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Peter Pacult begann seine Karriere als Trainer 1996 bei 1860 München © getty

Auf Dresdens Coach wartet viel Arbeit. Offensiv und defensiv ist sein Team mäßig. Nun werden "eingefahrene Wege" aufgebrochen.

Dresden/Berlin - Bei seiner offiziellen Vorstellung präsentierte sich der "harte Hund" Peter Pacult fast schon lammfromm.

Keine Drohungen an die Spieler, keine Forderungen nach Verstärkungen, keine Wortgefechte mit Journalisten. (BERICHT: Pacult soll Dynamo retten)

Selbst den Fans reichte der neue Trainer des abstiegsgefährdeten Zweitligisten Dynamo Dresden am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit die Hand: In einer Gesprächsrunde will er Vorbehalte gegen seine Person ausräumen.

Doch auch ohne den Segen der Anhänger wird der Österreicher wohl bleiben, wie er ist: direkt, kompromisslos und hart.

Direkt, kompromisslos und hart

"Ich bin mir sicher, dass die Dynamo-Fans Erfolg sehen wollen, ob jemand nun sympathisch ist oder nicht", sagte Pacult.

Einen Tag zuvor war verkündet worden, dass der 53-Jährige als Nachfolger des entlassenen Ralf Loose den achtmaligen DDR-Oberliga-Meister vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahren soll. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es ist eine schwierige Aufgabe, aber das Potenzial ist für den Klassenerhalt da. Ansonsten hätte ich die Aufgabe auch nicht übernommen", sagte Pacult, der ab dem Trainingsstart am 3. Januar viel Arbeit auf sich zukommen sieht:

"Man muss sich nur das Torverhältnis anschauen. Wir haben zu viele Gegentore kassiert und zu wenige Tore selbst geschossen. Beides müssen wir abstellen."

"Eingefahrene Wege aufbrechen"

Helfen soll dabei Pacults autoritärer Führungsstil.

Er habe bewusst jemanden gesucht, der ein konträrer Trainertyp zu Loose sei, verriet Dynamos Sportlicher Leiter Steffen Menze:

"Wir müssen eingefahrene Wege aufbrechen, die Ansprache soll sich verändern."

Ein unrühmlicher Abschied

Mit dem Ziel Klassenerhalt war Pacult bereits bei seiner ersten Amtszeit in Dresden im Dezember 2005 angetreten - und gescheitert.

Noch bemerkenswerter ist sein Comeback bei Dynamo allerdings vor dem Hintergrund seines unrühmlichen Abschieds ein paar Monate später:

Als Regionalliga-Spitzenreiter kündigte Pacult mitten in der Saison seinen Wechsel zum Heimatklub Rapid Wien an.

Pacult zahlt Ablöse selbst

Die Ablösesumme von geschätzten 50.000 Euro soll er aus eigener Tasche gezahlt haben.

Dynamo traf die Entscheidung damals völlig unvorbereitet, in der Folgezeit stürzte der Klub in der Tabelle ab.

Von den früheren Klubverantwortlichen ist keiner mehr im Amt, ansonsten wäre eine Rückkehr wohl auch nicht möglich gewesen.

"Kurz und schmerzlos"

Zudem musste sich der Trainer zunächst mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz über die Auflösung seines Vertrages bei RB Leipzig einigen.

Bei den vom Getränkekonzern finanzierten Sachsen war er nach dem verpassten Aufstieg in die 3. Liga im Sommer beurlaubt worden.

"Kurz und schmerzlos und für beide Seiten positiv" seien die Gespräche zur Vertragsauflösung verlaufen, berichtete Pacult. Bei Dynamo unterschrieb der frühere Stürmer einen Kontrakt bis Ende Juni 2014.

Sein Ruf als schwieriger Charakter habe ihn schon den ein oder anderen Job gekostet, ist sich Pacult sicher: "Wenn du vielleicht ein bisschen aneckst, oder wenn du ein bisschen reinstichst, dann bist du halt nicht im Topf." Bei Dynamo aber haben sie genau so einen Typen gesucht.