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Holger Stanislawski ist seit Juli 2012 Trainer des 1. FC Köln © getty

Köln kassiert beim MSV einen bitteren Rückschlag im Aufstiegskampf. Der Coach flucht bei SPORT1 über die Chancenverwertung.

Von Reinhard Franke

München/Duisburg - Holger Stanislawski hätte sich am liebsten jedes Barthaar einzeln ausgerissen.

1:1 hieß es nach 90 Minuten zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln (Bericht), ein Resultat, dass Kölns Trainer so gar nicht schmeckte. War's das schon im Kampf um Platz drei?

Durch das Remis verpassten es die "Geißböcke" am Montag mit dem drittplatzierten 1. FC Kaiserslautern gleichzuziehen und stehen weiter - jetzt mit zwei Punkten Rückstand - hinter den Pfälzern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Kein Wunder also, dass Stanislawski am liebsten sofort in den Mannschaftsbus und ab nach Hause wollte, aber das ging ja nicht. Es warteten noch die bohrenden Fragen der Reporter auf den FC-Coach.

Ungenügende Chancenverwertung

So blieb dem 43-Jährigen nichts anderes übrig, als das Erlebte noch mal zu erklären, auch, wenn er dazu so gar keine Lust verspürte.

"Das passiert im Fußball, da müssen wir uns an die eigene Nase packen", sagte Stanislawski zu SPORT1: "Normalerweise müssen wir mit drei, vier, fünf Toren Unterschied gewinnen, das steht außer Frage."

Ob er sauer sei auf sein Team? "Sauer bin ich grundsätzlich nie. Die Jungs probieren es ja. Aber heute war es eklatant. Ab zehn Hochkarätern habe ich aufgehört zu zählen und dann kommt es, wie es manchmal kommt, der letzte finale Ball rutscht dann rein."

MSV mit Last-Second-Tor

Thomas Bröker hatte den FC in der 23. Minute zwar in Führung gebracht, doch Dustin Bomheuer glich quasi in allerallerletzter Sekunde noch aus.

Duisburg ist durch das Unentschieden seit fünf Spielen ungeschlagen und hat nun sieben Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz.

Die Kölner waren am Ende selbst schuld. "Hätte, wenn und aber zählt nicht. Wir haben einfach zu viel liegenlassen", räumte Stanislawski selbstkritisch ein:

"Das ist unser großes Problem. Wir haben die Ruhe und Kaltschnäuzigkeit nicht, der finale Ball kommt nicht präzise genug. All diese Kleinigkeiten kommen zusammen und deshalb sind wir nur Vierter."

Noch vier Spiele

Vier Spiele bleiben dem FC jetzt noch, um den heißbegehrten dritten Platz zu erobern. Leicht wird das nicht, denn das Restprogramm der Lauterer scheint deutlich einfacher.

Stanislawski will aber noch nicht resignieren und hofft in den restlichen Spielen auf mehr Effektivität:

"In Zukunft müssen wir in solchen Situationen die Ruhe bewahren, daraus lernen, nicht nervös werden. Wir standen heute alleine fünf oder sechs Mal alleine vorm Torwart. Er hat wohl in der gesamten Saison nicht so viel zu tun bekommen wie heute."

Patzer von Horn

Kölns Keeper Timo Horn dagegen hatte einen verhältnismäßig ruhigen Abend an der Wedau, nur beim Ausgleich sah der 19-Jährige nicht sonderlich gut aus.

"Da mache ich Timo gar keinen Vorwurf. Das Gegentor heute liegt nicht an der letzten Situation", befand Stanislawski.

Sondern? "Daran, dass wir davor unsere Hochkaräter nicht genutzt haben."

"Waren nette Gäste"

Jetzt müsse man "einfach die letzten vier Spiele spielen und dann gucken, was dabei übrig bleibt. Wir bleiben dran."

Der dritte Platz sei jedoch gar nicht das primäre Ziel, erklärte er: "Wir werden auch nicht mit der Relegation planen, weil wir dafür zu blauäugig sind und zu wenige Erfahrungswerte haben."

Kölns Torschütze Thomas Bröker sieht das offenbar etwas anders: "Wir haben noch vier Spiele, sind nur zwei Punkte hintendran. Wir hatten heute viele Chancen, um das Spiel zu gewinnen. Trotz des Remis haben wir weiter Platz drei im Kopf." (35464DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)

Runjaic fällt Stein vom Herzen

Duisburgs Trainer Kosta Runjaic war unterdessen hochzufrieden mit dem Punkt, der sieben Zähler zwischen sein Team und den Relegationsrang 16 legt.

"Ich habe bis zum Ende an unser Tor geglaubt, obwohl wir heute nicht so gut gespielt haben. Am Ende müssen wir sehr zufrieden sein mit dem Ergebnis", sagte der Österreicher bei SPORT1:

"Wir sind einfach nur froh, mir fällt ein Stein vom Herzen."

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