vergrößern verkleinern
Dieter Schneider (l., mit Ismaik, r.) ist seit 2010 als 1860-Präsident im Amt © imago

Es knallt mal wieder heftig bei den Münchner Löwen. Groß-Unternehmer Hasan Ismaik wirft Klub-Boss Schneider Unehrlichkeit vor.

München - Der TSV 1860 München steht vor einer Zerreißprobe. Mal wieder.

Sportlich steht der Klub im Zweitliga-Mittelmaß (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Jetzt scheint zudem wieder mal etwas mit der Kommunikation im Klub nicht zu stimmen.

Löwen-Investor Hasan Ismaik attackierte 1860-Präsident Dieter Schneider und legte ihm erneut den Rücktritt nahe.

"Warum sollte ein alter Mann wie Schneider am Präsidentenposten festhalten? Die einzige Erklärung ist, dass seine persönlichen Interessen und sein Öffentlichkeitsdrang ihn dort halten", sagte Ismaik der "tz".

"Schneider ist nicht ehrlich"

Schneider sei im Umgang mit ihm, mit den Fans und sich selbst "nicht ehrlich. Er gibt ständig inhaltlich falsche Statements ab, und wenn man ihn damit konfrontiert, streitet er alles ab und meint, das habe er so nicht gesagt", behauptete Ismaik. Der Klub brauche "frisches Blut".

1860: "Überrascht und irritiert"

Die "Löwen" reagierten am Donnerstagabend mit einer Stellungnahme.

"Der Verein ist überrascht und irritiert über diesen Weg der Kritik und die Art und Weise der Äußerungen. Wir möchten zuallererst betonen, dass alle bisherigen Maßnahmen und Vorgehensweisen in Abstimmung mit Hasan Ismaik entschieden und umgesetzt wurden. Wir haben immer unsere Bereitschaft erklärt, unterschiedliche Meinungen in persönlichen Gesprächen mit unserem Partner bzw. den dafür zuständigen Gremien aufzuarbeiten und zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Dazu stehen wir nach wie vor. Persönliche Angriffe sind in diesem Zusammenhang kontraproduktiv und sollten nicht Teil einer Verhandlungstaktik sein", hieß es in dem Statement.

Trainerfrage: Ismaik besteht weiter auf Eriksson

Zwischen der Führung der Münchner und dem Geldgeber hatte es immer wieder Spannungen gegeben. Zuletzt hatte sich an der Trainerfrage eine Auseinandersetzung entzündet.

Ismaik wollte den schwedischen Star-Trainer Sven-Göran Eriksson installieren, die Löwen lehnten dies ab und schenkten Alexander Schmidt das Vertrauen.

Doch an der Person Eriksson hält Ismaik nach wie vor fest. Der Ex-Nationaltrainer Englands sei "ein Freund. Seine Motive sind nicht materiell", sagte Ismaik.

Eriksson wolle vielmehr "eine Erfolgsstory begründen und das Potenzial bei 1860 für einen Aufstieg nutzen".

"Leistungen des Teams haben sich verschlechtert"

Im Mai 2012 hatten sich Ismaik und die Münchner einem Dreijahresplan verpflichtet, der den Deutschen Meister von 1966 bis zum Jahr 2015 zurück in die Bundesliga führen soll.

Er habe die Zukunftsvision, den ihm der Klub vorgelegt habe, "bedingungslos akzeptiert", hatte Ismaik damals gesagt. Die Spannungen waren zu der Zeit ausgeräumt gewesen.

Dreijahresplan "komplett gescheitert"

"Ich habe den Plan im ersten Jahr unterstützt. Es wurden sechs neue Spieler verpflichtet, aber die Leistungen des Teams haben sich verschlechtert."

Den Plan, den Ismaik ursprünglich einhalten wollte, sieht er als "komplett gescheitert" an. Dafür seien die Leistungen der Mannschaft und die Tabellensituation nur ein Beispiel, so Ismaik.

Er will den Aufstieg schneller und droht andernfalls mit seinem Ausstieg.

Botschaft an die Fans

"Wenn mein Partner keinen Respekt zeigt, ..., dann werde ich nicht länger bleiben. Falls sie mir nicht die Chance geben, in die Bundesliga aufzusteigen und später in die Europa League oder Champions League zu kommen, dann hat dieses Investment keinen Wert für mich."

Ismaik richtet seine Botschaft an die Fans. "Die Leute, denen ich vertraut habe, haben einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein. Ich mache keine taktischen Spielereien, mir tut die Entwicklung am meisten weh", betont Isamik.

"Schließlich ist es mein Geld, mit dem hier gearbeitet wird." Fragt sich nur, wie lange noch.