Auf die nächsten 500!
Liebe Fußball-Freunde,
500 Spiele live am Montagabend, wow! Nicht nur an der eigenen Frisur erkennt man, dass die Zeit verfliegt...
Was habe ich nicht alles erlebt bei den rund 200 Spielen, die ich als Moderator und Kommentator verfolgen und begleiten durfte. Es waren nicht nur schöne Ereignisse dabei. Der Montag ist nicht unbedingt der Lieblingsspieltag der Fans, das ist verständlich. Aber viele Fernsehzuschauer wissen ihn extrem zu schätzen!
Ganz zu Beginn meiner Zeit hat mir gleich mal ein Anhänger des KSC mitten ins Gesicht gespuckt, herrlich...Danach habe ich den Mittelfinger in Richtung KSC-Fanblock gezeigt. Das war nicht die beste Idee. Jahrelang wurde ich mit üblen Worten beschimpft.
Das war ja so weit noch in Ordnung, als aber nach einem Montagsspiel, das ich in Karlsruhe kommentiert habe, die Polizei nach der Partie zu mir kam und meinte, ich solle mal lieber mit einigen Beamten das Stadion verlassen, da hatte selbst ich ein mulmiges Gefühl.
Beim FC St. Pauli habe ich während einer Moderation mal einen vollen Bierbecher abbekommen. Nicht schön, aber damit konnte ich umgehen. Die Fernsehzuschauer lieben sowas ja.
Mittlerweile hat sich alles normalisiert und wir bekommen sehr viel positives Feedback. Dieses Montagspiel ist eine absolut etablierte Institution im TV-Fußball. Und womit? Mit Recht!
Als Kommentator erlebt man schon mal ein 5:5 zwischen Cottbus und dem KSC, ein Geisterspiel in Aachen oder auch einen Ermin Melunovic, der mit vier Toren gegen Ahlen Berühmtheit für einen Abend erlangt.
Als Moderator haben mich viele Trainer im Gespräch beeindruckt. Ewald Lienen zum Beispiel, heute ein überragender TV-Experte, war zu Beginn immer extrem misstrauisch. Dennoch verfügte er immer schon über Humor und stellte mich im Winter gerne mal als Weichei hin, da ich doch tatsächlich mit einer warmen Jacke vor ihm stand, während er nur im Hemd durch die Gegend lief. Ich glaube nach wie vor, dass er einen Neoprenanzug drunter hatte.
Hans Meyer war nicht immer einfach, aber stets eine Herausforderung. Gleiches gilt für Typen wie Norbert Meier, Eduard Geyer oder auch Ralf Rangnick. Dann waren da die, mit denen man auch schon mal über andere Dinge als das Spiel plaudern konnte und wollte.
Stanislawski, Peter Maria Neururer oder Armin Veh fallen mir da spontan ein. Die netten Begebenheiten, wenn man auf einem Plastikstuhl unter einer Tribüne hockt und über das Leben an sich philosophiert. Hat nix mit dem Job zu tun, ist aber toll.
Ich habe im Winter schon Hasstiraden in Richtung Fluggesellschaften losgelassen, wollte Flugzeuge auf der Rollbahn verlassen, habe die Deutsche Bahn kennengelernt.
Dennoch habe ich nur ein Spiel am Montagabend verpasst, an dem ich arbeiten sollte. Ich musste von Düsseldorf nach Fürth, im Westen brach der Winter aus und ich habe es ein einziges mal wirklich nicht gepackt. Ich hatte acht Stunden Zeit, es hat nicht funktioniert.
Der etatmäßige Interviewer Sebastian Bernsdorff hat die Sendung moderiert und sich bravourös geschlagen, er war darauf ja gar nicht vorbereitet. Ich kam dann am nächsten Mittag weg..
Es gibt noch viel mehr Geschichten zum Montagabend bei SPORT1, aber das würde den Rahmen hier sprengen.
Auf die nächsten 500 - dann gibt es für uns vielleicht auch wieder ein schönes Trikot als Geschenk, wie es mein Kollege Martin Quast nun von Duisburgs Coach Kosta Runjaic bekam.
Euer
Frank Buschmann
Die Stimme von Frank Buschmann ist jedem Sport-Fan ein Begriff: Egal ob Fußball oder Basketball - Frank Buschmann moderiert bei SPORT1 mit Leib und Seele und Expertise. Zudem kommentiert er auch die großen Shows von Stefan Raab. Im Fußball begleitet er bei SPORT1 jeden Spieltag der Zweiten Liga mit einer Kolumne.

