"Hätte Pauli auch in der Vierten Liga übernommen"
Von Reinhard Franke
München - Der Empfang war so gar nicht nach dem Geschmack von Michael Frontzeck.
Wenige Tage nach seiner Vorstellung als neuer Chefcoach beim FC St. Pauli wurde er und einige Spieler in der Kabine während eines Testspiels gegen Greuther Fürth beklaut.
Es trübt Frontzecks Laune nur bedingt: Der Nachfolger des entlassenen Andre Schubert ist froh wieder im Geschäft zu sein - und dann auch noch beim Kiezklub. Ein Verein, über den der 48-Jährige sagt, dass "ich insgeheim auf St. Pauli gewartet hatte".
Bei seinen bisherigen Stationen Aachen, Bielefeld und Mönchengladbach wudre er immer vorzeitig beurlaubt, das soll ihm in Hamburg nicht wieder passieren ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) (DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)
Vor seinem Pflichtspiel-Debüt am Sonntag in Paderborn spricht Frontzeck bei SPORT1 über seine neue Aufgabe, den Reiz an St. Pauli und seinen neuen Spitznamen.
SPORT1: Herr Frontzeck, wie waren die ersten zwei Wochen im neuen Klub?
Michael Frontzeck: Es war sehr angenehm. In den ersten Tagen geht es darum, die Abläufe, die Mannschaft, das Funktionsteam, aber auch die Mitarbeiter im Verein kennenzulernen. Alle waren bislang sehr behilflich.
SPORT1: Und die Mannschaft?
Frontzeck: Sie hat gut trainiert und war am letzten Dienstag im Testspiel gegen Fürth sehr bemüht, unsere Vorgaben umzusetzen. Der 1:0-Sieg ging am Ende in Ordnung. Ein Erfolg gegen einen Erstligisten ist immer auch gut für den Kopf. Auch das Spiel gegen den SC Wiener Viktoria war mit dem 6:1-Sieg völlig okay. Jetzt können wir uns mit einem guten Gefühl intensiv auf den SC Paderborn vorbereiten.
SPORT1: Sie sagten, dass Sie tief im Inneren auf den FC St. Pauli gewartet haben.
Frontzeck: Wer den Fußball mag, der findet auch den FC St. Pauli sympathisch. Ein Klub, der für Einheit und Geschlossenheit steht, bei dem die Fans wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen, der geprägt ist von Emotionen, Leidenschaft und Herzblut. Das gefällt mir.
SPORT1: Was macht für Sie den besonderen Reiz am Kiez-Klub aus?
Frontzeck: Ich hatte in den letzten Monaten mehrere Angebote, sicherlich waren da auch reizvolle Aufgaben dabei, aber insgeheim habe ich auf St. Pauli gewartet. Es kommt immer auch darauf an, was man für Fantasien mit einem Klub hat und mich hat St. Pauli sofort gereizt. Ich hätte Pauli wohl auch in der Vierten Liga übernommen.
SPORT1: Hatten Sie zwischendurch auch mal Bedenken, dass keine Anfrage mehr kommt und Sie dann ganz raus sind aus dem Geschäft?
Frontzeck: Nein, das hatte ich nicht. Ich war da wirklich sehr entspannt, weil ich nicht den Druck habe, jeden Job machen zu müssen. Ich habe nicht auf heißen Kohlen gesessen. Ich hätte gerne im Sommer eine Mannschaft übernommen, weil es immer gut ist, wenn man die komplette Vorbereitung hat. Aber ich habe auf das Richtige gewartet und das jetzt auch gefunden.
SPORT1: Wenn ein neuer Trainer kommt werden immer viele Einzelgespräche geführt. Was wollen Sie konkret verändern?
Frontzeck: Die Mannschaft hat mit der Leistung gegen Union Berlin schon den richtigen Weg eingeschlagen. Wir müssen versuchen, wieder Stabilität und Kompaktheit in unser Spiel zu bekommen. Darauf werde ich mein Augenmerk legen.
SPORT1: Wie gehen Sie Ihr erstes Spiel gegen Paderborn an und was ist drin?
Frontzeck: Paderborn wird für uns eine Herausforderung. Eine Mannschaft, die sich mittlerweile in der Zweiten Liga etabliert hat, die ansehnlichen Fußball spielt und kompakt steht. Wir wollen den beim Union-Spiel beschrittenen Weg weitergehen, wollen Kompaktheit und Stabilität in unser Spiel bekommen und so in Paderborn erfolgreich sein.
SPORT1: Warum gefällt Ihnen der Name "Frontzecke"? Wollen Sie damit auch Publikumsliebling werden wie einst "Zecke" Neuendorf in Berlin?
Frontzeck: Bei Spitznamen ist es ja so, dass man sie sich so gut wie nie selber gibt. So war es auch mit der Frontzecke. Das ist hier bei St. Pauli aber so eine Art Liebkosung. Daher nehme ich das gerne an.

