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Siegtreffer zum 2:1, dann folgt der Jubel für den Filius. Necat Aygün (l.) grüßt Sohn Lias © getty

Mit dem Sieg gegen Düsseldorf springt 1860 ins Aufstiegsrennen. Dennoch üben sich die Münchner in Understatement.

Von Florian Pertsch

München - Lob ist wichtig im Sport, da besteht kein Zweifel.

Wenn es aber aus der falschen Richtung kommt, respektive mit einem leicht sardonischen Lächeln überbracht wird, dann ist höchste Vorsicht geboten.

So geschehen nach dem 2:1-Erfolg (Spielbericht) der Münchener Löwen gegen Düsseldorf, als Fortuna-Trainer Norbert Meier in der Pressekonferenz eine hinterlistige Einladung in Richtung Reiner Maurer schickte.

"Ich will ja niemanden unnötig unter Druck setzen, doch wir begrüßen ab heute die Sechziger offiziell im Rennen um den Aufstieg", sagte er in Richtung des Löwen-Coach.

"Nur das nächste Spiel im Blick"

Als die Worte ihr Ziel durch den Gehörgang gefunden hatten, war die Überraschung in Maurers Gesicht nicht zu leugnen.

Nach einer kurzen Phase des Sammelns, folgte die wohlüberlegte Replik: "Wir haben eine wirklich hochklassige und aufregende Partie gesehen und sind froh, dass wir oben etwas herangerückt sind. Punkt."

Kein Wort vom Aufstieg, nichts. Stattdessen verwies Maurer auf die nächste Partie bei Union Berlin, welche "nicht minder schwer werden wird, als das heutige Spiel gegen die Fortuna".

Das A-Wort ist kein Thema

Trotz der aktuellen Serie von sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen versteht sich der "Oberlöwe" auf Understatement, und auch seine Spieler schlagen trotz Tabellenplatz sechs (bei einem Spiel weniger) den selben Ton an. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Siegtorschütze Necat Aygün freute sich über die Siegesserie und wollte sich nicht gegen ein Anhalten selbiger wehren. Das Thema Aufstieg scheute er aber, wie der Teufel das Weihwasser.

Ganz anders bei einem ehemaligen Spieler des Münchener Arbeiterklubs. Manni Wagner, Mitglied der Meistermannschaft von 1966, zeigte sich nach dem Sieg gegenüber der "tz" regelrecht euphorisiert:

"Da geht noch was"

"Ein unheimlich spannendes Spiel. Jetzt sind wir wieder dran, sechs Punkte Rückstand auf Platz drei, dazu haben wir noch ein Spiel mehr ? da geht noch was in Sachen Aufstieg."

Normalerweise gehört es sich ja nicht, älteren Menschen mit mehr Lebenserfahrung zu widersprechen, doch in diesem Fall dämpfte Stefan Aigner die aufflammenden Aufstiegshoffnungen des Umfelds umgehend.

Aigner verhängt weiter Maulkorb

"Wir sind bisher gut damit gefahren, dass wir das Wort Aufstieg nicht in den Mund genommen haben", bremste der 24-Jährige die Euphorie. Zu oft enttäuschte 1860 die selbst gesetzten Erwartungen und vergab wiederholt beste Chancen, in die Spitzengruppe aufzurücken.

Damit lag Aigner also ganz auf der Linie seines Chefs, was bei 1860 in anderen Abteilungen ja nicht zwingend zum Tagesgeschäft gehört und überließ Maurer das letzte Wort.

"Jetzt kommt Union, deshalb will ich von unseren Aufstiegschancen gar nicht reden. Der Abstand ist noch zu beträchtlich."

Es bleibt also dabei - Einladung abgelehnt. Vorerst.

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