vergrößernverkleinern
Peter Pacult wurde 2008 mit Rapid Wien österreichischer Meister © getty

Dresdens neuer Trainer Peter Pacult spricht bei SPORT1 über seinen Neustart bei Dynamo und tritt gegen seinen Ex-Boss nach.

Von Reinhard Franke

München - Er gilt als "harter Hund".

Doch dieser Titel ist Peter Pacult alles andere als recht.

Dennoch dürften den gebürtigen Wiener die Attribute direkt, kompromisslos, hart am ehesten beschreiben.

Und im Abstiegskampf bei Dynamo Dresden sind die ohnehin gefragt.

Nach Stationen als Trainer bei 1860 München, Kärnten, Dresden, Rapid Wien und Rasenball Leipzig hat Pacult nun zum zweiten Mal bei Dynamo angeheuert und freut sich "riesig auf diese Chance". (BERICHT: Pacult soll Dynamo retten)

Der 53-Jährige soll den achtmaligen DDR-Oberliga-Meister vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Eine Aufgabe, die er für machbar hält.

Im SPORT1 -Interview spricht Pacult über das große Ziel, seine Rückkehr und die Fans - und lässt seiner Enttäuschung über RB-Sportdirektor Ralf Rangnick freien Lauf.

SPORT1: Herr Pacult, wie glücklich sind Sie wieder bei Ihrer "alten Liebe" Dynamo Dresden zu sein?

Peter Pacult: Ich freue mich riesig über diese Chance, wenn es auch eine schwere Aufgabe ist. Ich kenne den Verein schon seit Mitte der 80er Jahre und hatte Dynamo immer im Kopf. Damals habe ich gegen Dresden im Europacup gespielt, war dann später Trainer und jetzt wieder zurückzukehren, ist eine einmalige Sache. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.

SPORT1: Was ist für Sie das Besondere an Dynamo?

Pacult: Es ist diese Tradition, die der Verein mitbringt. Dynamo Dresden war vor der Wende ein Klub, der in ganz Europa bekannt war. Ich habe da selber noch international gespielt, und wenn du dann auch als Trainer da gearbeitet hast, dann merkst du einfach, wie diese Fans für den Verein leben.

SPORT1: Wie kam der Kontakt zu Dynamo zustande?

Pacult: Das ging ganz schnell. Ein paar Tage nach der Niederlage in Bochum rief mich der Sportdirektor (Steffen Menze, Anm. d. Red.) an, ob ich mir das vorstellen könnte. Und da musste ich mir gar nichts groß vorstellen und auch nicht lange überlegen. Die Chance nochmal für Dynamo zu arbeiten, konnte ich ohne Bedenken annehmen.

SPORT1: Bei Ihrem letzten Verein Red Bull Leipzig wurden Sie nach nur einer Saison entlassen. Was waren die Gründe?

Pacult: Alles hing nur an der Frage Aufstieg oder nicht. Als ich kam, musste ich eine halbe neue Mannschaft formen. Zehn Spieler kamen damals und das brauchte Zeit. Wir waren lange an der Spitze, haben uns aber nie richtig absetzen können, haben dann zwei, drei Spiele vergeigt und deshalb hat es zum Aufstieg nicht gereicht. Aber wenn ich mir die Truppe jetzt ansehe, da spielen noch zehn Spieler mit, die bei mir gespielt haben. Das sagt alles. Ich kann mir da schwer einen Vorwurf machen.

SPORT1: Leipzigs neuer Sportdirektor Ralf Rangnick hat Sie entlassen. Wie war das Verhältnis?

Pacult: Ich habe mit Herrn Rangnick bis heute keinen Kontakt gehabt. Wir haben uns nur durch Zufall gesehen, da war ich schon beurlaubt. Die Konzernführung hätte sich ein Gespräch gewünscht, aber dazu kam es leider nie. Das war mein Ende bei RB.

SPORT1: Sind Sie enttäuscht von Rangnick?

Pacult: Ja. Das gehört sich nicht. Ob man dann im Gespräch zusammen kommt, ist etwas anderes, aber dazu kam es nie. Wir kennen uns schon seit 1996/97, als Rangnick Trainer in Ulm war und ich Amateurtrainer bei 1860, und wir haben da schon gegeneinander gespielt. Von daher war das für mich unverständlich, dass es kein Gespräch gab. Außerdem?

SPORT1: Was denn?

Pacult: Rangnick hätte durch seine schwere Krankheit wissen müssen, wie wir Trainer ständig unter Druck stehen. Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir reden, aber ich habe alles nur aus der Zeitung erfahren. Er war der Sportdirektor und ich hing eine Woche völlig in der Luft. Es war nicht lustig, dass er mich hat so im Regen stehen lassen. Das war keine angenehme Situation, aber ich bin nicht nachtragend.

SPORT1: Die sportliche Situation bei Dynamo ist mit Platz 16 alles andere als leicht.

Pacult: Die Erwartungshaltung war etwas zu groß. Aber das kam nicht von der Vereinsführung. Das geht bei solchen Traditionsklubs sehr schnell. Aber der Kader hat die Qualität, um die Klasse zu halten. Wir wollen dennoch schauen, wo wir uns noch verbessern können und was ist finanziell möglich.

SPORT1: Sie haben als Spieler unter Trainern wie Ernst Happel und Werner Lorant trainiert. Müssen die Spieler Angst haben? Sind Sie der harte Hund oder doch der Kumpel-Typ?

Pacult: Man kriegt immer ein Image und dann bist du in einer Schublade drin. Ich trainiere, wie ich mich als Mensch fühle und bin. Jeder hat seine eigene Art und Weise. Ob ich jetzt als harter Hund oder als Streicheltrainer gelte, das ist ein Klischee, gegen das ich mich sowieso nicht wehren kann.

SPORT1: Ein negatives Thema waren in den letzten Monaten bei Dynamo die Fans. Womöglich wird der Verein in der nächsten Saison im DFB-Pokal ausgeschlossen. Wollen Sie einen Schritt auf die Anhänger zugehen?

Pacult: Ich kenne die Fan-Zustände bei Dynamo. Man darf die Fans aber nicht in eine Schublade drücken und sagen, dass sie die Einzigen sind, die Probleme machen. Es gibt genug andere Vereine, die ähnliche Probleme haben. Man muss sich nur das letzte Derby Dortmund-Schalke anschauen, was da los war. Dynamo wird immer herausgepickt, als wenn es der einzige Verein ist, wo es Probleme gibt. Dass es Probleme gibt, weiß man, aber da müssen Fans und Verein aufeinander zugehen. Ich hoffe aber, dass Dynamo nicht vom Pokal ausgeschlossen wird.

SPORT1: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn es für Sie am 3. Januar losgeht?

Pacult: Auf die Arbeit mit der Mannschaft und auf das Training wieder. Es macht einfach einen riesigen Spaß auf dem Platz zu stehen. Und ich freue mich auf die Fans. Natürlich wird nicht jeder jubeln, wenn der Pacult Trainer geworden ist, aber ich denke das war auch beim ersten Mal so, wo eine Trainerlegende Franke (Christoph Franke, Anm. d. Red.) nicht mehr da war. Da habe ich mir auch alles erarbeiten müssen. Ich kann für eine gewisse Stimmung sorgen und bin fest vom Klassenerhalt überzeugt.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel