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Miroslav Stevic absolvierte von 1994 bis 1998 104 Pflichtspiele für die "Löwen" © getty

Bei Sport1.de spricht der neue "Löwen"-Sportdirektor Miroslav Stevic über seine Zukunftspläne und die Inthronisierung bei 1860.

Von Tobias Schröter

München - Er ist der neue starke Mann bei den schwächelnden "Löwen".

Miroslav "Mikki" Stevic übernahm am Dienstag als Nachfolger von Stefan Reuter die sportliche Leitung beim TSV 1860 München ("Löwen" werfen Reuter raus) .

Seine Amtsübernahme hatte jedoch einen Beigeschmack:

Weit mehr als seine Sportmanagement-Fähigkeiten - Stevic arbeitete bisher eher als Spielerberater - benötigten die Sechziger wohl die Finanzspritze, die der Serbe durch einen finanzstarken Investor als Mitgift einbrachte (EINWURF: Löwen am Gängelband).

Im Gespräch mit Sport1.de rechtfertigt der Ex-Bundesligaspieler die Umstände seiner Inthronisierung.

Außerdem spricht Stevic über seine langfristigen Ziele für den Traditionsklub, sein Verhältnis zum entlassenen Reuter und seinen Eindruck von Coach Marco Kurz, der vor dem Spiel am Sonntag in Mainz mächtig unter Druck steht.

Sport1.de: Wie genau ist Ihre Amtsübernahme bei 1860 München zustande gekommen?

Miroslav Stevic: Einen ersten Kontakt gab es schon mit dem alten Präsidium. Damals hat es jedoch nicht geklappt. Nach der schlechten Phase am Ende des Jahres bin ich über meinen Kontakt zu einer Investorengruppe, die ich zuvor mit meinem sportlichen Konzept überzeugen konnte, erneut mit dem Verein und den neuen Verantwortlichen ins Gespräch gekommen. Auch die waren überzeugt von meiner Vision und hatten somit einen Plan B, falls es weiter nicht so laufen sollte, wie sie es sich vorstellen. Als Führung musst du ja irgendwann reagieren und etwas bewegen.

Sport1.de: Hat der neue Investor Sie als Sportdirektor verlangt oder nur empfohlen?

Stevic: Ich sage es einmal so: Wenn ich jemandem Geld gebe, dann möchte ich wissen, was damit passiert. Das will jeder, selbst der reichste Mensch der Welt. Und sicher werde ich mein Geld eher einer Person geben, von der ich überzeugt bin, dass sie es gut verwaltet. Wenn dann noch dazu kommt, dass der Geldgeber auch sportlich überzeugt ist - was ja eigentlich nicht sein Gebiet ist - dann finde ich es berechtigt, den Wunsch zu äußern, dass dieser Posten auch von seiner Vertrauensperson besetzt wird.

Sport1.de: Was sind ihre Ziele bis zum Ende der Rückrunde?

Stevic: Wir denken zunächst von Spiel zu Spiel, wollen die nächste Partie in Mainz natürlich gewinnen. Man hat gesehen, dass diese Liga sehr schnelllebig und mit einer Serie alles möglich ist. 1860 hat das in der Hinrunde leider in beide Richtungen gezeigt. Wenn wir dann nach einigen Partien besser da stehen, können wir uns bedeutendere Ziele setzen. Im Moment ist so etwas jedoch unrealistisch. Wir befinden uns in einer ernsten Lage, haben nur fünf Punkte Vorsprung auf einen Relegationsplatz. Da wäre es frech, in dieser Situation über das Thema Aufstieg zu sprechen.

Sport1.de: Was sind die Eckpfeiler ihres Konzepts, mit dem sie die TSV-Verantwortlichen überzeugt haben?

Stevic: Sechzig benötigt so schnell wie möglich den Aufstieg, um eigenständig zu sein und frische Luft zu atmen. Im Moment sind wir praktisch an einen Beatmungsschlauch angeschlossen, der von anderen ständig rausgenommen und wieder eingeführt wird. Deswegen müssen wir so schnell wie möglich in die Bundesliga zurück, um eigenständig atmen zu können und wirtschaftlich besser da zu stehen. Zu diesem Zweck werden wir die Jugendarbeit weiter verstärken, denn das ist die Basis für eine gesunde Zukunft von Sechzig. Und wir werden dafür kämpfen, dass wir selber bestimmen können, ob und wann wir zum Beispiel unsere guten jungen Spieler abgeben oder nicht abgeben.

Sport1.de: Wie ist es aus ihrer Sicht dazu gekommen, das sich 1860 in dieser Lage befindet?

Stevic: Es ist nicht meine Denkweise und Philosophie, über die Zeit meiner Vorgänger zu sprechen. Da verliere ich zuviel Kraft, wenn ich mit damit beschäftige. Ich muss mich auf den jetzigen Zustand konzentrieren, was ich tun kann und soll, damit es besser wird. Momentan ist das nämlich nicht das wahre Gesicht von 1860. Ich werde alles dafür geben, dass wir uns in allen Bereichen verbessern - gemeinsam mit dem ganzen Verein vom Masseur bis zum Präsidenten, denn allein wird man nie etwas schaffen.

Sport1.de: Wie ist Ihr Verhältnis zu Stefan Reuter?

Stevic: Wir kennen uns sehr lange. Ich habe nie ein Problem mit Stefan gehabt und hoffe, dass es andersherum genau so ist.

Sport1.de: Und zu Marco Kurz - schließlich wird schon offen über seine Nachfolger diskutiert?

Stevic: Ich schätze Marco Kurz sehr als Mensch, ich kenne ihn aus unserer gemeinsamen Fußballzeit. Aus dem jetzigen Blickwinkel ist es schwer zu beurteilen, wie er bisher gearbeitet hat, weil ich nicht die Möglichkeit hatte, ihn im Tagesgeschäft zu beobachten. Ich werde deshalb erst mein Urteil abgeben, wenn ich das selbst gesehen habe und weiß, ob die Eigenschaften da sind, die wir jetzt bei 1860 brauchen.

Sport1.de: Uli Hoeneß hat den Einstieg von Ihnen und des Investors bei 1860 hart kritisiert. Was sagen Sie dazu?

Stevic: Solche Aussagen von Uli Hoeneß sind ja nichts Neues. Die Zukunft wird zeigen, ob er recht hat oder nicht. Und: Ich werde Hoeneß irgendwann widerlegen.

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