallen. Es gab auch Phasen, wo wir das nicht so gut gemacht haben. Von daher gibt es auch nach dem Spiel viel zu besprechen und auch viele Sachen, die wir noch besser machen können.

SPORT1: Was bedeutet Ihnen der Sieg beim Debüt als Profi-Trainer persönlich?

Schmidt: Beim ersten Spiel ist das natürlich eine besondere Situation. Wir haben uns sechs Wochen lang quasi auf ein Spiel vorbereitet. Wenn man das dann erfolgreich gestaltet, dann gibt das Selbstvertrauen. Das ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Ganz im Gegenteil: Jetzt geht es gerade darum, im Heimspiel nachzulegen.

SPORT1: War es für Sie also kein großer Unterschied zu ihren vorherigen Tätigkeiten?

Schmidt: In Münster haben wir auch schon im DFB-Pokal vor 20.000 Zuschauern gespielt, auch in der Liga hatten wir teilweise 7.000 oder 8.000 Zuschauer. Aber natürlich ist es schon besonders, es ist Zweite Liga und es war sicherlich auch eine Super-Kulisse in Rostock. Aber letztendlich ist es auch nur Fußball.

SPORT1: Sie haben als Spieler nie im Profibereich gespielt. Ist das ein Nachteil oder kann es sogar ein Vorteil sein, quasi unbedarft an die Sache heranzugehen?

Schmidt: Weder noch. Ich habe zwar nur dritte Liga (die damalige Regionalliga - Anm. d. Red.) gespielt. Aber dort auch schon unter professionellen Bedingungen, was Trainingsintensität und die Bedingungen angeht. Da hat man ja auch nicht mehr nebenbei gearbeitet. Natürlich kann es nicht schaden, wenn man selbst etwas weiter oben gespielt hat. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich ein Riesen-Unterschied, ob man Spieler oder Trainer ist. Das kann man nicht vergleichen. Es ist zwar die gleiche Sportart, aber aus einem völlig anderen Blickwinkel.

SPORT1: Nach dem Abstieg von Arminia Bielefeld ist der SC Paderborn 07 die Nummer 1 in Ostwestfalen. Was bedeutet das für den Klub?

Schmidt: Das bedeutet für den Verein, dass er in den vergangenen Jahren gut gearbeitet, gut gewirtschaftet und eben auch sportlich einiges richtig gemacht hat. Natürlich finde ich es sehr bedauerlich, dass Bielefeld und auch Osnabrück abgestiegen sind. Es wäre mir viel, viel lieber, wenn die beiden Klubs noch in der Zweiten Liga wären. Das wären Derbys und die würden die ganze Sache noch interessanter machen. Von daher würde ich mich sehr freuen, wenn wir nächstes Jahr wieder alle in einer Liga spielen würden. Es sollte aber dann die Zweite sein.

SPORT1: Wird der SCP die Arminia in Sachen Zuschauergunst irgendwann überflügeln können? Das wäre ja auch ein wirtschaftlicher Sprung...

Schmidt: Im Fußball muss man kurzfristig denken. Langfristig Denken, das ist sehr schwierig. Ich glaube, dass Bielefeld - sollten sie oben mitspielen - mehr Zuschauer haben wird als bei uns überhaupt reinpassen. Allerdings ist es auch so: Wenn man in Ostwestfalen Zweitliga-Fußball sehen möchte, dann muss man nach Paderborn kommen.

SPORT1: Kann Paderborn aus Ihrer Sicht irgendwann auch einmal am Oberhaus anklopfen oder halten Sie das für ausgeschlossen?

Schmidt: Im Fußball ist nichts unmöglich. Aber mit einem Etat von unter fünf Millionen Euro darüber nachzudenken, in die Erste Bundesliga aufzusteigen, das sollte man nicht machen. Man sollte sich sicherlich hohe Ziele setzen, aber sie sollten trotzdem realistisch bleiben.

SPORT1: Und was sind die Ziele des SC Paderborn in dieser Saison?

Schmidt: Ich glaube, wenn Paderborn mit dem Etat in der Zweiten Liga bleibt, dann ist das immer eine Topleistung. Wenn wir es schaffen, mit dem Abstieg überhaupt nichts zu tun zu haben und im gesicherten Mittelfeld zu landen, dann ist das herausragend. (DATENCENTER: Zweiltliga-Spielplan 2011/12)

SPORT1: Und Ihre persönlichen Ziele?

Roger Schmidt: Als Trainer möchte ich eine gewisse Qualität von Fußball auf den Platz bringen. Mir ist es nicht egal, wie wir unsere Punkte holen. Ich weiß natürlich, dass die Punkte in der Zweiten Liga nicht so einfach zu holen sind. Wir haben in Rostock aber schon teilweise gezeigt, dass die Mannschaft spielerisch ihre Stärken hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir es schaffen, mit dieser Art von Fußball in der Liga zu bleiben.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Neuzugängen und werden Sie personell noch einmal nachlegen?

Schmidt: Alle Neuzugänge bis auf Torhüter Jens Grahl haben am Sonntag auf dem Platz gestanden. Das zeigt, dass sie sich Vertrauen erarbeitet haben. Wenn man überlegt, dass alle Spieler aus tieferen Ligen kommen, ist das ein guter erster Schritt. Jetzt geht es darum, dieses Niveau kontinuierlich aufrechtzuerhalten. Wir wissen natürlich auch, dass wir auf der ein oder anderen Position etwas dünn besetzt sind, haben aber im Moment dahingehend keinen finanziellen Spielraum.

SPORT1: Worauf wird es jetzt im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Sonntag, ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER, ab 19.15 Uhr in Hattrick - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1) ankommen?

Schmidt: Für uns kommt es immer darauf an, an unsere Grenzen zu kommen, was Einsatz und Laufbereitschaft angeht. Wir müssen durch defensive Stabilität eine Basis schaffen, um unsere offensiven Qualitäten dann spielentscheidend werden zu lassen. Aber ich halte Düsseldorf für eine gute Mannschaft ist, die kaum Schwachstellen hat. Von daher wird das sicherlich ein sehr, sehr enges Spiel. Kleinigkeiten werden entscheiden.

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