Kein weiterer Protest: Hertha endgültig Zweitligist
Berlin - Hertha BSC steht als dritter Absteiger aus der Bundesliga nach dem 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Köln fest.
Die Berliner verzichteten auf einen erneuten Protest gegen die Spielwertung aus dem Relegationsspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2) und zogen nicht vor das Ständige Neutralen Schiedsgericht des DFB.
Damit akzeptierte die Hertha den sechsten Abstieg in ihrer Bundesliga-Historie.
"Diese Entscheidung ist uns sicher nicht leicht gefallen", sagte Herthas Präsident Werner Gegenbauer, "allerdings mussten wir bei den nicht gegebenen Erfolgschancen abwägen, ob ein weiterführendes Verfahren Hertha BSC gedient hätte. Dies ist aus unserer Sicht nicht der Fall. Auch das Meinungsbild auf der Mitgliederversammlung zu diesem Thema war schließlich eindeutig", betonte der Präsident.
Erleichterung in Düsseldorf
Bei Fortuna Düsseldorf machte sich Erleichterung breit. "Es war wichtig, dass nun langsam auch formal der Strich gezogen wurde, alle hatten sich eh schon damit abgefunden", sagte Präsident Peter Frymuth.
Er ergänzte. "Seit zweitinstanzlichem Urteil fühlen wir uns als Bundesligist." Der verpassten Aufstiegsfeier trauerte er ein wenig hinterher. "Das ist schade für alle", sagte Frymuth, "aber beim Klassenerhalt feiern wir den Aufstieg nach."
Keine gute Aussichten
Seit dem Wochenende liegt dem Klub die schriftliche Begründung des Urteils durch das Bundesgericht vor. Hertha studierte das Schriftstück gründlich und ließ sogar eine eine juristische Expertise anfertigen.
"Die Rechtsexperten von Hertha BSC kommen zu dem Schluss, dass ein Einspruch gegen das Urteil vor dem Schiedsgericht formell zulässig, die Erfolgsaussichten jedoch nicht gegeben wären", teilte der Klub mit.
Zuvor hatten sich die Herthaner mit Händen und Füßen am Grünen Tisch gegen den Abstieg gewehrt. Die Berliner bezeichneten die Verhältnisse nach dem Platzsturm zum Ende der Skandalpartie von Düsseldorf als irregulär und legten zweimal gegen die Wertung Einspruch ein.
Mitglieder gegen weiteren Protest
Doch Sport- und Bundesgericht des DFB lehnten die Anträge ab und sahen keine Grundlage für eine Neuansetzung. Daraufhin befragte der Klub seine Mitglieder, die sich gegen eine Fortsetzung des juristischen Kampfes aussprachen.
Mit der Entscheidung weiß die "alte Dame" nun, in welcher Liga sie im nächsten Jahr spielt und hat endlich Planungssicherheit.
Der Ticketverkauf für die neue Saison kann beginnen. Schon am 24. Juni startet der Klub in die Vorbereitung auf die Saison. Der neue Trainer Jos Luhukay bittet um 11.00 Uhr zum ersten Trainings aufs Klubgelände.
Hertha lehnt Vorschlag vom Kontrollausschuss ab
Bislang ungeklärt blieb, welche Strafe der Klub wegen der Verfehlungen beim Skandalspiel sowie bei der Bundesliga-Partie gegen den SC Freiburg erhalten wird. Den Vorschlag des Kontrollausschuss des DFB lehnte Hertha ab und reichte am Sonntagabend dafür auch die Begründung ein.
Demnach sollte der Klub eine Geldstrafe von 50.000 Euro bezahlen und zum ersten Heimspiel der neuen Saison nur 15.000 Karten an eigene Anhänger sowie 5000 Karten an Gästefans verkaufen dürfen.
Manager Michael Preetz bezeichnete dies als "vollkommen unangemessen" und "nicht hinnehmbar".
Klarheit bei Spieler-Strafen
Klarheit herrscht indes bei dem Strafmaß für die Hertha-Spieler, die bei den Tumulten im Relegationsspiel besonders negativ aufgefallen waren. Kapitän Lewan KobiaschVilli erhielt eine Rekordsperre bis zum 31. Dezember 2012. ( BERICHT: Kobiashvili bricht sein Schweigen)
Christian Lell (fünf Spiele), Torwart Thomas Kraft (vier) und Andre Mijatovic (drei) bekamen ebenfalls längere Zwangssperren aufgebrummt. Lell (Ziel unbekannt) und Mijatovic (FC Ingolstadt) verlassen den Klub. ( BERICHT: Sperre und Rauswurf für Lell)
Das unrühmliche Verhalten der Spieler im Relegationsspiel bildete den Höhepunkt einer Spielzeit, die für Hertha nicht katastrophaler hätte verlaufen können. Drei Trainer verschliss der Klub, ehe am Ende der Saison der zweite Abstieg innerhalb von nur zwei Jahren feststand.
Selbst "König Otto" konnte nicht helfen
Auch "König Otto" Rehhagel konnte dies nicht mehr verhindern. Die Bilanz des 73-Jährigen fiel mit drei Siegen in 14 Spielen äußerst bescheiden aus. (DIASHOW: Flops der Saison)
In der Zweiten Liga wird der Etat für die Profis um mehr als die Hälfte gesenkt. Der Klub plant mit einem Spieleretat in Höhe von 13 Millionen Euro statt wie in der abgelaufenen Saison mit 27 Millionen Euro.
Ramos und Raffael als Tafelsilber
Den Klub plagen weiterhin Verbindlichkeiten in Höhe von 34,7 Millionen Euro.
Als Verkaufskandidaten gelten der Brasilianer Raffael und der Kolumbianer Adrian Ramos. Beide Südamerikaner stehen bei einigen Bundesligisten hoch im Kurs und sollen Top-Verdiener der Berliner sein.

