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20.000 Besucher verwandeln das Stadion an der Alten Fösterei in ein Lichtermeer © getty

Schon zum zehnten Mal stimmen sich die Köpenicker im Stadion auf die Festtage ein. Das Ereignis macht sogar die Bayern neidisch.

Berlin - Was streng genommen als "Hausfriedensbruch" begann, ist inzwischen fester Bestandteil der Fankultur von Union Berlin (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Einen Tag vor Heiligabend pilgern die Anhänger des Zweitligisten ins Stadion An der Alten Försterei und stimmen sich dort mit Weihnachtsliedern auf die besinnliche Zeit ein.

Am Sonntag feiert diese deutschlandweit einzigartige Tradition ihr zehntes Jubiläum. Es wird mit einer Rekordbesucherzahl von mehr als 20.000 Menschen gerechnet (OST-BLOG: Eiserne Weihnachten).

"Gänsepelle und Tränen"

"Wenn um 19 Uhr das Stadionlicht ausgeht und die Tausenden Kerzen auf den Tribünen scheinen, dann habe ich Gänsepelle ohne Ende und Tränen in den Augen. In den ersten Minuten bekomme ich keinen Ton aus mir raus", sagte Torsten Eisenbeiser

Der 49-Jährige verantstaltet das Event mit seinem Fanclub "Alt-Unioner" und hatte vor zehn Jahren die Idee dazu - "aber nicht aus einer Glühweinlaune heraus", wie er betont.

Bei der Premiere 2003 lief das Weihnachtssingen noch etwas anders ab. Eisenbeiser und 88 andere Union-Fans schlichen sich in ihr "Wohnzimmer", wo sie mit Glühwein in Thermoskannen anstießen und ein paar Lieder trällerten. "Wir kannten damals die Schlupflöcher des alten Stadions", sagte er: "Aber heute muss keiner mehr über Zäune klettern."

Besucher auf dem Spielfeld

Heute muss man vor allem pünktlich sein, um noch einen Platz zu bekommen. Weil der Andrang im vergangenen Jahr so groß war, gibt Union erstmals auch das Spielfeld für die Besucher frei. "Ein mulmiges Gefühl" habe er dabei, sagt Eisenbeiser: "Der Rasen ist ja irgendwie heilig."

Die Spielfläche wird jedoch mit Schutzplatten ausgelegt. Die Bühne mit Pfarrer Peter Müller, der die Weihnachtsgeschichte vorliest, den Musikern und dem Chor rückt dafür vor die fast fertige Haupttribüne. Am Eingang erhalten die Besucher kostenlos Liederbücher und Kerzen, auch für den Eintritt müssen die Fans kein Geld zahlen.

"Ihr Kinderlein kommet"

Als erstes ertönt beim Weihnachtssingen traditionell das Intro der Vereinshymne der Eisernen, dann schmettern rund 20.000 zum großen Teil mit roten Mützen gekleidete Menschen als erstes Lied "Ihr Kinderlein kommet".

Das passt auch deshalb so gut, weil in den vergangenen Jahren immer mehr Fans kurz vor Heiligabend den Weg ins Union-Stadion suchen. Selbst Leute aus Schweden, Frankreich und Österreich reisen am Sonntag eigens für das Gemeinschaftsgefühl der besonderen Art nach Berlin.

"Schon nach dem dritten Weihnachtssingen war uns klar, dass wir die Veranstaltung nicht mehr weglassen können", sagt Eisenbeiser.

Sechsstelliger Etat

Ohne die "1-A-Zusammenarbeit mit dem Verein" und die Unterstützung einiger Sponsoren sei der fast sechsstellige Etat nicht mehr zu stemmen. Der Eventcharakter nimmt immer mehr zu. An Verkaufsständen gibt es Glühwein für die Großen und Schokoladen-Weihnachtsmänner für die Kleinen.

Das Kult-Singen ist längst über die Berliner Grenzen hinaus bekannt. Selbst ein Mittelsmann des Rekordmeisters Bayern München habe sich bei ihm schon erkundigt, wie man so etwas auf die Beine stellt, verrät Eisenbeiser stolz.

"Uns alle verbindet die Liebe zum Klub und der Stolz auf die Atmosphäre in unserem Stadion", sagt der Organisator: "Dieses gemeinsame Erlebnis ist unbezahlbar, dabei muss man dafür nicht mal Geld ausgeben."

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