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Karsten Baumann trainierte bisher Rot-Weiß Erfurt und den VfL Osnabrück © getty

Im SPORT1-Interview spricht Aues Trainer Karsten Baumann über seinen Neustart im Erzgebirge, seine Mission und Otto Rehhagel.

Von Reinhard Franke

München - Sein lausbübisches Grinsen verrät, wie glücklich er ist wieder da zu sein.

Nach fast einem Jahr Pause als Trainer hat Karsten Baumann beim FC Erzgebirge Aue angeheuert (Bericht). Seine Mission: Klassenerhalt.

"Ich bin immer gerne nach Aue gekommen - nur nicht zum Fußballspielen, denn hier war es immer schwer, etwas mitzunehmen. Da will ich mit der Mannschaft wieder hinkommen", sagte Baumann bei seiner Vorstellung.

Nach zuletzt sechs Spielen ohne Sieg ist der Vorsprung der Sachsen auf den Relegationsplatz auf zwei Punkte geschmolzen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beim Ost-Duell am Samstag bei Energie Cottbus (ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) wird der ehemalige Verteidiger des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund sein Debüt auf Aues Bank feiern.

Bei SPORT1 spricht Baumann über seine neue Aufgabe bei den "Veilchen", seine Erinnerungen an Aue, Otto Rehhagel - und er verrät, wie er über Spieler denkt, die mit dem geschassten Trainer Rico Schmitt gerne weitergearbeitet hätten.

SPORT1: Herr Baumann, seit März 2011 waren Sie arbeitslos. Wie kam es zum Engagement in Aue?

Karsten Baumann: Das ging sehr schnell. Am Montag war das Spiel gegen Braunschweig und am Dienstag hat mich Steffen Heidrich (Aues Sportdirektor, Anm. d. Red.) angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte. Das habe ich bejaht und dann habe ich mich sofort ins Auto gesetzt. Es war ein sehr angenehmes Gespräch und wir waren auf einer Wellenlänge, deshalb ging das so schnell.

SPORT1: Sie haben einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben, der sich beim Klassenerhalt um ein Jahr verlängert. Eine schwierige Mission...

Baumann: Es ist sicherlich nicht einfach, aber dennoch sehr reizvoll. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft die Qualität hat, die Liga zu halten. Es ist wichtig, dass man in positives Fahrwasser kommt. Zuletzt hat die Truppe nach Gegentoren immer den Kopf hängenlassen und sich nicht gewehrt. Das wollen wir verbessern.

SPORT1: Letztes Jahr hat Aue lange oben mitgespielt, dieses Jahr heißt es Abstiegskampf. Haben Sie die Entwicklung in Aue immer verfolgt?

Baumann: Ich habe die 2. und 3. Liga immer verfolgt. Aue hatte ich natürlich auch auf dem Plan, weil wir damals mit Osnabrück (mit dem VfL stieg Baumann 2010 auf, Anm. d. Red.) mit Aue zusammen aufgestiegen sind, und da gab es viele Berührungspunkte. Wenn man ehrlich ist, war das, was im letzten Jahr in Aue passiert ist, über dem Leistungsniveau. Aber das, wo sie jetzt stehen, ist unter dem Leistungsniveau. Wir müssen ordentlich Gas geben, vernünftig trainieren, die Köpfe wieder frei kriegen und dann werden wir auch im Mittelfeld landen.

SPORT1: Das hört man irgendwie von jedem neuen Trainer. Was aber wird sich konkret ändern?

Baumann: Wir wollen mehr Stabilität haben. Die Truppe ist eigentlich sehr zweikampfstark. Ich hatte zuletzt aber das Gefühl, dass da viele Einzelkämpfer auf dem Platz standen und wir müssen es hinkriegen, dass da wieder ein Team auf dem Platz steht. Die Jungs sollen mit erhobener Brust spielen.

SPORT1: Hatten Sie eigentlich Angst, dass Sie irgendwann ganz raus sind aus dem Geschäft? Das geht ja schneller, als man denkt.

Baumann: Ich war fast ein Jahr weg. Das war sicher nicht einfach. Ich bin einfach froh, dass es jetzt geklappt hat. Es gibt aber Trainer, die sind noch länger weg und tauchen auf einmal wieder auf.

SPORT1: Otto Rehhagel zum Beispiel.

Baumann: Ich bin wieder da, Otto auch, ich bin quasi Rehhagel light. (lacht) Ich finde es gut, dass er wieder zurück ist. Für die Medien war das perfekt. So, wie er sich präsentiert hat, gehört er noch lange nicht zum alten Eisen. Er wird Erfolg haben.

SPORT1: Wie haben Sie die fußballfreie Zeit genutzt?

Baumann: Ich habe viel Fußball geschaut, habe mich auf dem Laufenden gehalten und Sachen erledigt, die zu Hause liegengeblieben sind. Ich bin einen Marathon gelaufen und mein Sportstudium beendet.

SPORT1: Ein Sportstudium?

Baumann: Das hatte ich schon 2003 angefangen und es lag seit meiner Trainertätigkeit auf Eis. Jetzt habe ich die Diplomarbeit nachgeschoben, wollte das einfach beenden. Es war eine anstrengende Zeit und da wäre es schade gewesen, das einfach verfallen zu lassen. Ich bin einer, der Dinge zu Ende bringt.

SPORT1: Zu Ihrem Einstand geht es nach Cottbus. Einen besseren Einstand kann man sich nicht wünschen, oder?

Baumann: Letztendlich ist es egal, gegen wen wir in der jetzigen Situation spielen. Wir müssen einfach unsere Leistung stabilisieren und mutiger auftreten, dann haben wir eine gute Chance.

SPORT1: Warum so emotionslos? Es ist immerhin ein brisantes Ost-Derby.

Baumann: Ich bin es ja gewohnt. Ich war auch in Erfurt und da gab es auch einige Ost-Derbys. Die haben immer Spaß gemacht.

SPORT1: Nicht so spaßig fanden einige Spieler die Entlassung von Ex-Trainer Rico Schmitt. Sie hätten gerne mit ihm weitergearbeitet. Ist das ein Problem für Sie?

Baumann: Nein. Ich kann das nachvollziehen, dass Spieler einen guten Draht zu meinem Vorgänger hatten. Aber das sind alle Profis, die wissen, dass sie am Wochenende ihre Leistung bringen müssen.

SPORT1: Aue war für Sie immer eine besondere Reise, sagten Sie.

Baumann: Ich bin immer gerne da hingefahren. Die Menschen waren immer freundlich, nur das Fußballspielen hat keinen Spaß gemacht, weil man immer eins auf die Mütze gekriegt hat.

SPORT1: Hätten Sie jedes Angebot angenommen oder waren Sie wählerisch?

Baumann: Ich bin sehr zufrieden, dass ich das Vertrauen von den Verantwortlichen in Aue habe. Dass sie mir die Chance geben, wieder in der 2. Liga zu arbeiten, dafür bin ich dankbar. Das ist das einzige, was zählt.

SPORT1: Warum schafft Aue mit Ihnen den Klassenerhalt?

Baumann: Weil wir gut genug sind und weil sie sich für den richtigen Trainer entschieden haben.

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