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Franco Foda (l.) und Holger Stanislawski trainieren ihre Vereine seit dem 1. Juli 2012 © getty

Auf dem Betzenberg fällt die Vorentscheidung um Rang drei. Foda und Stanislawski versuchen bei SPORT1, den Druck zu mildern.

Von Reinhard Franke

München - Holger Stanislawski ist heiß.

"Ein richtig geiles Fußballspiel", erwartet sich der Trainer des 1. FC Köln im Gespräch mit SPORT1 vor dem Aufstiegsgipfel beim 1. FC Kaiserslautern (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER und in der Zusammenfassung ab 22.30 Uhr in Hattrick - Die 2. Bundesliga):

"Da treffen zwei Traditionsmannschaften aufeinander, die gefühlt in die Bundesliga gehören. Das musst du einfach genießen."

Das Problem bei der Sache: Nur aus einem der beiden gefühlten Bundesligisten kann auch wieder ein tatsächlicher Bundesligist werden.

Und die entscheidende Weichenstellung wird wohl in dem direkten Duell um den dritten Platz fallen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Foda: Alles für Platz drei

Lange Zeit sah es nicht danach aus: Monatelang standen die "Roten Teufel" scheinbar sicher auf dem heißbegehrten Relegations-Rang, hatten mal elf Punkte Vorsprung auf die Kölner.

Doch eine Woche vor dem direkten Aufeinandertreffen robbten sich die "Geißböcke" an den Pfälzern in der Tabelle vorbei: Während der FCK nur ein mageres 1:1 in schaffte, siegten die Kölner mit 2:1 gegen Jahn Regensburg und fahren darum als Dritter zum Topspiel auf den ausverkauften Betzenberg.

Dort wollen die Hausherren alles daran setzen, die Verhältnisse wieder umzukehren. "Wir halten an unserem Ziel fest, werden alles Mögliche versuchen und wollen unter die Top drei", versichert Coach Franco Foda bei SPORT1.

Letzte Chance für Lautern?

Der Zugzwang ist gewaltig, aber das ist Foda nur recht: "Den Druck aufsteigen zu wollen, habe ich mir selbst auferlegt, als ich hier her gekommen bin. Die Stimmung war nach dem Abstieg sehr pessimistisch und damals wären alle froh gewesen, heute diese gute Ausgangslage zu haben."

Von seinen Spielern versucht Foda derweil etwas Druck zu nehmen, verweist darauf, dass auch im Misserfolgsfall nicht alles verloren ist.

"Das wird ein wichtiges Spiel, aber kein Endspiel", betont der 46-Jährige: "Danach gibt es noch sechs Spiele." Stanislawski sieht es übrigens genauso: "Der Freitag wird nicht darüber entscheiden, wer Dritter wird."

Foda: "Kleinigkeiten fehlen"

Wird er auch nicht, aber eine Vorentscheidung wird es eben sehr wohl geben: Wer verliert, gibt den Kampf um Platz drei aus der eigenen Hand und muss fortan auf einen Ausrutscher des Konkurrenten hoffen.

Also mahnt Foda seine Mannen, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und ihre Schwächen abzustellen.

"Das einzige, was man meiner Mannschaft vorwerfen kann, ist, dass wir in einigen Spielen in Führung gegangen ist und es dann versäumt haben, das 2:0 nachzulegen wie in Braunschweig und auch in Sandhausen."

Wenn man solche klaren Chancen habe, "dann muss man diese nutzen und darf sich in der Defensive keine Nachlässigkeiten erlauben. Es sind nur Kleinigkeiten, die uns fehlen, um ganz vorne zu sein."

FCK-Coach sieht keinen Einbruch

Die Summe dieser Kleinigkeiten ergibt aus Fodas Sicht übrigens keine Krise - trotz des Sturzes von Platz drei:

"Wir haben keinen Leistungseinbruch, wir haben im Frühjahr von sieben Spielen nur eins verloren. Die Kölner hatten rückblickend einen schlechten Start, haben aber großes Potenzial im Kader, es war daher nicht unerwartet, dass sie jetzt vorne mitspielen."

Foda mag das so bewerten, etwas unverhofft ist es für die Kölner dann aber doch, im Aufstiegsrennen nun wieder so gut dabei zu sein.

Stanislawski bremst Euphorie nicht

Euphorie am Rhein ist die Folge - die auch Stanislawski erfasst hat: "Natürlich glauben wir an diese Chance, weil wir uns seit Monaten gut präsentieren. Wir wären schlechte Sportsleute, wenn wir Platz drei nicht erreichen wollen würden."

Der Trainer sucht dabei aber die richtige Mischung, die Hochstimmung zu fördern, ohne sie überschwappen zu lassen:

"Grundsätzlich ist positive Euphorie etwas Gutes, die wollen wir gar nicht bremsen. Dennoch bin ich dafür da, das alles in geregelten Bahnen zu halten. Wir wollen positiv an die ganze Sache rangehen, aber auch mit der nötigen Distanz, die das ganze Spiel braucht."

"Es gibt Schlimmeres im Leben"

Die Aussicht, den gerade erst eroberten dritten Platz gleich und womöglich endgültig verlieren zu können, soll die Kölner jedenfalls nicht lähmen: "Die Jungs wissen, dass wir ein ganz schweres Spiel vor der Brust haben, aber Druck sehen wir nicht negativ, sondern positiv."

Und wie vermittelt Stanislawski das seinen Schützlingen? "Ich habe zu meinen Spielern gesagt, dass es Schlimmeres im Leben gibt, als am Freitag um 18 Uhr auf dem Betzenberg zu spielen."

So kann man es natürlich auch sehen.

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