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Oliver Kreuzer war zuletzt Sportdirektor in Salzburg und in Graz © getty

KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer spricht bei SPORT1 über seinen Traumjob, den Klub und Trainer Rainer Scharinger.

Von Reinhard Franke

München - In Bochum wurde er gehandelt, und sogar beim Hamburger SV.

Seit Mai ist Oliver Kreuzer nun Sportdirektor beim KSC - "meinem Verein", wie er betont.

182 Partien absolvierte Kreuzer zwischen 1985 und 1991 als Aktiver für die Badener, spielte unter anderem mit Oliver Kahn und Mehmet Scholl zusammen.

"Mit meinem Namen verbinden die Fans die Zeit von früher", sagt der 45-Jährige.

Den Verein dorthin führen "wo er mal war", das ist das erklärte Ziel des ehemaligen Junioren-Nationalspielers. Am Freitag soll im heimischen Wildparkstadion gegen Aufsteiger Braunschweig (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) der nächste Schritt gemacht werden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht Oliver Kreuzer über seinen Traumjob, den neuen KSC und Trainer Rainer Scharinger.

SPORT1: Herr Kreuzer, Sie sind seit Mai neuer Sportdirektor beim Karlsruher SC, dort, wo Ihre Fußballkarriere begann. Wie fühlt sich der neue Job an?

Oliver Kreuzer: Ich habe in Karlsruhe kein komplettes Neuland betreten, nachdem ich von 1983 bis 1990 schon beim KSC gespielt habe. Die Personen in der Geschäftsstelle oder im Präsidium sind neu, aber es ist immer noch das alte Wildparkstadion, die alten Trainingsplätze oder die Wahrzeichen wie "der nackte Mann" vorm Stadion (Steinbüste, Anm. d. Red.) sind noch da. Es hat sich nichts groß verändert. Das hat es mir relativ leicht gemacht.

SPORT1: Das spricht nicht gerade für den Verein.

Kreuzer: Aus diesem Grund muss so schnell wie möglich das neue Stadion her. Überall werden neue Stadien gebaut, selbst in Jena, Erfurt, Offenbach. Da muss es doch machbar sein, dass ein Traditionsverein wie der KSC auch so ein Stadion bekommt. Wenn die Region mittelfristig wieder Bundesligafußball sehen möchte, braucht man dieses neue Stadion. Dann hast du ganz andere Möglichkeiten.

SPORT1: Warum tun Sie sich die Zweite Liga an? Sie waren die letzten Jahre als Sportdirektor in der österreichischen Bundesliga bei Red Bull Salzburg und Sturm Graz.

Kreuzer: Ich habe 15 Jahre in Deutschland gespielt und es war mein Ziel irgendwann zurückzukehren. Die Anfrage des KSC kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte in Österreich und der Schweiz eine wunderschöne und erfolgreiche Zeit.

SPORT1: Der Übergang vom Fußballprofi zum Sportdirektor verlief bei Ihnen reibungslos?

Kreuzer: Im Prinzip ja, meine Ausbildung als Bankkaufmann war dabei sehr hilfreich. Am Ende war es aber auch "Learning by Doing".

SPORT1: Ihr Traumjob?

Kreuzer: Ich wollte dem Fussball nach der aktiven Zeit verbunden bleiben, da kam die Anfrage des damaligen Präsidenten Rene C. Jäggi, ob ich mir vorstellen könnte, diese Funktion beim FC Basel auszuüben, seither liebe ich diesen Job.

SPORT1: Finanziell ist der KSC sicher nicht so lukrativ wie Ihre letzten Jobs. Ist der Verein eine Herzensangelegenheit für Sie?

Kreuzer: Das sind Dinge, die man nicht unbedingt nach der Wirtschaftlichkeit beurteilt. Auch in Graz hatte ich sehr beschränkte Mittel. Aber es ist klar, das ich nicht für jeden Verein Sturm Graz verlassen hätte.

SPORT1: Der Verein befindet sich im Umbruch. Ist das genau Ihr Ding?

Kreuzer: Ja, diese Herausforderung reizt mich. Wenn der Klub in den letzten Jahren zwei Mal Meister geworden wäre, wo wäre da die Herausforderung? Aber weil der Verein zuletzt seine wirtschaftlichen und sportlichen Probleme hatte, ist es sicher keine leichte Aufgabe, aber eine sehr reizvolle für mich, zu versuchen den Verein dahin zu führen, wo er mal war.

SPORT1: In den letzten Jahren wurde immer wieder Ihr Name genannt, wenn irgendwo ein Sportdirektor gesucht wurde.

Kreuzer: Es gab hin und wieder mal Kontakt zu verschiedenen Vereinen in Deutschland. Am Ende hat es für eine der beiden Seiten aus unterschiedlichen Gründen eben nicht gepasst. Dieses Mal hat es gepasst.

SPORT1: Apropos Außendarstellung. Da hat sich in Karlsruhe schon etwas getan, oder?

Kreuzer: Die Art und Weise wie über den KSC die letzten 2 Jahre berichtet wurde war doch vermehrt negativ. Mein Ziel ist es, dass der Verein wieder als seriös geführter Verein wahr genommen wird, dass man als Fan sich wieder auf die Spiele des KSC freut, dass wieder eine hohe Identifikation vorhanden ist. Wir sind auf einem guten Weg.

SPORT1: Sie kommen bei den Fans gut an. Liegt das am "Stallgeruch"?

Kreuzer: Vielleicht. Mit meinem Namen verbinden die Fans eventuell bessere Zeiten, auch Erstliga-Zeiten. Man spürt in der Stadt wieder eine Euphorie, einen regelrechten Hype rund um den KSC. Ich denke, das Publikum hat sehnlichst diesen Umbruch herbei gesehnt. Der Fan ist sehr sensibel, er spürt genau, dass da wieder eine Mannschaft mit Herz und Leidenschaft auf dem Rasen steht.

SPORT1: Sind Sie und Trainer Rainer Scharinger auch ein gutes Team?

Kreuzer: Absolut. Wir hatten ja auch beim KSC als Spieler gemeinsame Zeiten. Rainer ist ein junger, aufstrebender Trainer, der sehr akribisch arbeitet. Von mir bekommt er volle Unterstützung, was nicht heißt, dass nicht auch mal kontrovers diskutiert werden muss.

SPORT1: Ist der KSC dieses Jahr eine "Wundertüte"? Was ist drin?

Kreuzer: Schwer zu sagen. Diese Liga ist schwer zu beurteilen. Er gibt Vereine wie Frankfurt, St. Pauli, Bochum, Fürth, Duisburg oder 1860, die den Anspruch haben aufzusteigen. Dann gibt es die drei Aufsteiger Braunschweig, Rostock und Dresden, die schon aufgrund ihrer Heimstärke keine potenziellen Absteiger sind. Es ist eine ausgeglichene Liga. Jeder kann jeden schlagen. Mal abwarten, alles ist möglich!

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