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Herthas Raffael (l.) steht kurz vor einem Wechsel zu Dynamo Kiew © getty

Raffaels wahrscheinlicher Abgang spült Millionen in Herthas Kasse. Für die kommende Saison hat sich der Absteiger gut verstärkt.

Von Christian Stüwe

München ? Die Einkaufliste von Hertha BSC Berlin liest sich durchaus erstklassig.

Peer Kluge, Sami Allagui, Sandro Wagner, Marcel Ndjeng und der junge Israel Ben Sahar reisten mit dem Tross des Absteigers ins Trainingslager nach Stegersbach in Österreich.

Angesichts der Zugänge versucht der ebenfalls neue Trainer Jos Luhukay erst gar nicht tiefzustapeln.

"Nun haben wir die Qualität, die wir brauchen, um aufzusteigen", erklärte der Niederländer.

Der finanziell nicht auf Rosen gebettete Klub verblüffte die Konkurrenz mit den Einkäufen, die allerdings wohl als Vorgriff auf einen prominenten Abgang zu verstehen sind.

Raffael-Wechsel steht bevor

Denn Regisseur Raffael steht unmittelbar vor einem Wechsel zu Dynamo Kiew und könnte es in den Kassen der Hertha richtig klingeln lassen.

Der 27-Jährige verließ das Trainingslager der Berliner im österreichsichen Stegersbach und sollte am Donnerstagmorgen nach Kiew fliegen, um dort den Medizincheck zu absolvieren.

Es wird über eine Ablösesumme zwischen neun und elf Millionen Euro spekuliert.

Die Berliner dürften auch jeden Fall eine Rekordeinnahme verbuchen.

Vor zehn Jahren hatte der FC Bayern München 9,2 Millionen Euro für Sebastian Deisler in die Hauptstadt überwiesen - diese Marke könnte nun gebrochen werden.

Raffael wird geschont

In den letzten Testspielen brachte Luhukay den Brasilianer schon nicht mehr zum Einsatz, um den Transfer nicht durch eine etwaige Verletzung zu gefährden.

"Für ihn liegen konkrete Angebote vor", erklärte Luhukay die Nichtberücksichtigung des Spielmachers.

Dass Raffaels Wechsel in die Ukraine noch platzen könnte, glaubt niemand mehr.

Er freue sich darauf, eine neue Sprache kennenzulernen, ließ Raffael wissen und zog im Trainingslager bereits ein abschließendes Fazit seiner Zeit in der Hauptstadt.

"Ich hatte gute und schlechte Zeiten in Berlin", erklärte er: "Aber die Stadt war gut für meine Familie und mich."

Kraft als Rückhalt

Wie viele Millionen die Hertha letztlich für Raffael einnimmt, dürfte auch vom Verhandlungsgeschick des Managers Michael Preetz abhängen.

Fest steht auf jeden Fall, dass die Raffael-Millionen Preetz und Luhukay helfen, die Mannschaft auf die Anforderungen der Zweiten Liga umzubauen.

Gut möglich, dass sogar noch Spielraum für weitere Transfers entstehen könnte. Obwohl die Hertha auch jetzt schon für Zweitliga-Verhältnisse überdurchschnittlich besetzt ist.

Im Tor steht mit Thomas Kraft der Keeper, der auch schon vergangenen Saison ein Rückhalt der Berliner war ? auch wenn er den Abstieg nicht verhindern konnte und in den ersten Spielen der neuen Saison noch gesperrt sein wird.

Franz wieder fit

In der Innenverteidigung kehrt Maik Franz nach auskuriertem Kreuzbandriss zurück.

Am Dienstagabend stand er im Testspiel gegen den österreichischen Zweitligisten Hartberg (beim Stand von 1:1 wegen Gewitter abgebrochen, Anmerk. d. Red.) erstmals wieder auf dem Platz.

Vor knapp einem Monat hatte "Iron Maik" seinen Vertrag bei der Hertha um zwei Jahre verlängert.

"Ab sofort heißt es für das gesamte Team und auch für mich persönlich, einen Schlussstrich unter die letzte Saison zu ziehen und die Mission Wiederaufstieg konsequent und erfolgreich anzugehen", schrieb Franz anlässlich der Verlängerung auf seiner Homepage.

Mit Tschechiens EM-Spieler Roman Hubnik könnte Franz eine starke Innenverteidigung bilden. Auch wenn die eigentlichen Stärken der Berliner in der Offensive zu liegen scheinen.

Luhukay mehr als zufrieden

Man habe sich "mit drei vollkommen verschiedenen Spielertypen hervorragend verstärkt", sagte Luhukay.

"Zum einen Sami Allagui, ein absolutes Schlitzohr im Strafraum. Dann Sandro Wagner, ein sehr wuchtiger Typ", erklärte Luhukay:

"Und Ben Sahar, der pfeilschnell ist. Alles zusammen glaube ich, dass wir gerade im Offensivbereich sehr variabel - und damit schwer ausrechenbar - für die Konkurrenz aufgestellt sind. Etwas Besseres kann Hertha BSC doch gar nicht passieren."

Keine Angebote für Ramos

Und dazu kommt auch noch Adrian Ramos. Der Kolumbianer erzielte in 93 Erst- und Zweitligaspielen für die Hertha immerhin 31 Tore.

Eigentlich sollte auch Ramos abgeben werden, doch im Moment gibt es keine Angebote für den Stürmer.

Sollte sich daran nichts ändern, müsste der torgefährliche Angreifer wohl in Berlin bleiben.

Ein Luxus, den sich die Hertha mit den Raffael-Millionen vielleicht sogar leisten könnte.

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