Andre Schubert feiert seine Premiere auf der sündigen Meile. Noch ist vieles ungewohnt für den neuen Trainer des FC St. Pauli.

Außer dem Trainingsgelände und seiner neuen Wohnung hat er von Hamburg noch nicht viel gesehen. Am Freitag war es dann endlich soweit: aus der katholischen Stadt Paderborn auf die sündigste Meile der Welt.

Gegen Aachen saß Andre Schubert zum ersten Mal in einem Pflichtspiel auf der Trainerbank am Millerntor. Eine Kiezpremiere mit doppelter Gänsehaut. Zunächst natürlich beim Erklingen der "Hells Bells" und dem damit verbundenen "Walk In" der Mannschaften - da schweifte der Blick des 40-Jährigen über die erwartungsfrohen 23.500 Zuschauer.

Wie Schubert später selbst sagte, war dies allerdings der einzige Moment, in dem er sein Debüt in neuer Umgebung genießen konnte.

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Denn was dann folgte, hatte mit Genuss nicht mehr viel zu tun. Fußballerische Magerkost seines Teams verdarben ihm Appetit und die Möglichkeit, die Atmosphäre aufzusaugen.

Und da wären wir bei Gänsehaut Teil II! Hektik, Nervosität, Unkonzentriertheiten - Gänsehaut bekommt der Mensch eben auch, wenn ihm vor etwas graust. Immer wieder schrie Schubert Anweisungen auf den Rasen - konnte in Paderborn vermutlich noch jeder Zuschauer auch in der letzten Reihe verstehen, was er hineinrief, verstanden ihn bei der Kulisse am Millerntor nicht einmal die eigenen Spieler. Neuland für den neuen Fußballlehrer.

Apropos: Schubert hört Fragen nach möglichen Vergleichen mit Holger Stanislawski nicht gern - er ist nicht die Person, die den Menschen Stanislawski ersetzt, sondern dessen Funktion auf der Bank übernommen hat. Eine Parallele aber gibt es auf jeden Fall: Genau wie "Stani" 2009, schloss Schubert 2004 die Fußballlehrerprüfung als Jahrgangsbester ab.

Auch wenn er nach Spielschluss fix und fertig war - das Ergebnis stimmte. Und auf die Frage ob St. Pauli mit sieben Punkten aus drei Spielen im Soll sei, antwortete Schubert sachlich aber auch mit dem ihm eigenen Humor: "Wenn wir immer so spielen wie heute, gewinnen wir nicht viele Spiele - und mit sieben Punkten steigt man ab."

Hört man sich bei den Spielern um, kommt der neue Coach gut an, menschlich wie fachlich -und auch im Umgang mit den Medien gibt er sich offen und zugänglich. Auf St. Pauli Nachfolger von Stanislawski zu sein ist sicher kein leichter Job. Schubert hat diese Aufgabe mit seiner sympathischen Art bisher sehr gut gelöst.

Und noch etwas ist klar: auch beim nächsten Heimspiel am 22. August ist Gänsehaut garantiert, Flutlicht und Hamburger Dom nebenan. Vielleicht tun ihm seine Spieler ja dann den Gefallen, die Faszination Millerntor etwas mehr genießen zu können, als bei seiner Premiere.

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