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Der neue Tivoli in Aachen wurde am 12. August 2009 eröffnet © getty

Aachen knackt gegen Duisburg eine Schallmauer. Die Stimmung vor dem Krisengipfel aber ist im Keller. Der Absturz droht.

München/Aachen - Auf einem emotionalen Tiefpunkt feiert Alemannia Aachen eine große Party:

Finanziell und sportlich angeschlagen gehen die Kaiserstädter am Sonntag (ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen den MSV Duisburg als erster Klub in ihr 1000. Zweitligaspiel.

Ein ganz besonderes Jubiläum, für das die Aachener ein buntes Programm zusammengestellt haben und viele kuriose Geschichten wieder aufleben lassen.

Lust zu feiern hat aber eigentlich niemand, denn die Lage ist vor dem Kellerduell richtig ernst. Verliert der Tabellenletzte gegen Duisburg, rückt für den ewigen Zweitligisten der Sturz in die Drittklassigkeit näher. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Meijer stolz auf die "Schallmauer"

Und dort wäre die Alemannia durch die Belastung der Fünf-Millionen-Euro-Rückzahlung pro Jahr für die Arena nicht lange lebensfähig. Schon die Zweitliga-Lizenz für 2012 zu bekommen, wird keine Selbstverständlichkeit.

"Für die Spieler ist das 1000. Spiel verständlicherweise nicht so wichtig wie das Ergebnis am Sonntag"", sagt deshalb Sportdirektor Erik Meijer: "Aber die Alemannia kann stolz sein, als erster Klub diese Schallmauer zu durchbrechen. Und es ist überragend, dass uns am Sonntag 30.000 Menschen unterstützen."

Unter dem Motto "Preise wie damals" hat der Klub die Eintrittskarten extrem verbilligt ausgegeben. Das Stadion wird annähernd ausverkauft sein.

Willkommene Abwechslung

Für die Alemannia ist die Party zum Jubiläum daher zumindest ein willkommener Stimmungsaufheller nach trüben Wochen. Der echte Aachener Fan hängt sowieso an seinem alten Tivoli.

Dass dieses Kultstadion, in dem der Klub bis 2009 in 81 Jahren 2216 Spiele absolvierte, derzeit abgerissen wird, reißt alte Wunden auf.

Vor allem dann, wenn der Klub Tabellenletzter ist. Und der neue Tivoli, der - bis auf die grellgelben Sitze, die ihn stets leerer erscheinen lassen - ein Schmuckstück geworden ist, zum Millionengrab wird.

Fehlstart bei der Tivoli-Premiere

Wenn vor dem Spiel die fast komplett anwesende Mannschaft des ersten Zweitligaspiels 1974 begrüßt wird und Profis aus drei Epochen von der Deutschen Fußball Liga (DFL) geehrt werden, dann werden sie in Erinnerungen schwelgen.

Gleich das erste geplante Spiel 1974 bei Hannover 96 fiel aus - zehn Spieler des Gegners waren an Darmgrippe erkrankt.

Eine Partie in Wattenscheid wiederum artete in eine derartig üble Treterei aus, dass es wegen der Verletzungsunterbrechungen 103 Minuten dauerte.

Chaotischer und leidenschaftlicher Klub

Die Alemannia war zumeist ein chaotischer und leidenschaftlicher Klub, bei dem Arbeiter wie Jo Montanes, Günter Delzepich oder Willi Landgraf stets die Publikumslieblinge waren.

Auch das Schicksal spielte oft mit: 1981 beging Libero Rainer Rühle Selbstmord.

1999 verstarb Trainer Werner Fuchs wenige Wochen vor der Rückkehr in die Zweite Liga bei einem Waldlauf.

Hoffen auf die Initialzündung

Allein in den 2000ern erlebte die Alemannia ein Wechselbad der Gefühle: Die Beinahe-Pleite, eine Geldkoffer-Affäre, einen krebskranken Trainer und auch einen, der einen Gegner würgte.

Ein Skandalspiel und ein Geisterspiel. Einen Bundesliga-Aufstieg mit direktem Abstieg aus vermeintlich gesicherter Position. Den Einzug ins DFB-Pokal-Finale und die 3. Runde des UEFA-Cups.

Vielleicht sorgen die Partystimmung und die Erinnerung an die bewegte Vergangenheit gegen Duisburg für eine Initialzündung.

SPORT1 fasst die Fakten zum 14. Spieltag zusammen:

Alemannia Aachen - MSV Duisburg

In seinen bislang 13 Saisonspielen blieb Aachen neunmal ohne eigenen Treffer.

Von bislang 39 Pflichtspielen gegen Duisburg konnte Aachen 15 gewinnen (11 Unentschieden, 13 Niederlagen).

Der MSV kassierte beim Debüt von Interimstrainer Oliver Reck eine 0:3-Niederlage bei 1860 München - es war bereits die dritte Pflichtspiel-Pleite ohne eigenen Treffer (inklusive DFB-Pokal).

Vorsaison 2:2 und 2:3

Energie Cottbus - SC Paderborn

Cottbus konnte von seinen jüngsten acht Partien nur eine gewinnen. Von ihren Duellen mit Paderborn haben die Lausitzer nur die letzten beiden gewonnen.

Paderborn ist seit neun Liga-Partien ungeschlagen (sechs Siege, drei Unentschieden) und blieb dabei sechsmal ohne Gegentor.

Vorsaison: 3:1 und 5:0.

FSV Frankfurt - FC Hansa Rostock

Der FSV kassierte zuletzt vier Pflichtspielniederlagen in Serie. Die Frankfurter warten im heimischen Volksbank Stadion bereits seit neun Auftritten auf einen "Dreier".

Rostock hat seine jüngsten vier Auswärtsspiele verloren. Die Hanseaten sind mit bislang sieben Unentschieden die "Remis-Könige" der Liga.

(Alle Partien: Sonnntag ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER)

Erzgebirge Aue - Eintracht Frankfurt

Die seit vier Pflichtspielen sieglosen Auer konnten bislang noch nie gegen Frankfurt punkten (zwei Spiele, zwei Niederlagen, 0:7 Tore).

Die Frankfurter mussten sich nach zuvor fünf Liga-Siegen die Serie zuletzt mit einem 1:1-Unentschieden in Ingolstadt zufrieden geben (Montag, ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

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