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Dominick Kumbela (vorne) spielte 2008 schon mal für Eintracht Braunschweig © imago

Vor dem Spiel beim 1. FC Köln spricht Braunschweigs Toptorjäger Dominick Kumbela bei SPORT1 über den Höhenflug der Eintracht.

Von Reinhard Franke

München - Dominick Kumbela leistete sich in seiner Karriere schon so manchen Fehltritt.

Und er stand schon das eine oder andere Mal am Abgrund. Bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern, Rot-Weiß Erfurt und Rot-Weiß Ahlen wurde ihm wegen diverser Verfehlungen gar gekündigt.

Heute aber ist der 28-Jährige geläutert und hat aus den Fehlern gelernt. Im zweiten Anlauf schaffte er schließlich den Durchbruch bei Eintracht Braunschweig. ( 35464 DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige )

Mit seinen acht Toren in der Hinrunde hat Kumbela großen Anteil an der Herbstmeisterschaft seiner "Löwen". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Spiel beim 1. FC Köln (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) spricht Kumbela im SPORT1-Interview über den Höhenflug der Eintracht, den Lockruf der Bundesliga - und dankt Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht für die zweite Chance.

SPORT1: Herr Kumbela, ist der Herbstmeister-Titel ein vorweggenommenes Weihnachtsgeschenk?

Dominick Kumbela: Mit Sicherheit. Ich war noch nie Herbstmeister, ich weiß auch nicht, ob Eintracht das jemals vorher geschafft hat. Es ist jedenfalls der Lohn für unsere Leistung auf dem Platz. Wir stehen da oben, weil wir aus dem Vorjahr gelernt haben und jetzt einiges besser machen, um jedes Spiel zu gewinnen.

SPORT1: Was konkret?

Kumbela: Wir sind als Mannschaft kompakter geworden und verbessern uns taktisch von Woche zu Woche. Wir versuchen noch mehr unsere Fehler abzustellen und unser Offensivspiel zu verbessern. Defensiv stehen wir ja gut, die gesamte Mannschaft ist in sich gewachsen und stärker geworden. Der Trainer sagt uns immer, was wir besser machen können.

SPORT1: Ist Torsten Lieberknecht der Vater des Erfolgs?

Kumbela: Auf jeden Fall. Er ist ein Glück für den Klub, kann gut mit jungen Spielern umgehen und hat auch das Auge für talentierte Jungs, die er weiterbringen kann. Er ist auch für mich unheimlich wichtig, gibt mir immer Selbstvertrauen und hat mir zudem die Chance gegeben bei der Eintracht einen zweiten Anlauf zu nehmen. Ich versuche natürlich das mir entgegengebrachte Vertrauen des Trainers zurückzuzahlen. Torsten Lieberknecht tut jedem Spieler in der Mannschaft gut. Egal, ob einer weniger spielt oder gar nicht im Kader steht.

SPORT1: Sie sprechen es an. Es ist Ihr zweiter Anlauf bei Eintracht Braunschweig. Plötzlich ziert Ihr Name die Headlines wie zuletzt "Kumbela führt Eintracht zum Sieg". Was macht Sie plötzlich so stark?

Kumbela: Ich lese auch "Kumbela hier, Kumbela dort", aber hinter Kumbela ist immer eine Mannschaft oder der Spieler, der den Pass auf mich gespielt hat. Meine Aufgabe ist es die Bälle reinzumachen, aber wichtiger ist, dass die Dinger überhaupt kommen. Ein Tor ist niemals die Sache von einem Spieler. Ich bin jetzt fokussiert auf den Verein, auf meine Aufgabe und auf das, was wir erreichen wollen. Und ich will noch mehr erreichen. Es läuft wirklich gut für mich, ich fühle mich wohl im Klub und in Braunschweig. Die Geschichte der Eintracht ist jetzt auch meine Geschichte. Ich identifiziere mich komplett mit der Philosophie des Vereins. Die Truppe passt zu mir und der Trainer sowieso. (lacht)

SPORT1: In Ihrer Karriere lief es aber nicht immer so gut wie jetzt. Sie sorgten oft für Negativschlagzeilen. Haben Sie aus Ihren Fehlern gelernt?

Kumbela: Ich habe früher nicht wie ein richtiger Profi gelebt, habe viele Fehler gemacht. Und ich habe daraus gelernt, weil ich immer wusste, dass ich etwas kann. Heute bin ich älter und man weiß ja, dass man nicht bis 40 als Profi leben kann. Was man in dem Geschäft erreichen kann, ist gut für die Zukunft. Als ich wieder zur Eintracht kam, da hat es klick gemacht und ich war wie verwandelt. Von da an habe ich mich nur auf den Sport konzentriert.

SPORT1: Sie haben bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern gespielt, bei Rot-Weiß Erfurt, beim SC Paderborn, Rot-Weiß Ahlen und nun zum zweiten Mal in Braunschweig. Träumen Sie jetzt vom großen Karrieresprung Bundesliga? Ihr Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Beste Karten also im Vertragspoker?

Kumbela: Natürlich will ich in die Bundesliga. Vielleicht klappt es ja mit der Eintracht. Daher werde ich versuchen, weiter so zu treffen, wie in den letzten Spielen. Jeder Junge träumt von der Bundesliga und wir werden sehen, was noch kommt.

SPORT1: Am Abend geht es nach Köln. Da wollen Sie sicher wieder treffen?

Kumbela: Na klar. Auch da können wir gewinnen, wenn wir an die Leistungen aus den letzten Spielen anknüpfen, ohne nachlässig zu werden. Wir dürfen nicht denken, dass wir da sicher gewinnen werden. Wir müssen noch einen Tick mehr machen als zuletzt beim 2:1 in Frankfurt oder beim 1:0 gegen St. Pauli. Wir müssen kompakt stehen und unsere Chancen noch besser zu nutzen.

SPORT1: Der FCK hat verloren, die Eintracht könnte den Vorsprung auf Platz drei also ausbauen.

Kumbela: Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich nicht auf die Tabelle schaue. Durch die überraschende Niederlage des FCK können wir mit einem Sieg einen guten Sprung nach vorne machen. Ich freue mich auf Köln. Ich habe noch nie in diesem Stadion gespielt, das wird ein Granaten-Spiel werden.