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Oliver Fink (l.) wechselte 2009 von der SpVgg Unterhaching zu Fortuna Düsseldorf © imago

Düsseldorfs Oliver Fink spricht bei SPORT1 über die Euphorie bei Fortuna, seine eigene Entwicklung - und kontert Armin Veh.

Von Reinhard Franke

München - Er steht lieber im Hintergrund.

Das Rampenlicht und die Schlagzeilen überlässt Oliver Fink anderen.

Der sympathische Mittelfeldspieler von Fortuna Düsseldorf versucht stattdessen, auf dem Platz mit seinen Leistungen zu überzeugen.

Den Schritt 2009 von Drittligist SpVgg Unterhaching zur Fortuna hat er nie bereut. Im Gegenteil. Fink hat sich Respekt und Anerkennung im Verein erarbeitet. Trainer Norbert Meier kann sich auf ihn verlassen. Kein Wunder, dass sein Vertrag bis 2013 verlängert wurde.

Heute Abend im Topspiel gegen Eintracht Frankfurt (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVE-TICKER) will Fink mithelfen, dass Fortuna wieder auf Platz eins der Zweitliga-Tabelle klettert (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im SPORT1-Interview spricht der 29-Jährige über das Duell mit den Hessen, seine eigene Entwicklung, die Euphorie um Fortuna - und kontert die Sticheleien von Frankfurt-Coach Armin Veh, der im Vorfeld die Düsseldorfer als "Schauspielertruppe" hinstellte.

SPORT1: Herr Fink, Fortuna geht als Tabellen-Zweiter in das Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt. Wie geht die Truppe mit der Favoritenrolle um?

Oliver Fink: Ich sehe uns nicht so in der Favoritenrolle.

SPORT1: Wie bitte?

Fink: Okay, wir sind Zweiter, aber wenn man den Kader vergleicht, dann muss Frankfurt erkennen, dass eher sie der Favorit sind.

SPORT1: Welche Rolle geben Sie sich selbst. Sie können doch jetzt nicht mehr sagen, dass der Aufstieg kein Thema sei.

Fink: Wir haben gute Voraussetzungen in der Vorrunde geschaffen. Auch wenn es sich banal anhört: wir denken wirklich von Spiel zu Spiel und mit der Taktik sind wir bisher ganz gut gefahren. Es macht wenig Sinn daran etwas zu ändern.

SPORT1: Aber der Druck wird doch automatisch größer.

Fink: Druck würde ich das gar nicht nennen. Man merkt einfach, dass die Leute hier lange schon auf so etwas Tolles gewartet haben. Die Euphorie in der Stadt ist riesengroß, die Medien fördern das in der Stadt. Aber unser Anspruch an uns selber ist weiterhin, dass wir mit dem Bewusstsein antreten, dass wir jeden schlagen können. Wir sind schon zu recht da vorne und wollen den Platz natürlich behaupten.

SPORT1: Wie macht sich diese Euphorie bemerkbar?

Fink: Man sieht viel mehr Kinder in Fortuna-Trikots herumlaufen, es hängen überall Poster und in den Zeitungen gibt es keine halbe Seite mehr, sondern jetzt sind es fast zwei Seiten. Auch ich merke es an mir. Ich halte mich vom Typ her eher für unscheinbar, aber auch ich werde in letzter Zeit immer öfter auf der Straße erkannt und angesprochen. Das war zu meiner Anfangszeit in Düsseldorf nicht so.

SPORT1: Sie kamen 2009 von Drittligist Unterhaching. Wie sehen Sie Ihre Entwicklung?

Fink: Es war eindeutig die richtige Entscheidung. Ich bin zufrieden. Zumal es sehr gut läuft, seitdem ich da bin. In der Stadt habe ich einen tollen Lebensfaktor und habe überdies tolle Freundschaften geschlossen.

SPORT1: In den letzten Monaten standen vor allem Maximilian Beister und Sascha Rösler im Fokus. Sie kommen trotz solider Leistungen etwas zu kurz. Stört Sie das?

Fink: Das sehe ich nicht so, aber hätte damit auch kein Problem. Ich freue mich einfach, dass ich Teil des Ganzen bin und helfen kann, dass es so gut läuft. Die Lorbeeren, die Max und Sascha und auch "Lumpi" (Kapitän Andreas Lambertz, Anm. d. Red.) ernten, sind völlig verdient. In der Rückrunde werden aber gewiss auch noch andere zum Zuge kommen.

SPORT1: Ausgerechnet der Kapitän fehlt gegen die Eintracht. Wie schwer wiegt der Ausfall von Andreas Lambertz?

Fink: Ich denke wir haben mit Adam Matuschyk einen guten Mann, der auf seinen Einsatz brennt. Aber es ist richtig: "Lumpi" ist ein sehr wichtiger Spieler bei uns. Insofern tut es sehr weh, ihn ausgerechnet im Spitzenspiel nicht dabei zu haben.

SPORT1: Fortuna hat noch keinen Sieg in der Rückrunde verbuchen können. Wird man nervös?

Fink: Nein, aber wir stehen in der Pflicht vor allem zu Hause unsere Punkte wieder zu holen. Dass ausgerechnet Frankfurt jetzt zu Gast ist, macht die Aufgabe natürlich nicht einfacher.

SPORT1: Das große Manko bei Fortuna ist die mangelnde Chancenverwertung. Wie kann das besser werden?

Fink: Gibt es dieses Manko? Wir haben immerhin die zweitbeste Offensive der Liga. Aber es stimmt: Man hat auch mal eine Durststrecke, wo nicht alles klappt, dann fällt wieder eine missglückte Flanke hinten ins Tor rein. Wir müssen einfach konzentriert weiterarbeiten, dann kommt das Glück wieder zurück, das man in einer solchen Phase braucht. Aber bei uns ist jeder heiß darauf, sein Tor zu machen. Da kann man sicher sein.

SPORT1: Das Zauberwort in Düsseldorf heißt "Teamgeist" oder?

Fink: Das stimmt. Bei uns ist eine gewisse Hierarchie im Team, die Jungs sind hungrig auf Erfolg und es ist keiner da, der schlechte Laune verbreitet. Es ist alles sehr homogen. Einer ist für den anderen da und jeder kann seine Meinung sagen. Auch wenn die Routiniers bei uns anerkannt sind ob ihrer Leistungen: Keiner lässt den Chef raushängen. Und vor allem: Bei uns gibt es kein Neid.

SPORT1: Lassen Sie uns noch über etwas Unschönes reden. Frankfurts Trainer Armin Veh hat der Fortuna im Vorfeld des Spiels Schauspielerei und Theatralik vorgeworfen. Besonders Rösler wurde von ihm attackiert. Was sagen Sie dazu?

Fink: Das sehe ich - wie auch die Kollegen im Team - recht gelassen, auch wenn es schon eine Spur zu weit ging. Das ist nicht unsere Mentalität. Klappern gehört sicherlich zum Handwerk und vielleicht versuchte er auch nur, uns ein wenig zu verunsichern. Wir lassen uns davon nicht beeindrucken. Damit bewirkt man bei uns eher das Gegenteil - und ist zusätzliche Motivation. Ich denke, wir werden die Antwort auf dem Platz geben.

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