Mini-Boateng statt Pezzoni: Hertha setzt auf die Jugend
Von Jakob Gajdzik
München - Die Verstärkung für die Defensive blieb am Ende aus.
Hertha BSC wird zur Partie beim VfL Bochum (Fr., ab 17.45 im LIVE-TICKER) nicht auf die Dienste von Kevin Pezzoni zurückgreifen können.
Der vertragslose Verteidiger und der Hauptstadt-Klub haben sich nach mehrtägigem Probetraining nicht auf eine Zusammenarbeit einigen können.
Der Verein teilte in einer Presseerklärung mit, dass "der Spieler für sich unter den gegebenen Umständen keine genügende sportliche Perspektive" gesehen habe.
"Gesamtpaket hat nicht gepasst"
Pezzonis Vater und Berater Franco sagte gegenüber der "Bild" über den leistungsbezogenen Vertrag: "Kevin wäre sehr gern nach Berlin gewechselt, aber das Gesamtpaket hat leider nicht gepasst."
Einer der Gründe war wohl auch die mangelnde Perspektive Pezzonis, denn passend zum Ende der Länderspielpause scheint sich das Abwehr-Lazarett an der Spree zu lichten.
Neben Kapitän Peter Niemeyer hat sich vor der Partie im Ruhrgebiet überraschend Felix Bastians zurückgemeldet.
Bastians-Rückkehr überrascht
Der Verteidiger konnte nur zwei Wochen nach seinem Außenbandriss wieder mit dem Team trainieren und macht die Reise nach Bochum wohl mit.
"Es ist jetzt wirklich optimal verlaufen, dafür einen großen Dank an die medizinische Abteilung", sagte der gebürtige Bochumer, der aber trotz Tabellenplatz 15 vor seinem Jugendklub warnt.
"Es wartet vor allem ein unangenehmer Gegner! Ich glaube, dass die bisherige Saison des VfL nicht zufriedenstellend verlaufen ist. Aber ist immer schwer, auswärts zu spielen und bei so einer jungen Mannschaft weiß man nie genau, was auf einen zukommt", sagte Bastians.
Brooks als Defensiv-Entdeckung
Zudem setzt Trainer Jos Luhukay mit Youngster John-Anthony Brooks auf einen Youngster in der Defensive.
Der 19-Jährige, der stark an den Ex-Hertha- und jetzigen Bayern-Spieler Jerome Boateng erinnert, steht vor seinem vierten Startelf-Einsatz bei den Berlinern in der Innenverteidigung.
Beim 3:0 gegen 1860 München war Brooks ein wichtiger Faktor in der Abwehr.
Die Berliner fahren zweifellos mit breiter Brust zum VfL.
Erfolgsserie nach Fehlstart
Nachdem das Team nach drei Pflichtspielen noch auf den ersten Pflichtspielsieg wartete und sich blamabel bei Regionalligist Wormatia Worms aus dem DFB-Pokal verabschiedet hatte, ging es nur noch bergauf.
Es folgten fünf Siege und zwei Remis, die den Absteiger auf Platz zwei katapultierten. Nur die bärenstarken Braunschweiger haben mit 23 Punkten fünf mehr auf dem Konto. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Wenn man jetzt ein Resümee zieht, muss man ehrlicherweise von einem holprigen Start sprechen. Wir haben aber in die Spur gefunden", sagte Niemeyer zur bisherigen Saison.
Ein wichtiger Faktor bei der Hertha ist auch Trainer Jos Luhukay, der keine Angst vor Reibung hat und sich mit einem harten Führungsstil Respekt verdient hat.
Luhukay mit harter Linie
Seine Wutrede nach der Niederlage am 2. Spieltag beim FSV Frankfurt (1:3) war nicht die einzige Aktion, mit der er sich seine Profis zur Brust nahm.
In der Länderspielpause machte der Niederländer Sami Allagui und Ben Sahar mehr als deutlich, dass er keine Egoismen im Team duldet.
Allagui wurde im letzten Spiel gegen 1860 München (3:0) zum fünften Mal im sechsten Einsatz ausgewechselt und war darüber mächtig angefressen ("Dafür bin ich nicht gekommen").
Auch darauf hatte Luhukay die passende Antwort:
Watschn für Allagui und Sahar
"Allagui und Ben Sahar spielen momentan nicht, weil ich andere Spieler besser sehe und die die Nase vorn haben. Wir sind im Moment in einer erfolgreichen Phase, es gibt keinen Grund für Änderungen", watschte er die beiden ab.
Sollte die Hertha in Bochum drei weitere Punkte einfahren, hätte der "harte Hund" Luhukay weiter alle Argumente auf seiner Seite.

