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Das letzte Duell zwischen Eintracht Frankfurt und dem FSV Frankfurt gab es 1962 © imago

Zwischen FSV und Eintracht steigt das einzige Stadtderby im deutschen Profi-Fußball. Eine echte Rivalität gibt es aber nicht.

Von Christian Stüwe

München - Fast 50 Jahre musste Frankfurt auf ein echtes Derby warten, am 16. Dezember 1962 schlug die Eintracht im letzten Aufeinandertreffen den FSV mit 4:0.

Doch wenn am Sonntag der FSV die Eintracht (So., 13.15 im LIVE-TICKER) in der Commerzbank-Arena zur reichlich verspäteten Neuauflage empfängt, dürfte von echter Derbystimmung wenig zu spüren sein.

Während die Eintracht eine ausgeprägte Rivalität zu Kickers Offenbach pflegt und Spiele der beiden Kontrahenten die Main-Metropole regelrecht elektrisieren, ist das Verhältnis zum FSV völlig neutral.

"Das richtige Derby ist das gegen Offenbach", bringt es Eintracht-Rechtsverteidiger Sebastian Jung auf den Punkt.

FSV-Erfolge lange her

Grund dafür ist die klare Rollenverteilung. Weder vom Stellenwert in der Stadt noch sportlich konnte der FSV jemals der Eintracht das Wasser reichen.

Während die Riederwälder 1959 Deutscher Meister wurden, mehrfach den DFB-Pokal gewannen und 1980 den UEFA-Cup an den Main holten, sind die größten Erfolge der Mannschaft aus Bornheim - auch bekannt als "das lustige Dorf" - die Vize-Meisterschaft 1925 und der Pokalfinal-Einzug 1938.

Dementsprechend sind auch die Sympathien in der Stadt verteilt. Die Fans der Eintracht sind in fast 700 Fanklubs organisiert, der FSV bringt es auf ganze 6.

Das Verhältnis der Fanlager untereinander ist friedlich, manch eine rot-schwarze Frankfurter Kneipe hat auch einen blau-schwarzen Wimpel in der Ecke hängen.

Eintracht-Etat fast viermal so hoch

Aber auch wenn die beiden Klubs aus Frankfurt in diesem Jahr in der gleichen Liga spielen, sind die Unterschiede nach wie vor riesig.

Die Eintracht ist der Krösus des Unterhauses und investiert in dieser Saison 19 Millionen Euro in seinen Spieleretat, während der FSV 4,9 Millionen Euro für das kickende Personal ausgibt.

Auch in den sportlichen Erwartungen schlägt sich dies nieder. Die Eintracht will ohne Wenn und Aber den direkten Wiederaufstieg, während der FSV gegen den Abstieg spielt.

Mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen sind Riederwälder dabei durchaus auf Kurs. Doch so richtig zufrieden ist angesichts der durchwachsenen Leistungen niemand.

Veh fürchtet Verletzungspech

"Hinter den dreizehn, vierzehn Spielern, die gehobenen Zweitligaansprüchen genügen, haben wir nicht die Wahnsinnsqualität", erklärte Trainer Armin Veh: "Es dürfen keine Leistungsträger ausfallen, sonst gebe ich den Favoritenschild zurück."

Zwar sieht es derzeit so aus, als ob Pirmin Schwegler gegen den FSV wieder mitwirken kann, dafür wird aber der gesperrte Torjäger Alexander Meier fehlen.

Die Mannschaft scheint sich noch nicht gefunden zu haben, vor allem der Heimkomplex macht der Eintracht zu schaffen.

Erst ein Dreier in 2011

Im Kalenderjahr 2011 gelang erst ein Sieg vor eigenem Publikum. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das ist eine Bilanz, die nicht sehr schön ist?, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhhagen im "hr": "Man muss sich einfach die Frage stellen, ob das auch mit dem Spielertypus zusammenhängt."

Die Spieler wirken angesichts der großen Erwartungen nervös, vor allem vor eigenem Publikum.

"Wenn wir das Denken anfangen, etwas verlieren zu können, dann werden wir zu ängstlich", erklärte Veh, wohlwissend, dass die katastrophale Rückrunde der vergangenen Spielzeit noch in den Hinterköpfen ist.

FSV gibt Heimrecht ab

Da könnte es dem FSV gerade Recht kommen, dass das Spiel trotz Heimrecht in der Commerzbank-Arena ausgtragen wird.

Doch die Bornheimer, die nach dem Abgang von Sascha Mölders vor allem in der Offensive Probleme haben, denken gar nicht daran, der Eintracht im eigenen Stadion die Hölle zu bereiten.

Ganz im Gegenteil: Die Eintracht-Fans dürfen in ihre gewohnte Kurve, sogar ein gemeinsamer Fanschal wird eigens für das Derby gedruckt. Nur einer stört die Kuschelstimmung beim einzigen Stadtderby, dass es in diesem Jahr im deutschen Profi-Fußball gibt.

Reisig: "Das zeigt die Überheblichkeit"

Der frühere FSV-Manager Bernd Reisig würde dem großen Nachbarn zu gerne eins auswischen.

Bruchhagen habe bereits vereinbarte Freundschaftsspiele wieder abgesagt, außerdem habe der Eintracht-Boss nie die Einladungen angenommen und mal am Bornheimer Hang vorbeigeschaut, berichtete Reisig in der "Bild".

"Das zeigt die Haltung und die Überheblichkeit", erklärte der langjährige Manager des FSV. Den Spielern des Underdogs will er einen Trip nach Mallorca finanzieren, sollten diese der Eintracht ein Bein stellen.

Und so kommt doch noch ein bisschen Derbystimmung auf.

Bei einem Spiel, das zwar geografisch ein waschechtes Derby ist, von der Stimmungslage aber weit entfernt von einem brisanten Nachbarschaftsduell ist.

SPORT1 hat die Fakten zu den übrigen Spielen des 5. Spieltags:

Energie Cottbus - Karlsruher SC

Nach zwei deutlichen Niederlagen ohne eigenen Treffer gelang Cottbus beim jüngsten 2:0 in Aachen wieder ein Sieg. Von ihren bislang zehn Heimauftritten konnten die Lausitzer sieben gewinnen (zwei Unentschieden, eine Niederlage).

Der KSC gewann von seinen jüngsten sieben Zweitliga-Auswärtspartien nur die bislang letzte.

Letzte Saison: 5:5 und 0:1

Dynamo Dresden - SC Paderborn

(alle So., ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER)

Dynamo, das zwei seiner jüngsten drei Spiele gewonnen hat (inklusive DFB-Pokal), ist zu Hause in dieser Saison noch ungeschlagen.

Die Paderborner, die in jedem ihrer jüngsten sechs Liga-Auftritte mindestens einen Gegentreffer hinnehmen mussten, kassierte zuletzt zwei Niederlagen in Folge.

FC St. Pauli - MSV Duisburg

(Mo., ab 19.45 LIVE im TV auf SPORT1 und ab 20 Uhr im LIVE-TICKER)

St. Pauli ist in dieser Saison noch ungeschlagen (drei Siege, ein Unentschieden).

Duisburg, das zuletzt zwei torlose Unentschieden erreichte, wartet noch auf seinen ersten Dreier. Von seinen acht Auftritten bei St. Pauli konnten die Duisburger nur zwei gewinnen (drei Unentschieden, drei Niederlagen)

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