Das ist chaotisch im Quadrat
Liebe Fußball-Freunde,
nach der Heimniederlage gegen die Hertha steckt der VfL Bochum ganz tief im Tabellenkeller.
Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass es für den VfL schwierig werden kann, wenn die Situation nicht richtig eingeschätzt wird.
Nach wie vor werden die Leistungen der Mannschaft damit erklärt, dass das Team im Umbruch sei.
Umbruch heißt aber normalerweise, dass ich von alt auf jung umkremple. Aber das ist beim VfL nicht der Fall.
Da laufen großartige Zweitliga-Spieler rum wie Paul Freier, Marcel Maltritz oder Lukas Sinkiewicz - das sind Leute, die für die Nationalmannschaft gespielt haben.
Das sind auch Leute, die von der Altersstruktur her führen können. Dazu kommen mit Alexander Iashvili und Zlatko Dedic weitere gestandene Nationalspieler.
Wenn ich da von Umbruch rede, gerate ich in Schwierigkeiten, weil die Glaubwürdigkeit verloren geht.
Der Verein muss jetzt aufpassen, dass er nicht nur Punkte holt, sondern Wege einschlägt, die für jeden von innerhalb und außerhalb nachvollziehbar sind.
Es geht für Bochum nur darum, die Klasse zu halten. Wenn man das nicht richtig darstellt, bekommt man Schwierigkeiten.
Noch schwieriger ist die Situation beim MSV Duisburg. Die Mannschaft ist von Oliver Reck zusammengestellt worden, der bereits nach dem dritten Spieltag beurlaubt wurde.
Das ist chaotisch im Quadrat.
Wenn eine Entlassung nötig ist - warum auch immer - sollte das vor der Saison passieren, aber nicht nach dem dritten Spieltag.
Wer da im Moment rumwerkelt, sollte sich überlegen, ob er den richtigen Job hat.
Das ist traurig für den MSV, traurig für die Leute, die dort arbeiten und die Fans. Es ist auch traurig für den neuen Trainer Kosta Runjaic, der mit Sicherheit nichts dafür kann.
Aber für beide Vereine ist der Klassenerhalt noch zu schaffen! Der VfL und der MSV sind absolute Traditionsvereine, die normalerweise in die Bundesliga gehören.
Sollte es wirklich zum Abstieg von einem oder gar beiden Klubs kommen, würde der Region ein riesiges Stück Tradition verloren gehen.
Und dann wird es wahnsinnig schwer, wieder ganz nach oben zu kommen. Das kann man bei Rot-Weiss Essen sehen.
Aber hoffen wir, dass sich meine beiden Ex-Vereine noch retten können.
Auf der anderen Seite der Tabelle kommt es am Samstag zum Spitzenspiel zwischen der nach wie vor unbesiegten Eintracht aus Braunschweig und Hertha BSC Berlin.
Die Eintracht ist derzeit so stabil, dass ich der Mannschaft von Trainer Thorsten Lieberknecht zutraue, gegen jeden zu bestehen.
Der Lauf der Braunschweiger kann durchaus noch weiter Bestand haben.
Euer
Peter Neururer
Peter Neururer analysiert als Experte die Zweite Liga im TV und Internet für SPORT1. Als Trainer arbeitete er u.a. für den 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04, Hannover 96 und den VfL Bochum. Zuletzt trainierte er von 2008 bis 2009 den MSV Duisburg.

