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SPORT1-Mitarbeiter Reinhard Franke (r.) traf Florian Hinterberger zum Interview © intern

Florian Hinterberger spricht über die aktuelle Lage der Blauen, Trainer Maurer und die kritische Situation mit Investor Ismaik.

Von Reinhard Franke

München - Langeweile? Was ist das?

1860-Sportdirektor Florian Hinterberger kann über mangelnde Abwechslung wirklich nicht klagen.

Doch die Arbeit scheint dem 53-Jährigen Spaß zu machen. Trotz aller Störfeuer, die bei den "Löwen" von außen in schöner Regelmäßigkeit einwirken, hat Hinterberger Erfolg.

Seit er im Mai 2011 Miki Stevic als Sportchef ablöste, geht es sportlich mit dem Verein aufwärts.

1860 München belegt aktuell Platz sechs, spielte die erfolgreichste Hinrunde seit dem Abstieg 2004 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und Hinterberger wurde mit einem neuen Vertrag bis 2013 belohnt. Er will seine Arbeit fortsetzen und das Projekt Aufstieg weiter nicht aus den Augen verlieren.

Am Wochenende haben die Sechziger zumindest sportlich eine Verschnaufpause, die Partie in Aue fällt dem Winter zum Opfer (NEWS: Partie in Aue abgesagt).

Im SPORT1-Interview spricht Hinterberger über die aktuelle Lage bei den Blauen, Trainer Reiner Maurer und die kritische Situation mit Investor Hasan Ismaik.

SPORT1: Herr Hinterberger, nochmal Glückwunsch zu Ihrer Vertragsverlängerung bis 2013. War das eine schwere Geburt oder relativ schnell klar, dass es weitergeht?

Florian Hinterberger: Schwierig war es nicht. Der Geschäftsführer (Robert Schäfer, Anm. d. Red.) und der Präsident (Dieter Schneider, Anm. Red.) waren immer mit mir im Gespräch, und dann wurde es schließlich besiegelt.

SPORT1: Ein Lob für Ihre gute Arbeit?

Hinterberger: Das ist natürlich ein Vertrauensbeweis für mich, was mich sehr freut. Ich hoffe, dass wir trotz unserer schwierigen Situation erfolgreich weiterarbeiten können. Es ist besser als zu meinem Amtsantritt im Mai. Damals war nicht klar, ob der Verein überhaupt weiter existieren würde. Jetzt sind die Voraussetzungen vergleichsweise komfortabel.

SPORT1: In der Pressemitteilung wurden Sie mit den Worten "es bleibt spannend bei 1860" zitiert. Bei 1860 zu arbeiten ist in der Tat spannend. Ruhe gab es auch zuletzt nicht, weil der Investor, Hasan Ismaik, den Rücktritt des Präsidenten gefordert hat. Ist die Arbeit nicht eher belastend?

Hinterberger: Das macht den Verein so interessant. Wenn man das nicht aushält, darf man es nicht machen. Das habe ich gewusst. Ich habe hier schon gespielt, war schon Trainer. Für mich ist es deshalb eher spannend als belastend.

SPORT1: Sportlich lief es zuletzt sehr gut. Sechzig spielt die beste Saison seit dem Abstieg 2004. Hätten Sie gedacht, dass es solchen Ärger mit dem Investor geben würde?

Hinterberger: Wir sind ein Pionierprojekt, sind der erste Profiverein, der mit einem ausländischen Investor eine Beziehung eingegangen ist. Jedem, der vernünftig denkt, war klar, dass das nicht ohne Reibereien abgeht. Und so ist es auch. Da treffen verschiedene Charaktere aufeinander, da muss sich jeder erst einmal einfinden. Aber ich bin guter Hoffnung, dass wir zu einem positiven Ergebnis kommen.

SPORT1: War es fair vom Investor Herrn Schneider, der alles für 1860 getan hat, so anzugreifen?

Hinterberger: Das ist für mich schwer zu beurteilen. Schneider hat dafür gekämpft, dass der Verein am Leben bleibt. Der Verein ist aber auch durch Ismaik am Leben geblieben. Jetzt müssen das Präsidium und der Investor einen Weg finden, dass wir Schritt für Schritt nach vorne kommen. Die Partnerschaft muss einfach wachsen.

SPORT1: War es vielleicht doch ein Fehler, Ismaik so viel Macht zu geben?

Hinterberger: Nein. Ich sehe das nicht so krass. Es ist auch für Ismaik eine neue Situation, sich mit einem Profiverein und den vielen Liga-Statuten auseinanderzusetzen. Es treffen außerdem verschiedene Kulturkreise aufeinander. Vielleicht muss man sich anfangs einfach gegenseitig beschnuppern und kennenlernen, was aber nicht so schwierig sein sollte.

SPORT1: Nicht schwierig? Ismaik hat erst mal den Geldhahn zu gedreht.

Hinterberger: Alle Transferaktivitäten wurden gestoppt, ich war aber auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Es war sicher nicht ganz einfach. Ich bin aber kein Typ, der zurückschaut. Man muss sich schütteln und weiter geht?s. Die ersten positiven Anzeichen sind ja schon von beiden Seiten gekommen.

SPORT1: Wie ist der aktuelle Stand?

Hinterberger: Beide haben einen Schritt aufeinander zugemacht und ich bin zuversichtlich, dass bald konstruktive Gespräche stattfinden werden. Es ist wie in einer Beziehung. Es ist besser, wenn man mal unter vier Augen redet.

SPORT1: Auch Trainer Reiner Maurer hat bis 2013 verlängert. Er macht trotz aller Störfeuer von außen einen tollen Job. Was ist noch drin für die "Löwen"?

Hinterberger: Wir befinden uns in einer Konsolidierungs-Saison - sportlich und wirtschaftlich. Ein solcher Prozess geht nicht von heute auf morgen. Man darf nicht vergessen, wo sich der Verein letztes Jahr befand. Wir stehen ganz gut da, wollen aber natürlich noch stabiler werden und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln.

SPORT1: Und geht noch was in Sachen Aufstieg?

Hinterberger: Das realistische Ziel ist, an die letzten erfolgreichen Wochen anzuknüpfen und vorne näher ranzukommen. Für die Spannung wäre das perfekt. Wir wissen aber auch, wie schwer dies in der Zweiten Liga ist.

SPORT1: Wie sehen Sie Maurers Arbeit?

Hinterberger: Wir sind im letzten Herbst aus der unruhigen und schwierigen Situation in 60-untypischer und ruhiger Manier sehr gut heraus gekommen. Dies war sicher auch ein Verdienst von Reiner Mauer.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Hinterberger: Wir haben 1991 zusammen gespielt, sind gemeinsam aufgestiegen und haben uns dann 20 Jahre kaum gesehen. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander, die Zusammenarbeit ist eng und wir tauschen uns fachlich intensiv aus.

SPORT1: Zuletzt haben Sie gesagt, dass Sie wieder auf dem Rathausbalkon stehen und feiern wollen. Wann wird das mit 1860 der Fall sein?

Hinterberger: Das ist meine Vision und der Investor hat ja schon gesagt, dass wir das 2014 schaffen wollen. Da arbeiten wir darauf hin. Ich habe schon als Spieler mit Sechzig auf dem Marienplatz gefeiert und das will ich unbedingt noch einmal erleben.

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