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Klassenerhalt im Blick: Tomas Oral trainierte bisher den FSV Frankfurt und Red Bull Leipzig © getty

Im SPORT1-Interview spricht Ingolstadts neuer Trainer Tomas Oral über seine Aufgabe, böse Gerüchte aus Leipzig und Thomas Linke.

Von Reinhard Franke

München - Tomas Oral kann wieder lachen. Nach einem kurzen Intermezzo bei Red Bull Leipzig trat er vor Wochenfrist die Nachfolge von Benno Möhlmann als Coach beim FC Ingolstadt an (Bericht).

Das Ziel mit den "Schanzern" ist klar: Klassenerhalt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Freitagsspiel gegen 1860 München (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der 38-Jährige mit türkisch-aramäischer Abstammung bei SPORT1 über seine neue Aufgabe und Thomas Linke

Oral wehrt sich gegen Gerüchte, in Leipzig "verbrannte Erde" hinterlassen zu haben, nach dem der Aufstieg in die Dritte Liga mit den Sachsen nicht geschafft wurde.

SPORT1: Herr Oral, Sie sind wieder zurück in der Zweiten Liga. Haben Sie sich schon umgewöhnt von Sachsen nach Bayern?

Tomas Oral: Ja. Man muss alles neu kennenlernen, reinhören, viele Gespräche führen mit dem ganzen Klub, egal ob es die Geschäftsstelle oder die Mannschaft ist. Ich hatte viel zu tun, aber es war alles sehr positiv.

SPORT1: Ihren Namen als neuen Trainer hatte man nicht unbedingt auf dem Zettel.

Oral: Es ging alles sehr schnell. Natürlich wünscht man sich immer so hoch wie möglich wieder einzusteigen und ich bin natürlich sehr glücklich darüber, dass die Wahl auf mich fiel.

SPORT1: Wie sehr haben Sie sich mit dem FC Ingolstadt zuletzt befasst oder war das total überraschend, dass der Verein auf Sie zukam?

Oral: Die Anfrage war zu dem Zeitpunkt schon überraschend, aber ich habe mich mit dem Verein so oder so immer beschäftigt, weil es ja auch damals ein unmittelbarer Konkurrent vom FSV Frankfurt war (sein letzter Verein in der Zweiten Liga, Anm. d. Red.) - im Aufstiegsjahr und im ersten Jahr Zweite Liga. Und ich habe zufälligerweise dieses Jahr zwei Spiele live gesehen.

SPORT1: Wie damals in Frankfurt heißt es jetzt Abstiegskampf. Was macht die Aufgabe bei den ?Schanzern? dennoch so reizvoll für Sie?

Oral: Ich habe die Situation mit dem FSV Frankfurt schon mal erlebt. Das ist eine Riesenherausforderung. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine hohe Qualität in unserer Truppe haben und dass wir die Abstiegsplätze so schnell wie möglich verlassen wollen. Diese Qualität müssen wir nun auf dem Platz unter Beweis stellen.

SPORT1: Wie wollen Sie das schaffen?

Oral: In der jetzigen Situation werde ich versuchen so wenig wie möglich zu ändern. Ich kenne die Struktur in der Mannschaft und es ist mir nicht alles fremd. Es müssen aber neue Reize gesetzt werden, die Jungs brauchen Selbstbewusstsein und dazu gehören Erfolgserlebnisse. Wir sind gut beraten, wenn wir weiter geduldig arbeiten, um die Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen.

SPORT1: Dabei soll auch der neue Sportdirektor Thomas Linke helfen. Gab es Sie nur als Duo?

Oral: (lacht) Der Verein wollte eine neue Umstrukturierung mit einem neuen Trainer und einem neuen Sportdirektor. Die Wahl fiel auf den Thomas und seine Vorstellungen haben sich mit denen des Vereins gedeckt.

[kaltura id="0_o06kcjg0" class="full_size" title="Die neue F hrung in Ingolstadt"]

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis?

Oral: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Thomas hat als Spieler sehr viel erlebt und er ist der ruhige sachliche Typ, der viel analysiert und beobachtet. Als Trainer wünschst du dir immer einen, der auf einer Wellenlänge mit einem tickt. So wie wir uns in der Vergangenheit beschnuppert haben, war das schon toll.

SPORT1: Obwohl Sie in Ihren Karrieren nie miteinander zu tun hatten.

Oral: Thomas war zum Ende seiner Karriere Spieler bei Bayerns U 23 und da haben wir uns kennengelernt und viel über Fußball ausgetauscht. In Leipzig hatten wir dann auch den beruflichen Kontakt und das hat gepasst.

SPORT1: Sportlich hat es in Leipzig nicht gepasst, weil der Aufstieg in die Dritte Liga verfehlt wurde.

Oral: Das ist die öffentliche Wahrnehmung. Der Verein hatte großes vor, aber die Strukturen vor Ort waren noch lange nicht so, dass man sagen konnte 'wir steigen auf'. Es war ein gewisser Umbruch da, aber alle wussten, dass es schwierig wird im ersten Jahr. Es war ein langfristiges Ziel und es hat nicht geklappt, deshalb sind beide Seiten auseinander gegangen.

SPORT1: Blicken Sie im Zorn zurück? Journalisten werfen Ihnen vor, dass Sie sich mit jedem angelegt hätten.

Oral: Das entspricht nicht der Wahrheit und blicke nicht im Zorn zurück. Ich habe in einem Jahr eine riesige Lebenserfahrung gemacht, wo manche jahrelang dafür brauchen. Ich habe viele tolle Menschen und eine schöne Stadt kennengelernt. Wir hätten uns einen anderen sportlichen Ausgang gewünscht, aber wenn man analysiert, dann muss man bei A anfangen und Z aufhören. So viele Leute waren nicht da, mit denen ich mich hätte anlegen können. Wenn amateurhafte Strukturen da sind, die man professionalisieren will, dann wird man auch mal unbequem. Ich bin in meinem Leben noch nie den bequemen Weg gegangen, war immer gradlinig, ehrlich und offen.

SPORT1: Es heißt Sie seien ein schwieriger Typ, der sich in Leipzig überschätzt hätte.

Oral: Ich weiß, dass ich es nicht bin. Als Trainer muss man Ecken und Kanten haben. Es gibt keine einfachen Trainer. Wenn ich den maximalen Erfolg will, dann gebe ich alles für meinen Klub.

SPORT1: Am Freitag geht es in Ihrem ersten Spiel gleich im Derby gegen 1860 München.

Oral: Beide Mannschaften hinken Ihren Erwartungen hinterher. Gleich ein Derby zu meinem Start ist schon schön. Das Spiel ist die Chance an dem Tag positive Schlagzeilen zu schreiben und das wollen wir nutzen. Wir haben ein Heimspiel und wir wollen aus einer gesunden Kompaktheit kommen, dann wird es eine interessante Partie für die Fans mit einem hoffentlich positiven Ausgang für uns.

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