"Luhukays Aussagen sind brandgefährlich"
Liebe Fußball-Freunde,
Es ist kurios. Köln schafft im Heimspiel gegen Sandhausen, das aus einer anderen Fußball-Welt kommt, nur ein 1:1. Und St. Pauli, für mich eine Mannschaft die zu den Favoriten auf den Aufstieg zählt, kommt gegen Ingolstadt nicht über ein 1:1 hinaus.
Köln hat nur einen Punkt auf dem Konto, Pauli zwei. Das ist für beide Teams hart.
Auch Kaiserslautern hatte beim 2:1-Sieg in Aalen Probleme. Die Favoriten hängen also auch nach dem zweiten Spieltag noch immer in den Startlöchern.
Das gilt ganz besonders für Hertha BSC nach dem desolaten Auftritt bei der 1:3-Pleite beim FSV Frankfurt. Jos Luhukay fand anschließend deutliche Worte. Und ich muss sagen: Was er da erzählt hat, ist inhaltlich absolut treffend. Das war authentisch und ich finde das klasse.
Allerdings ist es bei dem Umfeld in Berlin auch brandgefährlich, solche Aussagen öffentlich und nicht intern zu tätigen. Vor allem so früh in der Saison. Denn ich finde, dass man beim 2:2 gegen Paderborn am ersten Spieltag den Hertha-Spielern kaum einen Vorwurf machen konnte.
Jetzt wartet in Berlin das Umfeld auf eine Reaktion. Und zwar dahingehend, dass Luhukay den ein oder anderen Spieler aus der Mannschaft nimmt. Tut er das nicht, dann muss das Team im nächsten Spiel gut auftreten, sonst fällt die Kritik auf Jos zurück.
In Duisburg sieht es nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel ebenfalls nicht gut aus. Ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen beim MSV ruhig bleiben. Trainer Oliver Reck möglicherweise jetzt schon in Frage zu stellen, halte ich für total überzogen.
Denn man sollte nicht vergessen, dass er in der Vergangenheit in einer ganz schwierigen Situation großartige Arbeit geleistet hat.
Und dann bringt sich auch noch der 85-jährige Rudi Gutendorf als Nachfolger ins Gespräch - unfassbar! Ich schätze ihn wirklich sehr, aber er sollte mal mit all seiner Erfahrung überlegen, welche Wirkung so eine Aussage hat.
Einem Kollegen wie Oliver Reck schadet das doch, das finde ich nicht in Ordnung. Rudi Gutendorf war mit Sicherheit mal einer der besten Trainer in Deutschland, aber irgendwann ist von jedem die Zeit mal abgelaufen.
Generell finde ich den Umgang mit den Trainern nicht gut. Ich kenne das ja alles selbst. Wir haben eine Entwicklung dahingehend, dass die Mannschaft und der Vorstand gewinnen und der Trainer verliert. Das müssen wir stoppen.
Ein Beispiel, wie man sich gesund weiterentwickelt ist der Tabellenführer Braunschweig. Was der sportliche Leiter Marc Arnold und Trainer Torsten Lieberknecht da seit ein paar Jahren machen, ist sensationell.
Ich glaube zwar nicht, dass Braunschweig um den Aufstieg mitspielt. Aber ich habe die Hoffnung, dass Traditionsvereine, die so gut geführt werden wie Braunschweig, eines Tages wieder den Sprung in die Bundesliga schaffen.
Euer
Peter Neururer
Peter Neururer analysiert als Experte die Zweite Liga im TV und Internet für SPORT1. Als Trainer arbeitete er u.a. für den 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04, Hannover 96 und den VfL Bochum. Zuletzt trainierte er von 2008 bis 2009 den MSV Duisburg.

