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"Löwen"-Stürmer Benjamin Lauth erzielte in dieser Saison bereits sechs Tore © imago

Benny Lauth spricht über seine Treue zu 1860, den Abstieg 2004 und das Spiel gegen Cottbus. Für die "Roten" sieht er schwarz.

Von Daniel Michel

München - "Laut - laut - wir schreien laut: die Hütte brennt!"

Erzielt Benjamin Lauth einen Treffer in der Münchner Arena, ertönt für den Kapitän der "Löwen" die Hymne "Laut" der Gruppe "Finger Kadel".

Nach seinem persönlichen Torrekord mit 16 Treffern in der vergangenen Saison brilliert der 1860-Stürmer in der aktuellen Spielzeit aber auch als Vorlagengeber (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auf sechs Treffer und sieben Assists kommt der frühere Nationalspieler, der 2002 mit einem Fallrückzieher das "Tor des Jahres" geschossen hatte.

Seine Scorer-Bilanz erhöhen will Lauth nun im Spiel gegen Energie Cottbus (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

"Ich glaube der Gegner liegt uns", zeigt sich der 30-Jährige im Interview bei SPORT1 selbstbewusst.

Das Aushängeschild der Münchner sagt zudem, welche Fehler die "Löwen" in der Vergangenheit gemacht haben und warum er 1860 nicht mehr verlassen will.

SPORT1: Herr Lauth, 1860 hat in der Hinrunde Energie Cottbus mit 5:0 abgefertigt. Ihr Gegner sinnt auf Wiedergutmachung. Was erwarten Sie vom Rückspiel?

Benjamin Lauth: Im Hinspiel hat für uns alles zusammengepasst. Wir haben früh das erste Tor erzielt und Cottbus musste nach einer Roten Karte lange in Unterzahl spielen. Sicher wird Cottbus motiviert sein und eine erneute Niederlage verhindern wollen. Ich glaube aber der Gegner liegt uns: Wir haben bereits in der vergangenen Saison zuhause 4:0 gewonnen.

SPORT1: 1860 hat sieben Punkte Rückstand auf Platz drei - hoffen Sie noch darauf, in den Kampf um den Aufstieg einzugreifen?

Lauth: Uns war bereits vor der Saison klar, dass unser Etat nicht mit Spitzenteams wie Eintracht Frankfurt zu vergleichen ist. Wir haben uns auf Platz fünf oder sechs gesehen - da stehen wir im Moment auch. Wir haben keinen Grund, unser Ziel zu ändern. In der Hinrunde hätten wir ein paar Punkte mehr holen können, sind aber mit zwei Siegen in die Rückrunden gestartet. Daran wollen wir gegen Cottbus anknüpfen. Um aber noch an die Aufstiegsplätze heranzurücken, sind wir auf Schwächephasen der Top-Teams angewiesen.

SPORT1: Mit 16 Treffern haben Sie in der vergangenen Saison einen persönlichen Torrekord aufgestellt. Jetzt liegen Sie bei sechs Treffern - knacken Sie Ihre Bestmarke noch?

Lauth: Als Stürmer will ich in einer normalen Saison mindestens zehn Tore erzielen. Ich bin zuversichtlich, das Ziel zu erreichen. Meinen Torrekord zu verbessern, wird allerdings schwer. Ich spiele in dieser Saison nicht in der Sturmspitze, sondern etwas hängender - dafür bereite ich mehr Tore vor.

SPORT1: Sie sind Kapitän der "Löwen" und gehen als Vorbild voran: Sie engagieren sich in einer Kampagne der DFL gegen Gewalt in Stadien. Tragen Sie gerne Verantwortung?

Lauth: Jeder hat in einem Teamsport wie Fußball Verantwortung zu übernehmen - sei es gegenüber den Mannschaftskollegen oder den Fans, ganz besonders als erfahrener Spieler. Als Kapitän ist es meine Aufgabe, der Mannschaft weiterzuhelfen. Das tue ich sehr gerne.

SPORT1: Sie haben 1992 in der Jugend von 1860 zu spielen angefangen und die "Löwen" erst nach dem Bundesliga-Abstieg 2004 verlassen. 2008 sind Sie zurückgekehrt und besitzen einen Vertrag bis 2014. Ist 1860 Ihr zweites Zuhause, eines, das Sie nicht mehr verlassen wollen?

Lauth: 1860 ist ganz klar mein zweites Zuhause. Läuft alles 'normal', werde ich den Verein nicht mehr verlassen. Ich spiele mein 16 Jahr bei 1860, habe ab der D-Jugend alle Jugend-Auswahlen durchlaufen und mit der Profi-Mannschaft mein Debüt in der Bundesliga gefeiert. 2008 bin ich nach München zurückgekehrt, weil ich hier Vertrauen spüre und mich wohl fühle. Ich kenne keinen Verein, der mir bessere Bedingungen bietet als 1860.

SPORT1: Sie haben 2002 Ihr erstes Bundesliga-Spiel für 1860 bestritten, aber auch den Abstieg 2004 miterlebt. Hat der Verein damals einen besonders schweren Fehler gemacht?

Lauth: Es wäre zu kurz gegriffen, den Abstieg nur an einem Fehler festzumachen. Die Verantwortlichen hatten damals die Realität aus den Augen verloren. 1860 war eine feste Größe in der Bundesliga, belegte meist einen Platz unter den ersten elf in der Tabelle. Die Klub-Führung hätte sich damit zufrieden geben müssen. Stattdessen wollten einige immer mehr und haben unrealistische Ziele eingefordert. Es gab etwa im März 2003 keinen Grund, Peter Pacult als Trainer zu entlassen, die Mannschaft stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz acht. 1860 hatte in den 1990er Jahren den Weg eingeschlagen, Schritt für Schritt voranzukommen. Aber irgendwann haben die Verantwortlichen im Klub diesen Weg verlassen, weil sie mehr erreichen wollten. Der Versuch ging gründlich schief.

SPORT1: Glauben Sie trotzdem als Spieler mit 1860 noch Pflichtspiel-Derbys gegen den FC Bayern zu bestreiten?

Lauth: Es ist weiterhin ein großer Traum von mir. Das könnte auch bedeuten, mit 1860 in die Bundesliga aufgestiegen zu sein. Wir alle im Verein hoffen darauf.

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