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Piere-Michel Lasogga (r.) bestritt bislang 31 Bundesligaspiele für die Hertha © imago

Berlin ist zurück in der Bundesliga und will das Image des Fahrstuhlteams loswerden. Lasogga lässt seine Seuchenmonate vergessen.

Von Denis de Haas und Andreas Ziepa

München/Berlin - Geschafft! Durch das 1:0 gegen den SV Sandhausen steht Hertha BSC als erster Aufsteiger fest (Bericht).

50.000 Fans im Olympiastadion feierten den Erfolg frenetisch, Berlin ist zurück in der Bundesliga - und dort möchten die Hauptstädter nun auch möglichst lange bleiben.

Die Alte Dame will nach vier Jahren des Pendelns zwischen erster und zweiter Liga endlich das Image der Fahrstuhl-Mannschaft loswerden.

"Wir würden gern ein Schild an den Fahrstuhl hängen: 'Außer Betrieb'", sagte Manager Michael Preetz. "Wir müssen sportlich aus diesem letzten Auf und Ab ausbrechen."

Die Herausforderung sei es, "diesen Klub in den nächsten Jahren unter den besten 18 Klubs in Deutschland zu etablieren."

Lasogga von der Regionalliga in die Bundesliga

Dass die Hertha wieder zu diesen Klubs gehört, dazu trug Pierre-Michel Lasogga sein Teil mit dem Siegtreffer gegen Sandhausen bei.

Am Mittwoch musste der junge Stürmer noch mit der U 23 gegen Optik Rathenow ran, zum Duell im Niemandsland in der Regionaliga Nordost.

444 Zuschauer verliefen sich im kleinen Hertha-Amateurstadion, der talentierte Angreifer hatte beim 3:1-Erfolg keine großen Szenen.

Doch Kerstin Lasogga baut ihren Sohn auf und wird für zum Orakel. "Mutti hat gesagt: Du hebst dir das Tor fürs Aufstiegsspiel auf. Und sie hat wie immer recht gehabt", erklärt der 21-Jährige, der auf seine Mutter auch als Beraterin setzt.

Abstauber zum Siegtor

In der 85. Minute wurde am Sonntag im Olympiastadion Frau Lasoggas Prophezeiung Wirklichkeit.

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Adrian Ramos köpfte aufs Sandhäuser Tor, der Ball prallte vom Pfosten ab: Lasogga war zur Stelle und staubte ab.

Lasogga rannte zur Kurve, konnte sein Glück kaum fassen. Ausgerechnet er, der Pechvogel der Vorsaison, war zum Matchwinner geworden.

"Ich habe das ganze Jahr dafür gearbeitet. Es hat sich gelohnt", berichtete der Siegtorschütze hinterher.

Kreuzbandriss vor der Relegation

Am letzten Spieltag der vergangenen Bundesligasaison riss sich Lasogga gegen Hoffenheim das vordere Kreuzband im rechten Knie. Er verpasste die Relegationsspiele gegen Fortuna Düsseldorf, die für Hertha mit dem Abstieg endeten.

Das Comeback verlief schleppend. Weil die Berliner Offensive mit Spielern wie Adrian Ramos, Sami Allagui und Sandro Wagner gut aufgestellt war, blieb für den genesenen Lasogga meistens nur die Jokerrolle.

Mann des Tages in 18 Minuten

Auch am Sonntag brachte Trainer Jos Luhukay den U-21-Nationalspieler von der Bank. Lasogga brauchte nur 18 Minuten, um zum Mann das Tages zu werden. Der Treffer war der Auftakt zur großen Aufstiegsfeier.

Das Stadion tobte. Herthas uninspirierter Auftritt im ersten Durchgang war vergessen. Trainer Luhukay, ansonsten ein zurückhaltener Vertreter seiner Zunft, stellte sich mit dem Mikrofon vor die Fankurve und verkündete: "Wir sind wieder da!"

Dritter Aufstieg für Luhukay

Luhukay musste auch die obligatorische Bierdusche über sich ergehen lassen. Die Niederländer kennt dieses Ritual, schließlich führte er bereits Borussia Mönchengladbach (2008) und den FC Augsburg (2011) in die Bundesliga.

Nach der Stadionparty fuhr der Hertha-Tross zu einem griechischen Restaurant nach Grunewald. "Das ist eine ganz entspannte Atmosphäre. Wir werden mit Sicherheit das ein oder andere Getränk zu uns nehmen. Aber es geht in erster Linie darum, den Abend zu genießen", sagte Herthas Fabian Lustenberger im Interview mit SPORT1.

Klassenerhalt schon aus finanzieller Sicht Pflicht

Zum Genießen wird den Berlinern aber nicht viel Zeit bleiben, schließlich stehen die Planungen für die Bundesliga an.

Allein aus finanziellen Gründen kann sich der mit rund 42 Millionen Euro verschuldete Klub die 2. Liga mit weniger TV- und Sponsoren-Einnahmen auf Dauer nicht erlauben.

"Wir wollen uns aber auch wirtschaftlich künftig weiter konsolidieren. Das ist in der 2. Liga kaum möglich gewesen, weil die Einnahme-Verluste bei rund 50 Prozent liegen", erklärte Preetz.

Keine großen Transfer-Aktivitäten

In der ersten Liga plant Hertha mit einem Gesamtetat von rund 65 Millionen Euro, der Lizenzspieler-Etat soll rund 23 Millionen Euro betragen.

Große Aktivitäten auf dem Transfermarkt wird es wohl nicht geben, nachdem die Verlängerung mit Spielmacher Ronny bis 2017 nicht billig war.

Die ablösefreien Defensivspieler Sebastian Langkamp (FC Augsburg) und Johannes van den Bergh (Fortuna Düsseldorf) stehen auf dem Wunschzettel. Zudem soll ein zentraler Mittelfeldspieler und ein Mann für die Außenbahn kommen.

Auf lange Sicht weiter mit Luhukay

Wichtigste personelle Entscheidung bleibt aber die Verlängerung des Vertrages von Trainer Luhukay über 2014 hinaus.

Der Niederländer gilt als Aufstiegsmacher. "Wir sind überzeugt davon, in Jos Luhukay den richtigen gefunden zu haben - und damit ist der Wunsch nach Kontinuität auch wieder sehr präsent", sagte Preetz.

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