Luhukay: "Die sollen trainieren bis zum Umfallen"
Von Reinhard Franke
München - Seinen Start hatte er sich wahrlich anders vorgestellt.
Doch die Sorgenfalten auf der Stirn werden bei Jos Luhukay nach der blamablen Auswärtsniederlage beim FSV Frankfurt immer größer.
Der Saisonauftakt verhagelte dem Trainer von Hertha BSC gründlich die Laune.
Kein Wunder, nach dem desaströsen 1:3 am Sonntag beim FSV Frankfurt ( Bericht) steht die "Alte Dame" mit einem Punkt aus zwei Spielen auf dem 15. Tabellenplatz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Hertha-Trainer mit Wutrede
Eine Region, wo sich die Verantwortlichen der Berliner in dieser Saison so gar nicht wiederfinden wollten. Auch Luhukay nicht.
Wie sehr dem Holländer dieser Start in der Hauptstadt zu schaffen macht, bekamen die anwesenden Journalisten nach dem Spiel am Bornheimer Hang zu spüren, oder vielmehr zu hören.
Luhukay gab den Trapattoni light - und wetterte in einer an Giovanni Trapattoni erinnernden Wutrede.
"Arbeiten, arbeiten, fleißig sein, fleißig sein"
"Die Mannschaft muss arbeiten, arbeiten, fleißig sein, fleißig sein. Jeder von euch muss auch acht oder zehn Stunden täglich arbeiten, um am Ende des Monats seinen Lohn zu bekommen", grollte Luhukay.
"Ein Fußballspieler muss eineinhalb oder zwei Stunden trainieren am Tag. Wir werden trainieren bis zum Umfallen, um eine bessere Leistung abrufen zu können."
Das bekamen die Hertha-Profis bereits am Montag zu spüren. Statt zum lockeren Auslaufen bat Luhukay zu einer Trainingseinheit mit Liegestützen und langen Läufen.
Ein Mal richtig in Fahrt, fügte der 49-jährige Coach nach der Pleite mit grimmigem Blick und gesunder Geischtsfarbe hinzu: "Die Spieler haben nicht als Mannschaft auf dem Platz gestanden und hatten nicht die Bereitschaft, läuferisch das Gleiche wie Frankfurt zu investieren. Sie war für mich hilflos."
Luhukay fast wie Trapattoni
Für Luhukay waren die Spieler "nicht mehr bereit, füreinander zu arbeiten. Das waren einzelne Personen, die versucht haben, etwas zu unternehmen, aber es gab nie ein Miteinander oder Füreinander. Das ist katastrophal."
Wütend polterte er weiter: "Zu viele bei Hertha meinen, dass sie groß sind, dass sie Namen, Status oder Stellenwert haben - das werfe ich ab heute in die Mülltonne. Das kann ich nicht haben. Wenn wir höhere Qualität haben, dann sollten wir das auch zeigen. Heute haben wir es fußballerisch, spielerisch geschafft, ein Tor zu machen - das ist ein Armutszeugnis. Der FSV Frankfurt hat drei gemacht und die auch noch gut herausgespielt."
"Das erste Mal seit 20 Jahren"
Luhukay war offenbar vor sich selbst erschrocken über seine Brandrede: "Das war das erste Mal in 20 Jahren, dass ich so laut wurde. Das ist nicht gut für mein Herz."
Luhukay nannte keine Namen, aber es war klar, dass seine Kritik auch auf Adrian Ramos und Ronny zielte. Die beiden Südamerikaner standen in Frankfurt sinnbildlich für den blutleeren Auftritt der Hertha.
Wortloser Abgang der Hertha
Eine Einheit stand da nicht auf dem Platz, einheitlich geschlossen präsentierten sich die Berliner Profis nur beim wortlosen Abgang in die Kabine.
Dort erwartete sie dann ein erboster Luhukay, wie man ihn noch nie vorher gesehen hatte. "Was ich jetzt hier sage, hat die Mannschaft in der Kabine schon knüppeldick abbekommen."
Herthas Torwart Sascha Burchert, der für den gesperrten Thomas Kraft im Tor stand, nahm Luhukay allerdings aus der Kritik. Nach einer Roten Karte wegen Notbremse gegen Burchert (48.) hatten die Hessen den 0:1-Rückstand zur Pause noch in das 3:1 gedreht.
Keine Torwartdiskussion
"Wir brauchen jetzt keine Torwartdiskussion anfangen", so Lukukay, "wer im Tor steht ist mir scheißegal. Wir müssen elf Spieler auf dem Platz haben, die ein Team bilden und die nicht nur sagen 'Wir haben Teamgeist'. Das sollen sie auf dem Platz demonstrieren."
Und: "Ich will eine Mannschaft, die mit Herz und Leidenschaft auf dem Platz Fußball spielt. Dann kommt die individuelle Qualität vielleicht auch zum Tragen. Die sollen trainieren bis zum Umfallen."
Hertha-Manager Michael Preetz lauschte den Worten des Trainers, um es dann - wenn auch besonnener, aber genauso konsterniert - auf den Punkt zu bringen: "Das ist deutlich zu wenig. Bei allem Respekt vor dem FSV Frankfurt: Hier muss man gewinnen", befand er im "kicker".
Tristesse auch in Köln
Das hätten auch die Kölner gemusst gegen Aufsteiger Sandhausen, doch auch in der Domstadt hängt der Haussegen nach nur zwei Spielen schief. Nur ein mickriges Pünktchen steht auch da zu Buche.
Schon herrscht Aschermittwochs-Stimmung. Die "Geißböcke" stehen punktgleich mit den Berlinern im Tabellenkeller. Vorne harmlos, hinten anfällig, wie die Hauptstädter präsentieren sich auch die Kölner.
Einziger Lichtblick in einer verunsicherten Kölner Mannschaft: Mato Jajalo. "Er war sehr engagiert", lobte FC-Coach Holger Stanislawski.
Klatsche gegen Arsenal
Als wäre der Saisonstart für alle Kölner nicht schon schlimm genug, setzte es am Sonntag im Freundschaftsspiel gegen den FC Arsenal auch noch eine Tracht Prügel.
4:0 siegten die "Gunners" und zwei Tore markierte ausgerechnet der frühere Kölner Lukas Podolski bei seiner Heimkehr.
Ein wahrlich ein rabenschwarzes Wochenende für die Absteiger.

