Die Führungskrise beim Traditionsverein spitzt sich zu. Die Delgierten lehnen den Politiker ab. Der Investor sorgt für Unruhe.

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München - Es war kurz vor Mitternacht, als das Chaos bei 1860 München eine neue Dimension erreichte.

Interimspräsident Hep Monatzeder wurde am späten Donnerstagabend bei der Delegiertenversammlung der "Löwen" nicht im Amt bestätigt - diese Entscheidung verschärft die Führungskrise noch einmal.

Wie es im Machtkampf zwischen der 1860-Vereinsspitze und Investor Hasan Ismaik weitergehen wird, ist völlig offen.

Der Jordanier dürfte sich aber erst einmal gefreut haben, dass auch die Delegierten dem von ihm ungeliebten Monatzeder mit 130 gegen 66 Stimmen die Gefolgschaft verweigerten.

Der Grünen-Politiker, der im März die Nachfolge des zurückgetretenen Dieter Schneider angetreten hatte, bleibt aber solange im Amt, bis ein neues Präsidium bestellt ist.

Ismaik kündigt Darlehensverträge

Ismaik hatte erst in dieser Woche drei Darlehensverträge in Höhe von rund zehn Millionen Euro gekündigt, sich dabei aber ein Hintertürchen offen gelassen, sollte es in der Führung der Sechziger grundlegende Veränderungen geben.

Ismaik hatte in diesem Zusammenhang auch offen einen Rücktritt des Geschäftsführers Robert Schäfer gefordert, der das aber klar zurückwies.

Monatzeder und Schäfer hatten gegen den Willen von Ismaik die Verträge von Trainer Alexander Schmidt und Sportdirektor Florian Hinterberger verlängert.

Als künftiger Präsident hatte sich in den vergangenen Tagen bereits Erich Meidert in Stellung gebracht. Meidert hatte Ismaik in Abu Dhabi schon einen Besuch abgestattet, um die Lage zu sondieren.

Finanzielle Lücken schließen

Schäfer hatte indes vor der Versammlung erklärt, dass der Verein derzeit "intensiv" daran arbeite, die finanziellen Lücken auch ohne Hilfe Ismaiks zu schließen.

"Wenn Ismaik die Zahlungen, die er im Rahmen des Dreijahresplans zusicherte, nicht leistet, müssen wir es aus eigener Kraft schaffen", sagte er dem "kicker".

Dass die Situation bei den Löwen einem Komödienstadl gleicht, wurde bei der turbulenten Versammlung aber wieder einmal deutlich.

Dass die Öffentlichkeit ausgesperrt wurde, war nur ein Akt, der für reichlich Aufregung gesorgt hatte.

Brief des Investors

Auch ein grotesker Brief von Ismaik, der verlesen wurde, war ein weiterer Beweis für die verfahrene Lage. Darin spricht er davon, dass Schneider das Opfer einer "perfekten Verschwörung" war.

Der 36 Jahre alte Jordanier versicherte in dem Schreiben weiter, nie beabsichtigt zu haben, "meine Beteiligung an dem Verein beziehungsweise an der KG zu veräußern, obwohl die Kooperation nicht gut genug war, was die Arbeit und die Ziele betraf".

Er sei "nicht bereit, wegzutreten und nur zuzuschauen". Vielmehr sei er "sehr tief besorgt, was 1860 München und meine persönlichen Ziele betrifft, die stets zum Ziel hatten, dass 1860 München eines Tages in die Bundesliga aufsteigt".

Kopfschütteln über Äußerungen

Dass er ganz gut mit Schneider ausgekommen sei, sorgte dann endgültig für Kopfschütteln, zumal der Ex-Präsident zermürbt von den ständigen Diskussionen mit Ismaik sein Amt zur Verfügung gestellt und wahrlich nicht zu den Freunden des Arabers gezählt hatte.

Ismaik behauptete gar, Schneider sei "Opfer einer Verschwörung" des Aufsichtsrates gewesen. Dessen Chef Otto Schneider war bei Ismaik, der im Mai 2011 bei 1860 eingestiegen war, zuletzt auch in Ungnade gefallen.

Neue Satzung

Dass bei der Außerordentlichen Delegiertenversammlung auch eine neue Satzung beschlossen wurde, ging fast unter.

So wird es bei den "Löwen" eine Rückkehr zum Mitgliedersystem geben. Die erste Mitgliederversammlung seit 1974 könnte bereits im Mai oder Juni stattfinden, dann soll ein neuer Präsident gewählt werden.

Das Chaos geht weiter.

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