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Alexander Schnetzler spielte von 2004 bis 2009 bei Rot-Weiß Erfurt © getty

Bei SPORT1 spricht Dresdens Pokal-Held über seinen Treffer gegen Leverkusen, den kommenden Gegner und den Traumverein Dynamo.

Von Thorsten Mesch

München - Star für eine Woche.

Dresdens Alexander Schnetzler war nach seinem Siegtreffer im Pokal beim 4:3 n.V. gegen Bayer Leverkusen (Bericht) der gefeierte Mann bei Dynamo.

Was folgte war ein großer Medienrummel mit TV-Auftritten.

Für den vor der Saison aus Osnabrück nach Dresden gewechselten Außenverteidiger eine ungewohnte Situation.

"Ein Teenie-Star bin ich auf jeden Fall nicht", betonte der 32-Jährige auch im Gespräch mit SPORT1.

Der Alltag heißt Fürth

Nun kehrt bei dem Drittliga-Aufsteiger wieder der Alltag ein.

Am Samstag bei Greuther Fürth (ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) treffen die Dynamos auf einen der Aufstiegs-Favoriten der Zweiten Liga.

Dennoch will die Mannschaft von Trainer Ralf Loose beim Gastspiel in Franken im dritten Versuch den ersten Sieg landen. (DATENCENTER: Zweite Liga)

Im SPORT1-Interview spricht Alexander Schnetzler über den Boom nach dem Pokalsieg, den kommenden Gegner und den Traumverein Dynamo.

SPORT1: Herr Schnetzler, Ihr Tor zum 4:3 gegen Leverkusen war nicht nur enorm wichtig, sondern auch noch sehr schön: ein Lupfer aus dem Lauf über den Torwart. Haben Sie in dieser Situation eigentlich darüber nachgedacht, wie Sie den Ball verwandeln?

Alexander Schnetzler: Ich hatte den Ball nicht wirklich gut mitgenommen und habe mich etwas nach links abdrängen lassen. Der Winkel wurde plötzlich sehr schlecht, weil Yelldell ihn gut verkürzt hat, und so blieb eigentlich nur noch der Weg über den Torwart.

SPORT1: Mit Osnabrück sind Sie gegen Dresden in der Relegation abgestiegen, dann kam der Wechsel zu Dynamo und schließlich der Triumph im Pokal gegen Leverkusen. Verrückt, oder?

Schnetzler: Das stimmt. Vor zweieinhalb Monaten war ich noch total am Boden zerstört, und auf einmal ist wieder alles gut. Man sieht mal wieder, wie schnell es im Fußball gehen kann.

[kaltura id="0_31a64i3n" class="full_size" title="Schnetzlers Traumtor exklusiv f r SPORT1"]

SPORT1: Haben Sie die Ereignisse der letzten Zeit schon verarbeitet?

Schnetzler: Ich habe nach der Saison auch noch geheiratet, ich war also abgelenkt. Es bringt auch nichts, in die Vergangenheit zu blicken. Im Fußball muss man nach vorne gucken. Man muss sich wieder motivieren und die neue Aufgabe annehmen.

SPORT1: Wie kam es, dass Sie nach dem Abstieg ausgerechnet nach Dresden gewechselt sind?

Schnetzler: Den ersten Kontakt gab es eine knappe Woche nach dem Rückspiel. Mein Berater hat mir von dem Angebot erzählt und mich gefragt, ob ich Interesse hätte. Ich musste nicht lange überlegen und alles ging ganz schnell.

SPORT1: Ist Dresden für Sie ein Traumverein?

Schnetzler: Absolut. Es heißt oft, dass wir Spieler immer nur an das Geld denken. So ist es mit Sicherheit nicht. Es macht auch viel mehr Spaß, bei einem Traditionsverein in einem neuen Stadion vor 30.000 frenetischen Fans zu spielen als bei einem Retortenklub vor 500 Zuschauern. Man will ja schließlich Fußballer sein, um diese Massen zu bewegen.

SPORT1: In Osnabrück und Erfurt war die Begeisterung aber auch enorm, oder?

Schnetzler: Definitiv. Das ist ja das Schöne, dass ich bisher immer bei Vereinen gespielt habe, die eine lange Tradition und eine gute Fanbasis haben. Darüber bin ich auch froh.

SPORT1: Mit Erfurt standen Sie schon einmal kurz vor einer Pokal-Sensation. Gibt es Parallelen zwischen dem Spiel gegen Leverkusen und Erfurts 3:4 gegen den FC Bayern 2008?

Schnetzler: Die Gedanken an damals sind nicht mehr so präsent. Damals sind wir ausgeschieden, dieses Mal sind wir weitergekommen. Im Fußball zählt leider nur das Ergebnis, unser Spiel gegen Bayern hat damals zwei Wochen später niemanden mehr interessiert.

SPORT1: Sie hatten viele Interview-Termine, waren auch bei "Bundesliga aktuell", der Hype ist groß. Gab es auch skurille Auswüchse nach dem Motto "Alex, ich will ein Kind von Dir"?

Schnetzler: Ein Tennie-Star bin ich auf jeden Fall nicht. Ich bin verheiratet und zu alt. Da muss man mal die jüngeren Spieler fragen, ob sie Schlüpfer zugeschickt bekommen.

SPORT1: Wie schaffen Sie es, bei dem Trubel wieder in den Alltag zurückzukehren?

Schnetzler: Wir achten darauf, dass wir nach einem negativen Ereignis nicht in einen Loch fallen, und genauso achten wir und auch unser Trainer darauf, dass wir jetzt nicht auf Wolke sieben schweben. Wir haben den Erfolg genossen, aber vor dem nächsten Spiel muss der Pokal schnell aus den Köpfen, denn dafür können wir uns am Wochenende nichts kaufen.

SPORT1: Am Wochenende geht es nach Fürth. Eine schwere Aufgabe, oder?

Schnetzler: Ich habe in der vergangenen Saison mit Osnabrück zweimal gegen Fürth gespielt - und es ging nicht gut aus. Ich glaube, sie sind vom Spielerischen her nicht viel schlechter als Leverkusen. Wir müssen vorbereitet sein.

SPORT1: Waren Sie auf Dresden vorbereitet oder gibt es etwas, das Sie vorher nicht kannten?

Schnetzler: Ich habe ja in Erfurt schon meine Ost-Erfahrung gemacht, deshalb weiß ich auch, was ein "Jägerschnitzel" ist. Nämlich kein paniertes Schnitzel, sondern eine panierte Jagdwurst.

SPORT1: Was ist für Dynamo in der Zweiten Liga drin?

Schnetzler: Ich glaube, jedem ist bewusst, dass es einfach nur gegen den Abstieg gehen kann. Stützen wie Esswein und Schahin sind gegangen, und wir haben eigentlich nur einen gelernten Stürmer im Kader. Personell muss noch nachgelegt werden, dafür war der Pokalsieg auch sehr wichtig.

SPORT1: Haben Sie einen Wunschgegner für die zweite Runde?

Schnetzler: Ich würde gern solchen Spitzenmannschaften wie Bayern oder Dortmund aus dem Weg gehen. Man erwischt nicht jedes Mal einen Tag wie gegen Leverkusen. Ich hoffe auf einen attraktiven und machbaren Gegner.

SPORT1: Und Sie starten eine Karriere als Torjäger? Vor dem Leverkusen-Spiel hatten Sie ja nicht gerade häufig getroffen.

Schnetzler: Als Tormaschine bin ich nicht bekannt, das stimmt. Deswegen freue ich mich über jedes einzelne, dass ich schieße. Für dieses Jahr habe ich mein Soll eigentlich schon fast erfüllt. Ich hoffe, demnächst von Anfang an zu spielen. Wenn dann noch ein Tor dazu kommt, ist es mir auch Recht.

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