Fabian Greve lobt in seiner Kolumne die Moral der "Kiezkicker" nach dem Bochum-Sieg. Matchwinner Schachten nimmt die Tarnkappe ab.

Nein, nicht etwa Marius Ebbers und auch nicht Max Kruse schossen den FC St. Pauli am vergangenen Wochenende zum Sieg.

Einer der Unauffälligen war es: Sebastian Schachten erzielte beide Treffer beim 2:1 Sieg gegen Bochum. Ein Spieler, den man sonst kaum sieht oder wahrnimmt. Und daher verpasste Fabian Boll ihm auch gleich den Spitznamen "Phantom".

Und das Phantom hat laut Boll gegen den VfL "zum Glück zweimal die Tarnkappe abgenommen und getroffen".

Wieder mal einen Rückstand gedreht und wichtige Punkte in diesem unglaublichen Auftsiegsrennen eingesackt. Schachten selbst war der plötzliche Ruhm fast peinlich, mehr als "ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn" und "das war mein erster und vermutlich letzter Doppelpack im Profifußball" war ihm nicht zu entlocken.

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Der Abwehrspieler ist kein Mann der großen Gesten oder Worte. Beim Versuch seiner Freundin nach sechs gemeinsamen Jahren einen Heiratsantrag zu machen, geriet er derart ins Stottern, dass er am Ende glücklich war, ihr überhaupt ein "JA" zu entlocken.

Im letzten Sommerurlaub in Los Angeles hatte er den ersten Versuch abgebrochen, bevor er ihn gestartet hatte. Im Dezember 2011 hat er zumindest soviel über die Lippen bekommen, dass Simone ahnen konnte, was er ihr sagen möchte und zugestimmt hat.

Nach seinen beiden Treffern wünscht sich nun auch Trainer Andre Schubert, dass St. Paulis "Phantom" die Gegner öfter überrascht. Nach der Niederlage in der Vorwoche in Aachen war eine direkte Antwort dringend nötig.

Mit dem Dreier gegen Bochum haben die "Kiezkicker" jetzt ihren Ruf als Stehaufmännchen endgültig weg. Auf alle fünf Saisonniederlagen hat sich das Team sofort mit einem Sieg zurückgemeldet.

Hoffentlich muss St. Pauli diese Qualität nicht mehr oft unter Beweis stellen. Denn in diesem unglaublich spannenden und harten Aufstiegskampf wirft bereits eine einzige Niederlage extrem zurück.

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