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Martin Bader kam 2004 von Hertha BSC zum 1. FC Nürnberg © getty

Bei Sport1.de spricht Nürnbergs Sportdirektor Bader über Chancen und Risiken des Jugendstils sowie die Aussichten im Aufstiegskampf.

Von Mathias Frohnapfel

München/Nürnberg - Im Moment ist der 1. FC Nürnberg noch weit entfernt vom erklärten Ziel.

Die Franken sind Tabellenachter der Zweiten Liga, doch die "Clubberer" wollen unbedingt zurück in die Bundesliga (DATENCENTER: Der Zweitliga-Spielplan).

Die erste Grundlage dafür steht immerhin: In 18 Partien kassierten die Franken nur 17 Gegentreffer.

Die "jungen Wilden" um Dominic Maroh und Pascal Bieler sind mitverantwortlich, dass das Abwehrbollwerk hält.

Sport1.de hat mit FCN-Sportdirektor Martin Bader über den Umgang mit den Talenten, das Aufstiegrennen und fehlende Kaltschnäuzigkeit gesprochen.

Sport1.de: Herr Bader, wo steht der Club nach dem Rückrundenauftakt und dem 0:0 gegen den FC Augsburg?

Martin Bader: Es ist ja immer ganz schwierig, wenn man aus einer sechswöchigen Vorbereitung kommt und gegen eine Mannschaft antritt, die gestanden ist, die gute Spieler hat. Wenn man dann so besteht, können die Jungs gut in die lange Woche gehen bis zum Spiel gegen Lautern am Montag und das als Erfolg abbuchen.

Sport1.de: Wie steht es mit der Kaltschnäuzigkeit vorm Tor? Auch gegen Augsburg konnte Ihr Team die Feldüberlegenheit nicht in Tore ummünzen.

Bader: Die Mannschaft steht gut. Natürlich müssen wir aber an der Durchschlagskraft nach vorne arbeiten. Das geht jedoch nicht auf Knopfdruck.

Sport1.de: Talente wie Dominic Maroh, Pascal Bieler, Mike Frantz und Juri Judt haben sich immer mehr Einsatzzeit erarbeitet. Die Medien thematisieren nur allzu gerne den neuen Jugendstil beim Club. Aus Ihrer Sicht zu sehr?

Bader: Das ist ein schönes Thema für die Öffentlichkeit. Für uns wissen wir, dass wir nur eine gute Saison spielen können, wenn Leistungsträger wie Peer Kluge, Marek Mintal, Raphael Schäfer und Javier Pinola eine gute Saison spielen. Das sind für uns die Säulen.

Sport1.de: Und die Jungen?

Bader: Nur mit Jungen wirst du nicht so erfolgreich spielen. Deshalb ist mir der Hype um die Jungs immer zu viel gewesen. Wie gesagt Kluge, Mintal und Pinola sind die Leistungsträger. Wenn die gesund bleiben, ist mir nicht bange.

Sport1.de: Wie bewerten Sie den ersten Auftritt Ihres Neuzugangs Dennis Diekmeier von Werder Bremen?

Bader: Er musste ja Mitte der zweiten Halbzeit raus, zu einem Zeitpunkt, als er so langsam ins Spiel gefunden hatte. Wir haben immer gewusst, dass bei einem 19-Jährigen nicht die Bäume in den Himmel wachsen. Aber wir haben ihn wegen der Art und Weise seine Vorstöße geholt. Ich bin froh, dass wir mit Dominik Reinhart und Juri Judt auf der Position auch Alternativen haben. Dennis wird seine Zeit bekommen. Jedoch ist es ein Zeichen für seine Qualität und seine Persönlichkeit, dass er sich in der kurzen Zeit so gut integriert hat.

Sport1.de: Die Verantwortlichen des TSV 1860 München haben manche ihrer Jungprofis bewusst etwas aus der Öffentlichkeit rausgenommen. Könnte das beim Club auch passieren?

Bader: Natürlich versuchen wir das Normalmaß zu halten. Wenn die ein oder andere Geschichte um die Jungs passiert, habe ich kein Problem damit. Aber es muss realistisch eingeschätzt, dass der 1. FC Nürnberg nicht aus drei oder aus U19-Spielern besteht, sondern aus gestandenen Spielern, die für uns vor der Saison das Gerippe waren und jetzt auch für die Rückrunde sehr wichtig sind.

Sport1.de: Was planen Sie also?

Bader: Wir werden die Jungen nicht aus der Öffentlichkeit rausnehmen, aber wir werden den ein oder anderen auf das Normalmaß zurückstutzen. Sie haben noch nicht so viel auf dem Zettel, wie die anderen.

Sport1.de: Der FCN hat ein schweres Auftaktprogramm mit Augsburg, Kaiserslautern und Aachen. Welche Bedeutung hat ein guter Start?

Bader: Natürlich ist der Start in die Rückrunde wichtig. Wenn man sich allerdings die Historie anschaut, muss man bis zum 30., 31. Spieltag den langen Atem haben und dann vorne dran sein. Bis dahin müssen wir die Punkte sammeln, um ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können. Dass es ein längerer Weg wird, weiß ich.

Sport1.de: Wen sehen Sie noch als Aufstiegskonkurrenten außer Freiburg, Fürth und Mainz, die momentan auf den ersten drei Plätzen stehen?

Bader: Wir sind so realistisch, dass die sieben, die vor uns stehen, alle eine Berechtigung haben. Denn sonst würden sie nicht vor uns stehen. Es ist schwierig genug, die vier noch abzufangen. Ich schätze auch die Augsburger stark und stabil genug ein, dass sie die Möglichkeit haben, lange oben mit dabei zu sein. Für uns wäre es schön, wenn wir das Ding bis zum Schluss offen halten könnten.

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