SPORT1-Reporter Fabian Greve schreibt über einen magischen Moment am Millerntor, den der Trainer fast verhindert hätte.

Ich dachte, ich hätte in 25 Jahren am Millerntor eigentlich alles erlebt! Okay, europäischen Fußball natürlich nicht, aber damit war ja auch nie zu rechnen.

Aber ansonsten war wirklich alles dabei! Und doch ist die Liste der außergewöhnlichen und unvergesslichen Momente am Montag Abend wieder um einen Punkt länger geworden.

Als St. Paulis Keeper Philipp Tschauner beim Stande von 1:2 in der 90. Minute sein Tor verließ und nach vorne stürmte, weil es eine Ecke gab, passierte das nahezu Unglaubliche.

In allerbester "Horst Hrubesch-Manier" schädelte er den Eckball zum 2:2 ins Paderborner Netz!

Eine wahrhaftige Eruption auf den Rängen und ein total überwältigter und fassungsloser Philipp Tschauner prägten diese eindrucksvolle Szenerie um 22 Uhr am Millerntor.

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Nach Torhütern wie Volker Ippig und Klaus "dem Tier im Tor" Thomforde hat St. Pauli nun wieder einen neuen Kultkeeper.

Unzählige Male hat "Tschauni" seinen Treffer nachts noch mit seiner Freundin als Aufzeichnung gesehen, an Schlaf war ohnehin nicht zu denken.

In seinem 100. Zweitligaspiel hat der 27-Jährige Geschichte geschrieben. Nach Abpfiff taumelte er fassungslos und mit Tränen in den Augen über den Rasen, von Mitspielern und 28.000 Fans minutenlang frenetisch gefeiert.

Eigentlich wäre ihm dieser legendäre Moment versagt geblieben. Denn Trainer Michael Frontzeck wollte ihm noch zurufen: "Bleib hinten Tschauni, es ist ja noch nicht mal die Nachspielzeit angezeigt!"

Aber weil der Coach zuvor schon soviel geschrien hatte, versagte seine Stimme. Zum Glück!

Eben jenem Frontzeck, dem Tschauner vor 14 Tagen unabsichtlich im Training drei Rippen gebrochen hatte und ihn somit ins Krankenhaus und auf den OP-Tisch beförderte.

Der Trainer sagte nach Spielschluss scherzhaft : "Er kann mir gerne jede Woche ein Rippe brechen, wenn er dann immer ein Tor macht".

Tschauners Mitspieler ließen wissen, dass ihr Torwart im Training schon hin und wieder mal seine Kopfballstärke unter Beweis gestellt hätte, es aber bisher nur zu einem Lattentreffer gereicht hätte.

Nun hat Philipp Tschauner auch getroffen, einen Punkt gegen Paderborn und den Eintrag (nicht nur) in St.Paulis Geschichtsbücher gesichert.

Willkommen im Klub der Kultfiguren, Tschauni! Und danke für einen weiteren magischen Moment am Millerntor?...

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