Traditionsvereine dürfen träumen
Von Hardy Heuer
München - Vor jeder Saison werden große Hoffnungen geschürt, am Ende bleibt 1860 München der Traum vom Aufstieg aber immer verwehrt.
Seit dem Abstieg 2004 geht das jetzt schon so, nach acht Jahren soll es für den Traditionsverein nun endlich wieder mit dem Sprung ins Oberhaus klappen.
Die Sehnsucht nach der großen Bühne, sie vereint die "Löwen" mit anderen Klubs, die eine ruhmreiche Vergangenheit, aber wenige Highlights in der Gegenwart vorzuweisen haben.
Vor dem Saisonstart am 3. August stellt SPORT1 Traditionsvereine vor, die nach der Rückkehr in die Bundesliga dürsten und im Rennen um den Aufstieg eine wichtige Rolle spielen könnten: (GAMES: Der SPORT1-Zweitliga-Manager)
• TSV 1860 München:
"Unser Traum ist es, am Ende der Saison ein Bundesligist zu sein. Das wäre ein großer Traum", twitterte Verteidiger Guillermo Vallori.
Für dieses Ziel haben sich die Münchner für knapp eine Million Euro punktuell verstärkt.
Mit Moritz Stoppelkamp von Hannover 96 verpflichtete 1860 einen offensiven Mittelfeldspieler, der seine Bundesliga-Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hatte. Auf der linken Abwehrseite soll der ehemalige England-Profi Moritz Volz für mehr Sicherheit sorgen.
Im defensiven Mittelfeld konnten die Münchner gar einen EM-Teilnehmer für sich gewinnen. Der Grieche Grigoris Makos kam in Polen und der Ukraine zweimal zum Einsatz und ist mit 465.000 Euro Ablöse der teuerste Zugang für die neue Saison.
Starkes Duo geht
Allerdings muss der Deutsche Meister von 1966 auch zwei bedeutende Abgänge verkraften. Die beiden Leistungsträger Stefan Aigner und Torjäger Kevin Volland (18 Tore) wechseln in die Bundesliga.
Aigner schließt sich Aufsteiger Eintracht Frankfurt an, der ausgeliehene Volland kehrt zu Hoffenheim zurück.
Trainer Reiner Maurer ist dennoch guter Dinge. Auch wegen den vielen Möglichkeiten, die er mit den variablen Neuzugängen hat, sieht aber die Gefahr dahinter.
"Wenn Spieler mit solchen Qualitäten mal drei Wochen draußen sitzen würden, käme natürlich keine Begeisterung auf", erklärt er.
Die Vorbereitung macht jedenfalls Hoffnung. Mit Siegen gegen die Grasshopper Zürich (2:1) oder MSV Duisburg (4:0) präsentierte sich "Sechzig" bereits in guter Form.
• FC St. Pauli:
In der vergangenen Saison verpassten die Hamburger nur knapp den Relegationsplatz. Gleichauf mit Fortuna Düsseldorf (62 Punkte), aber wegen des um vier Tore schlechteren Torverhältnisses, scheiterten die Kiezkicker am direkten Wiederaufstieg ( DATENCENTER: Der Spielplan 2012/2013).
Damit es diesmal mit der Rückkehr in die Bundesliga klappt, wurde der Kader auf einigen Positionen umgekrempelt. Florian Kringe und Daniel Ginczek kamen von Borussia Dortmund, Lennart Thy von Werder Bremen.
"Ich hoffe, dass wir gut in die Saison starten, denn wir haben ein relativ schwieriges Auftaktprogramm", sagt Innenverteidiger Markus Thorandt.
Der Verlust von 18-Tore-Mann Max Kruse, der nach Freiburg wechselte, wird zwar schwer zu kompensieren sein, doch mit dem 3:1-Sieg im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg setzte St. Pauli schon mal ein kleines Ausrufezeichen.
• MSV Duisburg:
Bereits vier Jahre wartet der MSV Duisburg auf die Rückkehr in die Bundesliga, war aber in dieser Zeit vom Aufstieg weit entfernt.
Mit frischen Kräften könnte in dieser Saison vielleicht der große Coup gelingen. Ranisav Jovanovic hat jedenfalls viel vor. "Ich bin in Duisburg, weil ich was erreichen will", erklärte der aus Düsseldorfer gekommene Stürmer bei seiner Präsentation.
Aufatmen kann der vierfache Pokalfinalist in der Personalie Julian Koch, der nach seiner langwierigen Knieverletzung erneut vom BVB ausgeliehen wurde und wieder zum Team stieß.
Verletzungssorgen beim MSV
Die Vorbereitung lief hingegen bisher bescheiden. Gegen Bayer Leverkusen (1:5) und 1860 München (0:4) gab es deutliche Niederlagen. Die 1:2-Pleite gegen den FC Memmingen war so auch nicht eingeplant.
Die langen Ausfälle von Timo Perthel (Mittelfußbruch) und Jürgen Gjasula (Herzmuskelentzündung) tun ihr übriges.
"Sicherlich war das eine schockierende Nachricht. Er ist unser Spielmacher und hat viele Qualitäten. Der Verlust wiegt schwer, aber man muss das Beste aus der Situation machen", kommentiert Sportdirektor Ivica Grlic bei SPORT1 Gjasulas Probleme.
• Dynamo Dresden:
Der achtfache DDR-Meister fand sich nach dem Aufstieg in die Zweite Liga in der letzten Saison sehr schnell zurecht und belegte einen mehr als passablen neunten Platz.
In der neuen Spielzeit könnten die Sachsen durchaus zur Überraschung werden.
Gleich acht neue Spieler wurden verpflichtet, ohne nur einen Cent Ablöse dafür bezahlen zu müssen. Namhaftester Zugang ist Torhüter Florian Fromlowitz, der ablösefrei aus Duisburg kommt.
Fiel droht die Bank
Kapitän Christian Fiel könnte indes seinen Stammplatz verlieren. "Fiel hat große Erfahrung, ist am Ball topfit. Er trifft viele Entscheidungen für die Mannschaft", erklärte Trainer Ralf Loose der "Bild", schränkte aber auf die Frage, ob der Routinier auch Kapitän bleibt, ein: "Das weiß ich noch nicht."
Ein Ausweis für Qualität, wenn selbst der Kapitän seinen Platz nicht mehr sicher hat. Bemerkenswert: Im Test gegen Englands Meister Manchester City hielt Dynamo ein 0.0.
• Eintracht Braunschweig:
Neben Dresden beeindruckte in der vergangenen Spielzeit auch Eintracht Braunschweig. Der Deutsche Meister von 1967 fand sich nach einer starken Saison als Aufsteiger auf Platz acht wieder und könnte auch in der neuen Spielzeit eine ausgezeichnete Rolle spielen.
Doch wie schwierig das zweite Jahr sein kann, spürten die "Löwen" am eigenen Leib.
In der Saison 2006/2007 ging es nach dem Aufstieg gleich wieder runter in die Regionalliga. Dabei wurden fünf Trainer verschlissen - bis heute Rekord im deutschen Profifußball.
Gute Vorbereitung
Unwahrscheinlich, dass Braunschweig erneut in eine solch prekäre Situation gerät, zumal auch die Vorbereitung gut läuft.
Das 1:1 gegen den FC Valencia kann sich durchaus sehen lassen. Außerdem setzt Trainer Thorsten Lieberknecht im Großen und Ganzen auf die Mannschaft aus dem Vorjahr, ganz nach dem Motto: Never change a winning Team.
• SPORT1-Fazit:
Heiße Anwärter auf den Bundesliga-Aufstieg sind für gewöhnlich die Absteiger. Im Fall von Berlin trifft das auch diese Saison zu, aber bei Kaiserslautern und vor allem Köln gibt es viele Fragezeichen.
Die Chance vor allem für 1860 München und den FC St. Pauli, die von den betrachteten Traditionsvereinen bisher den besten Eindruck machen.
Für eine Überraschung gut ist Dresden. Die Sachsen haben zudem die wohl leidenschaftlichsten Fans im Rücken, müssen aber hoffen, dass die Unverbesserlichen unter den eigenen Fans dem Verein nicht wieder Probleme bereiten.

