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Kevin Volland (l.) wird nach dem 2:0 gegen Frankfurt gefeiert © getty

Nach dem Frankfurt-Sieg schielt 1860 nach oben. Über eine Verpflichtung von Thurk wird spekuliert. Doch der Machtkampf geht weiter.

Von Christian Stüwe

München - Kevin Volland stand im Bauch der Münchener Arena, er hatte sich das getauschte Trikot des Frankfurter Gegenspielers Sebastian Rode falschherum übergestreift.

Ansonsten präsentierte sich der 19 Jahre alte Stürmer aber bestens aufgeräumt.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eine knappe halbe Stunde zuvor hatte Volland einen Konter im Tor der Eintracht versenkt und damit den 2:1-Sieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter sichergestellt (Bericht).

"Ausrufezeichen gegen den Tabellenersten"

"Das gibt auf jeden Fall Selbstvertrauen", sagte Volland nach Abpfiff zu SPORT1: "Es war ein wichtiger Sieg. Jetzt fahren wir nach Aachen und wollen die schlagen."

Es sei sehr wichtig für das Team und die Fans gewesen, "hier zu Hause ein Ausrufezeichen gegen den Tabellenersten zu setzen."

Und 1860 wäre nicht 1860, wenn ein solcher Prestigeerfolg nicht wieder Träume von besseren Zeiten befeuern würde.

Vom Aufstieg brauche man nicht zu reden, blockte Volland zwar ab - um dann aber doch eine Hintertür offen zu lassen.

Volland: Da geht noch was

"Die Saison ist noch lang, die komplette Rückrunde steht noch vor der Tür", erklärte der Junioren-Nationalspieler: "Da kann man auf jeden Fall nochmal angreifen. Man weiß, wie schnell es in der Zweiten Liga nach unten und nach oben gehen kann."

Ausgerechnet der Gegner vom Samstag ist das beste Beispiel dafür, was noch möglich sein kann. In der Aufstiegssaison 2004/2005 hatte Eintracht Frankfurt nach 16 Spielen 22 Punkte gesammelt - die "Löwen" haben derzeit schon 25 Zähler.

Bei diesem Unternehmen könnte auch "Strafraumgespenst" Michael Thurk eine Rolle spielen.

Verhandlungen mit Thurk?

Der ehemalige Ausgburg-Torjäger, der bei den Schwaben suspendiert worden war, schaute sich den "Löwen"-Erfolg auf der Tribüne an und wurde anschließend bei Gesprächen mit Verantwortlichen des Vereins gesehen.

"Ich bin nur wegen Frankfurt hier", erklärte er der "Bild". Im Winter könnte Thurk aber wohl ablösefrei verpflichtet werden.

"Ich will wieder Fußball spielen", sagte der 35-Jährige weiter, der mit dem FCA drei Siege in der Allianz Arena einfuhr. Ein Routinier als Unterstützung für Youngster Volland?

Machtkampf hinter den Kulissen

Der Himmel über Giesing könnte also strahlendblau sein, wenn da nicht der Ärger hinter den Kulissen wäre. Denn zwischen dem arabischen Investor Hasan Ismaik und Präsident Dieter Schneider ist ein Machtkampf ausgebrochen.

Ismaik will investieren - und mehr Mitspracherecht. "Ich will hier nicht nur Zuschauer sein", sagte er am Samstag der "tz".

Unterstützt wird er dabei von Geschäftsführer Robert Schäfer, die Klub-Führung um Präsident Schneider steht auf der anderen Seite. Und der Ton wird rauer.

"Der Aufsichtsrat hat mir mitgeteilt, dass man mich ablösen möchte. Mir wird vorgeworfen, dass ich den Präsidenten vom Informationsfluss abgeschnitten hätte", klagt Schäfer: "Dann frage ich mich, warum der Aufsichtsrat zu mir gesagt hat, dass ich ihn nicht mit Informationen zumüllen soll."

Ärger mit dem Finanzamt?

Doch das ist nicht der einzige Streitpunkt. Dem eingetragenen Verein 1860 drohte zuletzt Ungemach durch das Finanzamt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, da der e.V. die ausgegliederte Profi-Abteilung beim Bau des Nachwuchsleistungszentrums unterstützt hatte.

Dies könnte als Verstoß gegen die Gemeinnützigkeit oder verdeckte Gewinnausschüttung gewertet werden.

Eine mögliche Steuernachzahlung hätte den Verein in große Nöte gebracht, Investor Ismaik und dessen Statthalter Hamada Iraki sollen dies als Druckmittel verwendet haben, um mehr Mitspracherechte durchzusetzen und die Ablösung von Vereinspräsident Dieter Schneider voranzutreiben.

Druckmittel fällt weg

Laut "SZ" haben sich das Finanzamt und Verein in einem Gespräch aber nun mit der Lösung des Sachverhalts auseinandergesetzt. Resultat: Das Problem solle "zeitnah, aber ohne Frist", angegangen werden, wie Vize-Präsident Franz Maget berichtete.

Das Nachwuchsleistungszentrum könnte wieder an den e.V. überführt werden, wofür allerdings die Unterschrift von Geschäftsführer Schäfer benötigt würde.

Schäfer verweigerte diese Unterschrift offenbar, da er sich durch einen Vertrag, der bei der Tochtergesellschaft Schaden anrichtet, strafbar mache. Diese Sorgen sollen beim Termin im Finanzamt genommen worden sein.

Das Druckmittel Ismaiks wäre also weg.

"Wenn man Geld bezahlt, denkt man anders"

Der Investor macht aber deutlich, dass er sich weiter massiv einbringen möchte. "Ich bin hierher gekommen, um Leute glücklich zu machen, nicht um zu streiten", erklärte er.

Vielleicht sei es für die andere Seite schwer, einen ebenbürtigen Partner zu akzeptieren, da man bisher alleine entscheiden konnte, mutmaßt der Jordanier, macht aber deutlich, das er sich von seiner Investition mehr Zugriff auf den Verein erwartet:

"Wenn man Geld bezahlt, denkt man anders, als wenn man nur mit Leidenschaft entscheidet."

Volland geht im Sommer

Um die ehrgeizigen Träume Ismaiks, der intern sogar schon von der Meisterschaft gesprochen haben soll, verwirklichen zu können, müssten aber zunächst einmal Talente wie Volland gehalten werden können.

Doch wie soviele junge 1860-Spieler in den letzten Jahren wird der Stürmer im Sommer sein Glück bei einem anderen Klub suchen und nach Hoffenheim wechseln.

Sogar ein Wechsel im Winter stand zur Diskussion, dies konnte 1860 aber verhindern. "Ich bin sehr froh, wie sich Herr Tanner und die Verantwortlichen geeinigt haben", erklärte Volland: "Im Sommer in die Bundesliga zu gehen, ist der nächste Schritt."

Diesen Schritt würde auch Ismaik nur zu gerne gehen.

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