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Für Jörn Andersen ist der KSC die siebte Station als Trainer © getty

Im SPORT1-Interview spricht Karlsruhes neuer Trainer Jörn Andersen über die Aufgabe beim KSC und das unschöne Ende in Mainz.

Von Reinhard Franke

München - Jörn Andersen ist wieder da! Seit ein paar Tagen ist er neuer Trainer beim Zweitligisten Karlsruher SC (BERICHT: "Andersen neuer KSC-Trainer").

Nach seiner Entlassung 2009 bei Mainz 05 war es lange ruhig um den Norweger gewesen.

Der 48-Jährige musste erst mal Abstand gewinnen. Nach Mainz war er im Winter 2010 für vier Wochen bei AE Larisa in Griechenland und hat alles andere als gute Erinnerungen an diese Zeit.

Neben dem Aufstieg mit Mainz 2009 war sein größter Erfolg als Trainer der Fast-Aufstieg mit Rot-Weiß Oberhausen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit RWO stand er 2004 lange Zeit an der Spitze der Zweiten Liga, wurde gar Herbstmeister und verpasste nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga, kam aber zu eine achtbaren fünften Platz - die beste Platzierung der Oberhausener seit deren Bundesligaabstieg 1973.

Im SPORT1-Interview spricht Jörn Andersen über seine neue Aufgabe in Baden, das unschöne Ende in Mainz und die schlimmen Zustände in Griechenland, die mit seiner Flucht endeten.

SPORT1: Willkommen zurück, Herr Andersen. Wie waren die ersten Tage als neuer Trainer des Karlsruher SC?

Jörn Andersen: Interessant - und gut. Es ist immer etwas Besonderes, wenn man bei einem neuen Klub anfängt. Man weiß nicht, was einen erwartet, aber es ist relativ gut angelaufen.

SPORT1: Sie haben betont, wie froh Sie sind, dass es mit einem Engagement geklappt hat. Sie waren seit Januar auf Jobsuche. Kam der KSC jetzt genau zur richtigen Zeit?

Andersen: Ja. Es ist ein interessanter Klub. Ich habe nach Mainz lange auf einen neuen Job gewartet und wenn ein Verein wie Karlsruhe auftaucht, dann kann man froh sein. Der KSC hat Tradition und einen Namen. Hier habe ich das Gefühl, dass wir etwas bewegen können. Die Leute, mit denen ich arbeite, haben Bundesliga, Profifußball und Europapokal erlebt. Ich bin bei einem Klub gelandet, der etwas erlebt hat. Das gefällt mir.

SPORT1: Nach Mainz hatten Sie aber noch ein kurzes Intermezzo bei AE Larisa in Griechenland.

Andersen: Dort war es sehr schwierig zu arbeiten. Viele Steine lagen da im Weg und ich war froh, als ich nach nur sechs Wochen wieder nach Hause fliegen konnte. Diese sechs Wochen inklusive Winterpause fühlten sich an wie sieben Monate.

SPORT1: Was war denn so schlimm?

Andersen: Ich will nicht nachtreten und den Klub schlecht machen. Ich hatte mich vorher informiert und hörte nur Positives. Aber als ich da ankam, war die Mannschaft am Ende. Sie hatte nicht die fußballerische Qualität. Außerdem waren unsere Trainingsplätze nicht gut. Ich wollte im Stadion trainieren, aber das ging nicht. Ich wollte neue Spieler holen und habe keine Spieler bekommen.

[kaltura id="0_5uvl99kg" class="full_size" title="Mit Andersen in den Abstiegskampf"]

SPORT1: Das Ergebnis war kein einziger Sieg.

Andersen: Ja, und die Fans waren aggressiv. Sie haben die Mannschaft angegriffen, haben mit 300 Leuten den Bus beschädigt, als die Mannschaft drin saß. Die Spieler hatten Todesangst gehabt, weil die Fans den Bus anzünden wollten. Diese Chaoten wollten die Spieler rausholen und schlagen. Das war nicht normal. Nach nur vier Wochen hatte ich keine Kraft mehr. Ich wollte nur noch nach Hause.

SPORT1: Offenbar mussten Sie sich erst mal erholen. Nach Griechenland war es die letzten Monate ruhig um Sie. Gab es keine Angebote?

Andersen: Es gab Anfragen. Aus der Dritten Liga, auch aus der Zweiten Liga, aber das hat nicht gepasst. Heutzutage ist es nicht leicht einen Job bei einem Profiverein zu finden. Ich bin glücklich nach der schweren Zeit jetzt wieder einen Verein zu haben. Der KSC ist ein anständiger Klub und ich will mein Bestes geben, um lange hier zu arbeiten.

SPORT1: Gegen KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer haben Sie noch selber gespielt. Wie ist Ihr Verhältnis?

Andersen: Sehr gut. Wir haben die gleiche Wellenlänge. Er hat im Fußball das gleiche erlebt. Bis jetzt ist alles positiv hier.

SPORT1: Dennoch müssen Sie sportlich gewiss einiges ändern.

Andersen: Ich will versuchen, dass die Mannschaft einen besseren und erfolgreicheren Fußball spielt. Die Abwehr muss stabilisiert werden und wir wollen einen offensiv frischeren Fußball spielen - aus einer sicheren Defensive heraus.

SPORT1: Lassen Sie uns kurz über ihr unschönes Ende in Mainz sprechen. Sie wurden vor dem ersten Spieltag der Saison 2009/2010 überraschend entlassen. Ihnen wurde vorgeworfen, dass Sie lieber Golf gespielt hätten und dass es Ihnen an Menschenführung fehlen würde. Auch sollen Sie damals veranlasst haben, dass Privatbilder aus den Spinds der Spieler entfernt wurden.

Andersen: Da ist viel Unwahres geschrieben worden. Der Verein hat nach außen keinen Hauptgrund genannt, dann mussten die Zeitungen spekulieren. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe gar kein Golf gespielt und habe ein gutes Verhältnis zu Spielern. Die Entlassung hat lange in der Seele wehgetan und das erste Jahr danach war schwer.

SPORT1: Was war denn der eigentliche Grund für das plötzliche Ende in Mainz?

Andersen: Vielleicht habe ich einige Spieler zu hart angepackt, aber wir mussten hart und viel trainieren. Einigen hat das nicht gepasst. Dadurch gab es interne Irritationen.

SPORT1: War das Erbe von Jürgen Klopp zu groß für Sie?

Andersen: Auf keinen Fall. Jürgen Klopp ist mit einer besseren Mannschaft nicht aufgestiegen, ich aber bin aufgestiegen und wir sind im Pokal-Halbfinale in Leverkusen in der Verlängerung ausgeschieden. Sportlich haben wir viel erreicht. Mainz ist Mainz und das ist ein anderer Verein. Das verstehen viele nicht.

SPORT1: Warum schaffen Sie mit dem KSC den Klassenerhalt?

Andersen: Weil wir seriös arbeiten werden und weil wir eine Mannschaft haben, die die Qualität hat, um in der Liga zu bleiben. Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt.

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