Entsetzen statt Euphorie: Verliert Aalen den Trainer?
Berlin - Markus Schupp versteht die Welt nicht mehr.
"Ralph ist eigentlich ein Bär von einem Mann. Das ist deprimierend", sagt der Sportdirektor des Zweitligisten VfR Aalen.
Gemeint ist Aufstiegstrainer Ralph Hasenhüttl, den seit zwei Wochen das Hantavirus außer Gefecht setzt.
So sehr, dass Schupp einen Trainerwechsel nicht mehr ausschließt.
Durch die schwere Erkrankung des Coaches ist die Aufstiegseuphorie in Aalen fast schon wieder verflogen.
Aber auch die beiden Mitaufsteiger Jahn Regensburg und SV Sandhausen haben drei Tage vor Saisonbeginn mit Problemen zu kämpfen.( DATENCENTER: Der Spielplan 2012/2013).
Erkrankung überschattet Vorbereitung
Am schwierigsten ist die Situation jedoch in Aalen. Dort überschattete Hasenhüttls Gesundheitszustand die Vorbereitung.
Der Coach hatte das Testspiel am vergangenen Samstag gegen den spanischen Erstligisten Betis Sevilla (2:2) im Stadion verfolgt und danach fünf Minuten zur Mannschaft gesprochen.
Doch es folgte ein Rückschlag.
"Das war für ihn schon eine solche Anstrengung, dass es ihm danach wieder schlechter ging, er auch Fieber bekam", berichtete Schupp.
"Wir müssen alles überdenken"
Der ehemalige Bundesligaprofi schloss deshalb nicht mehr aus, sich kurzfristig doch nach einem neuen externen Cheftrainer umzuschauen.
"Wir müssen alles überdenken, es steht zu viel auf dem Spiel. Der Verein muss bei jeder Entscheidung an oberster Stelle stehen", sagte der Sportdirektor.
Die Trainersituation belastet auch die Stimmung im Team.
"Ralph hat ein sehr enges Verhältnis zur Mannschaft gepflegt. Da ist klar, dass es einige Spieler emotional mitnimmt", sagte Schupp, der derzeit gemeinsam mit U23-Coach Stefan Ruthenbeck den Co-Trainer Michael Schiele bei der Arbeit mit der Mannschaft unterstützt.
Das ist auch eine Reaktion auf die peinliche 0:5-Pleite im Test gegen den Regionalligisten SG Sonnenhof-Großaspach.
Kurz und Hein fallen aus
Auch bei Jahn Regensburg schauen alle auf den Trainer.
Oscar Corrochano tritt als Nachfolger von Aufstiegscoach Markus Weinzierl, der zum Bundesligisten FC Augsburg wechselte, ein schweres Erbe an.
Der Deutsch-Spanier Corrochano musste zuletzt ein paar schlechte Nachrichten verkraften.
Mittelfeldspieler Thomas Kurz und Oliver Hein fallen beim Saisonstart verletzungsbedingt aus.
Manager wehrt sich
Erschwerend kommt hinzu, dass die versprochenen drei gestandenen Zweitligaprofis noch nicht verpflichtet wurden.
Manager Franz Gerber wehrt sich gegen die Kritik, er habe auf dem Transfermarkt zu zögerlich agiert:
"Ich habe mich nicht verzockt!"
Die Spieler, die man haben wollte, seien aber lieber zu anderen Vereinen mit mehr Geld gegangen.
Da kommt die Zusatzeinnahme durch den Pokal-Hit in der ersten Runde am 20. August gegen Rekordmeister Bayern München gerade recht.
Sandhausen geht bei Test unter
Beim SV Sandhausen haben sie eine Zeit lang von einem Transfercoup geträumt, doch am Ende verpflichtete man Ex-Europameister Angelos Charisteas nicht.
"Charisteas wäre für uns ein Knaller gewesen", sagte Sandhausens Trainer Gerd Dais, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis habe beim griechischen Stürmer und EM-Held von 2004 nicht gestimmt.
So kämpft der Aufsteiger mit einer mehr oder weniger namlosen Mannschaft um den Klassenerhalt.
Bei der Generalprobe ging das Team gegen Betis Sevilla mit 0:4 unter.
"Das war eine deutliche Sache", sagte ein enttäuschter Trainer Dais.

