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Jürgen Seeberger saß von 2000 bis 2007 beim FC Schaffhausen auf der Bank © imago

Vor dem Aufeinandertreffen der beiden formstärksten Zweitligisten spricht Trainer Jürgen Seeberger über Aachens Aufstiegsambitionen.

Von Martin van de Flierdt

München - Es tut sich etwas bei Alemannia Aachen.

Geschäftsführer Frithjof Kraemer hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert, mit Andreas Bornemann wurde ein neuer Sportdirektor eingestellt und für das neue Stadion, das im Sommer den altehrwürdigen Tivoli beerben wird, sind nach drei Tagen bereits über 300 Dauerkartenbestellungen eingegangen.

Auch sportlich stimmt die Richtung. Vor dem Gastspiel beim aktuellen Durchstarter FC Augsburg (So., ab 13.45 Uhr LIVE) sind auch die Aachener sechs Spiele lang ungeschlagen.

"Die Basis ist sicher die gute Defensivleistung", begründet Trainer Jürgen Seeberger den Aufschwung. Im Sport1.de-Interview spricht er zudem über den kleinen Kader, die wirtschaftlichen Grenzen und die Hoffnung, dennoch den Aufstieg zu bewerkstelligen.

Sport1.de: Herr Seeberger, der neue Sportdirektor Andreas Bornemann sagt, er möchte ein Gespür für Ihre Arbeitsweise, Mannschaftsführung und Spielvorbereitung bekommen, bevor er über Ihre Perspektive in Aachen entscheidet. Wie wollen Sie es ihm vermitteln?

Jürgen Seeberger: Ich denke, dass mit den Ergebnissen im Jahr 2008 die Grundlagen für eine positive Rückmeldung vorhanden sein sollten. Ich will meinen Teil dazu beitragen, für die Alemannia das Bestmögliche zu erreichen. Mit der anstehenden Vorbereitung und dem Trainingslager auf Zypern ergibt sich eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen.

Sport1.de: Ihre Mannschaft ist seit sechs Spielen ungeschlagen. Worin liegen die Gründe für diesen Aufschwung, wo konkret hat es Fortschritte gegeben?

Seeberger: Die Basis ist sicher die gute Defensivleistung. Wir haben in den letzten neun Spielen sechs Gegentore kassiert, das ist ein guter Wert. Und nach vorne gelingt es uns immer wieder, effizient zuzuschlagen. Dennoch müssen wir die guten Spielphasen innerhalb der 90 Minuten noch weiter verlängern.

Sport1.de: Nach Ansicht Bornemanns besitzt Alemannia durch das neue Stadion gute Chancen, in Deutschlands Top 25 ein paar Plätze nach oben zu klettern. Was fehlt dazu sportlich derzeit noch?

Seeberger: Bei so einem Plan ist die Zusammensetzung des Kaders natürlich immer ein Thema. Dabei spielt die Wirtschaftlichkeit die größte Rolle. Die finanzielle Seite wird sich durch das neue Stadion verbessern. In Sachen Videoanalyse und Scouting arbeiten wir mit einem sehr kleinen Team, ebenso im Trainerstab. Da können wir uns sicher noch breiter aufstellen, auch wenn wir schon jetzt sehr effizient arbeiten.

Sport1.de: Er meinte auch, dass man den Aufstieg gerade dann anstrebe, wenn man wie Aachen wisse, wie schön die Erste Liga sei. Inwiefern ist die Bundesliga angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation und der Kadergröße als Ziel für die laufende Spielzeit ein realistisches Ziel?

Seeberger: Vom Geld-Ranking her stehen wir sicher nicht unter den Top Drei. Aber die Liga ist sehr ausgeglichen, und wir wollen die Gunst der Stunde nutzen.

Sport1.de: Inwieweit wiegt der Vorteil, mit einem kleinen Kader konzentriert arbeiten zu können, den Nachteil auf, bei Verletzungen sehr schnell in personelle Engpässe zu geraten?

Seeberger: Wir verfügen momentan nur über einen Trainingsplatz und arbeiten wie erwähnt mit einem kleinen Trainerteam. Unter diesen Voraussetzungen macht ein kleiner Kader Sinn. Außerdem haben wir weniger unzufriedene Spieler. Und durch die gute medizinische Betreuung sind wir bisher mit sehr wenigen Verletzten durch die Hinrunde gekommen.

Sport1.de: Am Sonntag in Augsburg fällt aller Voraussicht nach Benjamin Auer aus. Inwiefern schmälert das Alemannias Erfolgsaussichten?

Seeberger: Natürlich ist Benny ein extrem wichtiger Spieler für uns. Aber die Mannschaft hat zuletzt gegen 1860 München gezeigt, wie gut sie mit personellen Änderungen umgehen kann. Sollte er ausfallen, werden wir uns etwas einfallen lassen.

Sport1.de: Mit Szilard Nemeth und Markus Daun sind nur noch zwei Stürmer einsatzfähig. Müssen Sie ? rein durch die sportliche Brille betrachtet ? nicht dort für die Rückrunde noch nachrüsten?

Seeberger: Lewis Holtby kann auch im Sturm spielen, den sollten Sie nicht vergessen. Rein durch die sportliche Brille kann man viele Sachen betrachten, realisierbar sind sie dann aber noch lange nicht. Wir werden sehen, was in der Winterpause möglich ist.

Sport1.de: Augsburg hat seit neun Spielen nicht mehr verloren, die jüngsten vier Spiele sogar gewonnen. Hat Sie der Aufschwung des FCA überrascht?

Seeberger: Das erste Mal habe ich sie am Anfang der Saison in Duisburg beobachtet. Im Vergleich zu damals steht jetzt eine andere Mannschaft auf dem Feld ? sowohl personell als auch was die Stabilität angeht. Sie haben ihren qualitativ guten Kader in die richtige Richtung gebracht. Von daher ist die Entwicklung nicht allzu überraschend, denn sie verfügen über gute Spieler.

Sport1.de: Wo sehen Sie die Angriffsflächen für die Alemannia bei den Augsburgern?

Seeberger: Wir werden versuchen, unsere Stärken durchzubringen. Wie genau das aussehen wird, muss man abwarten. Generell treffen zwei Mannschaften mit viel Selbstvertrauen aufeinander, die ihre Serie ausbauen wollen ? es wird also in jedem Fall ein interessantes Spiel.

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