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Philipp Tschauner (M.) wechselte 2011 von 1860 München zum FC St. Pauli © getty

St. Paulis Keeper ist nach seinem Ausgleichstor der Held am Millerntor. Gegen Dresden ist er wieder in normaler Rolle gefragt.

Hamburg - Weinen, lachen, hüpfen und zwischendurch immer wieder die Arme hochreißen.

Nach seinem sensationellen Kopfballtor am Abend eines eiskalten Ostermontags fuhren die Emotionen mit Philipp Tschauner Achterbahn.

Passend dazu flackerte die Lightshow vom benachbarten Volksfest Hamburger Dom über das schweißnasse Gesicht des fassungslosen St. Pauli-Keepers.

"Im Training habe ich so schon mal die Latte getroffen, aber dass ich es nun erleben darf, vor diesen Fans ein Tor zu erzielen, ist irre", sagte der frühere U-21-Nationaltorhüter nach seinemTreffer zum 2:2 (0:0) des FC St. Pauli gegen den SC Paderborn (Bericht).

Nicht enden wollende Ehrenrunden

28.278 Fans priesen Tschauner lautstark als "Fußball-Gott" und drängten ihn zu nicht enden wollenden Ehrenrunden.

Noch vor zwei Wochen hatte Tschauner seinen Trainer Michael Frontzeck bei einem Zusammenprall mit einem dreifachen Rippenbruch ins Krankenhaus und anschließend in den Operationssaal befördert.

Spätestens am Montagabend hatte der Coach dem 27-Jährigen verziehen. "Wenn er immer ein Tor macht, darf er mir jede Woche eine Rippe brechen", scherzte der ehemalige Bundesliga-Verteidiger und fügte fachmännisch hinzu: "Philipp ist eben ein Klotz, der schwer zu verteidigen ist."

Tränen und Dank

Nachdem die ersten Freudentränen weggedrückt waren, kam auch der Dank an den Teamkollegen nicht zu kurz. "Die Ecke von Dennis Daube war sehr gut geschossen. Ich habe geschrien und bin dann einfach durchgelaufen", berichtete Tschauner.

Von der Torraumlinie aus ließ der 1,96 m lange Keeper, der bis 2015 beim Kiezklub unter Vertrag steht, seinem Paderborner Kollegen Lukas Kruse keine Abwehrmöglichkeit.

Dabei brillierte Tschauner mit einer durchaus soliden Kopfballtechnik.

Lehmann und Co. als Vorbilder

In der Zweiten Liga gelang dieses Tor-Kunststück bisher nur Stefan Brasas, der in der Saison 1995/96 als Keeper des SV Meppen gegen Carl Zeiss Jena traf, auch in höheren Ligen gibt es für Tschauners Husarenstück durchaus Vorbilder.

So war der ehemalige Nationalkeeper Jens Lehmann zu Schalker Zeiten in der Bundesliga ebenso per Kopf erfolgreich wie seine Kollegen Sinan Bolat für Standard Lüttich in der Champions League und Andres Palop im früheren UEFA-Pokal für den FC Sevilla.

In der dritten dänischen Liga traf Jakob Hansen für BK Frem Kopenhagen sogar per Fallrückzieher.

Die Null soll wieder stehen

Nach Tschauners großer Show, mit der er die vierte Heimniederlage der Hanseaten gerade noch abwenden konnte, ist nun wieder geerdete Fußballarbeit gefragt, um die Norddeutschen endgültig ins gesicherte Fahrwasser zu bringen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dafür muss am Samstag bei Dynamo Dresden bei "Crash-Keeper" Tschauner nach sechs Gegentoren in den letzten drei Spielen möglichst wieder die Null stehen - im eigenen Kasten, versteht sich.

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