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Sascha Rösler (l.) absolvierte in seiner Karriere bislang 297 Zweitligaspiele © imago

Nach der hektischen Schlussphase des Spitzenspiels toben die Frankfurter. Die Düsseldorfer kritisieren Eintracht-Coach Veh.

Aus Düsseldorf berichtet Thorsten Langenbahn

Düsseldorf - Fast zeitgleich verschwanden Eintracht-Trainer Armin Veh und Fortuna-Stürmer Sascha Rösler in den Katakomben der Düsseldorfer Esprit-Arena.

Die Nachspielzeit lief noch.

"Scheiße", schrie Veh auf dem Weg in die Kabine wutentbrannt.

Nur zehn Meter entfernt und von zwei Absperrbändern getrennt nahm Rösler die gegenüberliegende Tür, noch voller Adrenalin, den Blick zu Boden gerichtet.

Es war der vorzeitige Abgang zweier Hauptdarsteller in einem Stück, das eine erstklassige Inszenierung bot. Der eine, Veh, war nach Tumulten von der Bank verwiesen worden, der andere, Rösler, nachdem er schimpfend Richtung des Frankfurter Trainers gestürmt war mit Gelb-Rot des Feldes.

"Veh hat die Quittung bekommen"

"Beide haben am Ende ihren Preis bezahlt", meinte Fortuna-Verteidiger Tobias Levels. Veh hatte den Düsseldorfern und speziell Rösler vor dem Spiel Schauspielerei vorgeworfen.

"Ein Trainer, der eine Verantwortung hat, muss sich verbal nicht so äußern", kritisierte Levels. "Er hat die Quittung dafür bekommen."

Die Quittung, das war im Spitzenspiel der Zweiten Liga das 1:1 - per Elfmeter in der Nachspielzeit. Ex-Fortune Bamba Anderson hatte angeblich den eingewechselten Timo Furuholm im Strafraum zu Fall gebracht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Assistent gibt den Hinweis

Schiedsrichter Brych hatte zunächst weiterspielen lassen. Erst auf Hinweis seines Assistenten Jan-Hendrik Salver und kurzer Rücksprache änderte er seine Entscheidung, zeigte mit Verzögerung auf den Punkt.

Jens Langeneke verwandelte (90.+1) und glich so die Führung von Benjamin Köhler (69.) aus.

"Das waren dramatische Szenen zum Schluss. Das passte irgendwie, dass wir noch einen Elfmeter kriegen, worüber sich Armin Veh in den letzten Tagen so aufgeregt hat", sagte Düsseldorfs Torjäger Maximilian Beister zu SPORT1.

Frankfurter toben vor Wut

Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen griff nach Schlusspfiff Düsseldorfs Trainer Norbert Meier an. "Stets beide Hände erhoben, permanent was fordern und auf den Linienrichter einwirken - ununterbrochen von der ersten bis zur letzten Minute", schimpfte Bruchhagen.

"Diese Methode von Herrn Meier hat am Ende Erfolg. Herzlichen Glückwunsch, Fortuna!", sagte der Eintracht-Boss spöttisch. "Sie sollen sich alle hier in Düsseldorf mal hinterfragen", giftete Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner lautstark.

Den Schiri-Assistenten nahm Bruchhagen sogar in Schutz: "Der arme Kerl kann doch auch nichts dazu, wenn einer 90 Minuten auf einen einhämmert. Da hat er dann halt gesagt: Elfmeter. Es ist unfassbar."

Bruchhagen: "Diese Methode greift"

Bruchhagen ergänzte desillusioniert: "Du musst nur permanent auf Menschen einwirken, dann sind sie auch in ihren Entscheidungen beeinflussbar. Diese Methode greift, und sie wird auch weiter greifen", erklärte Bruchhagen.

Es war der elfte Elfmeter für den Spitzenreiter der Zweiten Liga. Bruchhagen glaubt, in den verbleibenden 13 Spielen werden für die Fortuna noch viele dazukommen. Seine Prognose: "20 Elfmeter sind so sicher wie das Amen in der Kirche."

Fortuna-Coach Meier meinte unabhängig von Bruchhagens Kritik: "Das was nach dem Elfmeter passiert ist, brauchen wir nicht. Vorher haben wir ein Fußballspiel auf wirklich gutem Niveau gesehen. Der Rest ist unnötiges Geplänkel."

Kein Kommentar von Brych

Schiedsrichter Brych rauschte nach dem Duschen mit schwarzem Rollkoffer und seinen Assistenten Jan-Hendrik Salver und Marco Achmüller im Schlepptau aus der Arena. Im Eilschritt. Ohne Kommentar.

Für den promovierten Juristen aus München war es die zweite umstrittene Elfmeter-Entscheidung innerhalb von sechs Tagen.

In der Verlängerung des DFB-Pokal-Viertelfinales zwischen Mönchengladbach und Berlin hatte Brych nach einer angeblichen Kopfnuss von Herthas Roman Hubnik gegen Igor de Camargo die Rote Karte und auf den Punkte gezeigt.

Veh boykottiert Pressekonferenz

Düsseldorfs Ersatz-Kapitän Langeneke sagte nach dem Zweitliga-Gipfeltreffen: "Wir sind mit dem Punkt definitiv zufrieden." Und sein Kollege Ranisav Jovanovic wusste: "Der späte Ausgleich war glücklich, aber wenn man die Chancen sieht, ist es gerecht."

Und was sagten Rösler und Veh nach der hitzigen Schlussphase? Die schwiegen. Ausnahmsweise. Veh war sogar so sauer, dass er die Pressekonferenz boykottierte.

Sportdirektor Hübner übernahm die Verteidigung seines Coaches. "Veh wollte exakt auf solche Situationen hinweisen, wie wir sie jetzt wieder gesehen haben", sagte Hübner.

Unterdessen richtete Frankfurts Torschütze Benjamin Köhler den Blick nach vorne: "Ein Sieg wäre wichtig gewesen, aber es geht jetzt weiter. Am Ende wird abgerechnet."

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