"Ein Sieg allein reicht Hertha nicht"
Liebe Fußball-Freunde,
am meisten überrascht hat mich am Pokal-Wochenende, dass der VfL Bochum nach einem schlechten Saisonstart in der Zweiten Liga mit einem souveränen Sieg gegen den unangenehmen Gegner Heidenheim wieder aufgestanden ist.
Dagegen war das Ergebnis von Hertha BSC eine Bestätigung der Aussagen meiner Kolumne aus der Vorwoche: eine absolute Enttäuschung.
Nach der Brandrede von Jos Luhukay sollte die Mannschaft eigentlich verstanden haben, wie mit schlagbaren Gegnern wie Worms umzugehen ist. Es kann nicht sein, dass man - bei aller Wertschätzung für die Amateure - gegen einen Viertligisten ausscheidet, und das noch verdient.
Jetzt ist ein Sieg im Heimspiel gegen Jahn Regensburg absolute Pflicht. Dabei reicht ein Sieg alleine gar nicht. Es muss ein überzeugender Sieg sein. Ansonsten sehe ich schwarz. Da sind ja auch schon genug Patronen verschossen worden, da bleiben im Colt nicht mehr so viele über. Das wird ein Nonplusultra-Tag für Hertha BSC.
Der Sieg der Kölner war souverän. In Unterhaching muss man in der Findungsphase, in der der FC gerade steckt, nicht unbedingt gewinnen. Auch für die Kölner gilt es allerdings, so schnell wie möglich in der Zweiten Liga anzukommen und mit einem klaren Sieg ein Zeichen zu setzen.
Die Lauterer dagegen sind bereits in der Spur. Dazu haben sie mit Alexander Baumjohann einen Kreativspieler für das Mittelfeld verpflichtet, der der Mannschaft auf dem Weg zum Wiederaufstieg sicherlich weiterhilft. Dafür muss er aber seine Fähigkeiten zu 100 Prozent über 20, 30 Spiele abrufen.
Für den MSV Duisburg war der Pokalsieg in Halle unglaublich wichtig; vor allem für das Selbstwertgefühl und die Bewertung der Arbeit von Trainer Oliver Reck.
Dass er zuletzt in die Kritik geraten ist, ist ja ein Witz schlechthin. Dass er im letzten Jahr die Riesen-Krisensituation beim MSV erfolgreich bestritten hat, sollte ihm normalerweise für die anfänglich schwere Phase genug Kredit geben. Von daher war dieser Sieg in Halle das Wichtigste überhaupt für Olli.
Aber auch in der Meisterschaft muss jetzt so schnell wie möglich ein Sieg her. Denn ansonsten bekommt man in Duisburg leider unruhige Füße.
Dass die Partie Braunschweig gegen Paderborn am kommenden Wochenende ein Spitzenspiel ist, spricht vor allem für die Braunschweiger.
Was Trainer und Manager dort auf die Beine gestellt haben, ist im deutschen Fußball fast ohne Vergleich. Sie entwickeln dadurch aber nicht künstlich eine andere Erwartungshaltung, sondern bleiben auf dem Boden und arbeiten mehr als seriös.
Bei Paderborn stellt sich aber die Frage, ob sie den Weggang von mehreren Leistungsträgern wirklich kompensieren. Wenn dies gelingen sollte, werden sie wieder unter den ersten fünf, sechs Mannschaften sein.
Dass diese Begegnung auch noch in der Rückrunde das Top-Spiel ist, glaube ich nicht unbedingt. Aber ich würde es beiden wünschen.
Euer
Peter Neururer
Peter Neururer analysiert als Experte die Zweite Liga im TV und Internet für SPORT1. Als Trainer arbeitete er u.a. für den 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04, Hannover 96 und den VfL Bochum. Zuletzt trainierte er von 2008 bis 2009 den MSV Duisburg.

