SPORT1-Experte Peter Neururer versteht FC-Coach Stanislawski nicht. In seiner Jahresbilanz verneigt er sich vor dem Wintermeister.

Hallo Fußball-Freunde,

meine Jahres-Bilanz zur Zweiten Liga starte ich ganz oben, mit den Top drei.

Mit Hertha BSC und Kaiserslautern stehen zwei Teams vorn, mit denen auch hundertprozentig zu rechnen war.

Allerdings halte ich den Abstand von Lautern zu den direkten Aufstiegsplätzen für viel zu groß - besonders im Hinblick auf die Erwartungshaltung, die in der Pfalz vorherrscht.

Was allerdings die Braunschweiger bislang zeigen, ist einfach sensationell. Ich hatte ihnen zwar zugetraut, dass sie an die Spitze heranrücken. Aber die Tabellenführung zu erobern, verdientermaßen und auf so gigantische Art und Weise, das ist einzigartig. Das haben sie selber auch nicht erwartet.

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Mich begeistert neben der Arbeit der Mannschaft und des Trainers vor allem Eintracht-Manager Marc Arnold. Wie er es schafft, in einem unheimlich unruhigen Umfeld für Ruhe und sportliche Erfolge zu sorgen, ist einfach nur beindruckend.

Und so, wie sie diesen wahnsinnigen Erfolg auch noch verkaufen, kann nichts Schlechtes dabei herauskommen.

Ich persönlich gehe vom Aufstieg der Braunschweiger aus, weil sich jeder in der Mannschaft einbringt und nur das macht, was er kann. Aber selbst wenn sie in der Relegation scheitern, wird niemals Enttäuschung aufkommen. Für diese Mannschaft gibt es in dieser Saison kein Scheitern, egal, wo sie am Ende in der Tabelle landen.

Die Kölner hingegen haben erst zum Ende des Jahres ihre spielerische Linie entdeckt. Was ich allerdings nicht verstehe, sind die permanenten Wechsel in der Aufstellung. Die verhindern eine Linie und sind für das Zusammenwachsen zu einer großen Mannschaft sicherlich nicht förderlich.

Als die Kölner Verantwortlichen zu Saisonbeginn erklärt haben, ein Aufstieg wäre kein Muss, haben sie ihren Spielern ein Alibi gegeben. Ein Team mit solch einem Kader, mit erfahrenen Spielern wie Kevin McKenna, muss immer den Anspruch Bundesliga haben. Alles andere kann man den Fans nicht verkaufen.

Eine Mannschaft, die ich schon vor Beginn der Saison für spielstark eingeschätzt habe, ist Aufsteiger Aalen. Was sie aber aktuell abliefern, mit Platz fünf in der Liga, ist der Wahnsinn, einfach Wahnsinn. Mit ihrer Stabilität werden sie sicherlich in der Zweiten Liga bleiben, können frühzeitig für die neue Saison planen.

Und wer weiß, vielleicht machen sie dieselbe gute Entwicklung wie die Braunschweiger.

Unten im Tabellenkeller sind die Verhältnisse ziemlich klar. Regensburg und Sandhausen waren von Beginn an Teams, die als Kandidaten im Kampf gegen den Abstieg galten.

Bei Dynamo Dresden muss ich mir an die eigene Nase fassen, ich habe die Mannschaft total falsch eingeschätzt. Ich dachte, Dynamo wird zu den Teams gehören, die an die Spitze heranrücken.

Dresden gehört für mich zu den großen Enttäuschungen bislang, das absolute Gegenteil von Eintracht Braunschweig. Es fehlt an Kontinuität und Ruhe.

Mehr als traurig ist die Situation bei Duisburg und Bochum. In den letzten Spielen 2012 haben sie sich punktetechnisch etwas erholt. Aber auch die Bochumer konnten ihre eigenen Vorgaben nicht erfüllen, ganz im Gegenteil. Plötzlich stecken sie im Abstiegskampf.

Sie haben ihr Führungsprofil total überschätzt, dafür die Liga total unterschätzt. Sie können froh sein, wenn sie in dieser Saison die Klasse halten.

Und auch die Duisburger haben sich komplett falsch eingeschätzt. Vor drei Jahren im Pokalendspiel und - berechtigterweise - viel Geld verdient, aber dann die Trainerwechsel, immer zum falschen Zeitpunkt. Da verwundert es nicht, dass sie in der Öffentlichkeit die Glaubwürdigkeit verlieren und die Mannschaft verunsichert ist.

Bei diesen beiden Vereinen muss sich schleunigst etwas ändern.

Euer Peter Neururer

Peter Neururer analysiert als Experte die Zweite Liga im TV und Internet für SPORT1. Als Trainer arbeitete er u.a. für den 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04, Hannover 96 und den VfL Bochum. Zuletzt trainierte er von 2008 bis 2009 den MSV Duisburg.

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