Emmerling Kandidat - Neitzel macht Dampf
Bochum/München - So nüchtern und trocken, wie Jens Todt die Gründe für die Entlassung von Trainer Andreas Bergmann offen legte, so leidenschaftlich gab sich dessen Nachfolger Karsten Neitzel.
"Wir können uns natürlich nicht draußen auf dem Platz die Köpfe einschlagen, aber Feuer ist absolut okay", sagte der Interimstrainer des abstiegsgefährdeten VfL Bochum.
Wie lange Neitzel den VfL-Kickern Dampf machen kann, ist allerdings offen. Zwar betonte Sportvorstand Todt, dass er Neitzel für "einen guten Trainer" hält, "der eine eigene Handschrift reinbringen kann".
Doch der Ex-Profi ließ keinen Zweifel daran, dass Bochum "ab sofort auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer ist".
Todt muss sich rechtfertigen
Ein Kandidat für den Job ist nach SPORT1-Informationen der im August bei Drittligist Erfurt entlassene Stefan Emmerling.
Neben dem Ex-Lauterer Marco Kurz soll auch Andre Schubert, kürzlich beim Ligakonkurrenten FC St. Pauli freigestellt, im Rennen sein.
"Es wird nur eine Lösung geben, von der wir alle zu hundert Prozent überzeugt sind", sagte Todt.
Todt musste sich auf der Pressekonferenz am Montagmittag für seine Aussage nach der 1:6-Pleite am Samstagabend bei Erzgebirge Aue rechtfertigen, Bergmann werde auch am Dienstag im DFB-Pokal beim TSV Havelse auf der Bank sitzen ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Das Auftreten der Mannschaft" und die "fehlende Entwicklung" hätten in der anschließenden Analyse die Meinung entscheidend geändert, man wollte "keinen Schnellschuss". Jetzt trägt der bisherige Co-Trainer Neitzel zusammen mit Thomas Reis die Verantwortung.
"Auf die Fresse bekommen"
"Wir müssen das Spiel vom Samstag ad acta legen. Die Mannschaft hat auf die Fresse bekommen", sagte Neitzel und forderte für Dienstag: "Wir müssen das Spiel außen vor lassen, ohne zu vergessen, was da passiert ist."
Für Neitzel, der vor seiner Zeit in Bochum Co-Trainer von Volker Finke in Japan bei den Urawa Red Diamonds war, kann es in Havelse nur ein Ziel geben: "Die nächste Runde zu erreichen. Die Mannschaft weiß, dass Druck auf der Mannschaft und dem Trainerteam ist."
Der 44-Jährige nannte die Reaktion der Mannschaft auf die Pleite in Aue "unfassbar selbstkritisch". In der Kabine war es wohl ziemlich laut geworden, aber es war "konstruktiv und im Bus schon wieder vergessen".
Vorbild Freiburg
Gegen Havelse sollen die Spieler den Willen zeigen, den Kurs des seit Wochen schlingernden VfL wieder "in die richtige Richtung zu rücken", aber laut Neitzel auch mit der nötigen Portion Spaß ins Spiel gehen.
Vor dem Spiel will er mit den Spielern "lockere Gespräche" führen. Neitzel selbst bezeichnet sich als Anhänger des "Freiburger Modells", wo er lange Jahre gearbeitet hat. Soll heißen: Er bevorzugt die spielerische Lösung auf dem Platz.
Bochum hatte am Sonntagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates und des Vorstands die Trennung von Coach Bergmann bekannt gegeben, der seit September 2011 beim VfL auf der Bank gesessen und mit dem Ex-Bundesligisten in der vergangenen Saison den Klassenerhalt im Unterhaus geschafft hatte.

